München - Das Landgericht München hat den früheren Siemens-Vorstand Uriel Sharef vom Vorwurf der Untreue freigesprochen.

"Die Anklagepunkte haben sich nicht bestätigt", sagte Richterin Jutta Zeilinger am Freitag. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie eine Geldstrafe gefordert. Die Ankläger hatten dem 69-Jährigen zur Last gelegt, vor elf Jahren die Bestechung argentinischer Regierungsvertreter und die Einrichtung schwarzer Kassen gedeckt zu haben. Rund 9,5 Millionen Dollar seien im Zusammenhang mit einem Auftrag für elektronische Pässe an den seinerzeitigen Siemens-IT-Ableger SBS geflossen. Sharef war im Siemens-Vorstand für die Region Lateinamerika zuständig.

Richterin Zeilinger erklärte, mehrere Zeugen seien für das Gericht nicht greifbar gewesen. Sie bemängelte auch die Arbeit der Staatsanwaltschaft, die Akten unvollständig vorgelegt habe. Mehrere Vernehmungsprotokolle seien für eine Aufarbeitung der Vorwürfe unbrauchbar gewesen. "Eine Gesamtschau der Beweismittel stützt eine Verurteilung nicht." Es habe in Südamerika seinerzeit sehr wohl schwarze Kassen gegeben, es gebe allerdings keine Beweise dafür, dass Sharef sie für Korruptionszwecke benutzen ließ. Sharefs Verteidiger hatten im Prozessverlauf die Einstellung des Verfahrens gefordert und auf einen Freispruch plädiert. Der Ex-Manager zeigte sich mit dem Ausgangs des Verfahrens zufrieden: Nach dem Richterspruch küsste er seine Verteidigerin.

Die Staatsanwaltschaft kündigte Revision an. "Wir halten das Urteil für falsch", sagte Ankläger Thomas Weith. "Der Freispruch beruht darauf, dass die Kammer mehreren Mitarbeitern der Siemens AG, die Herrn Sharef belastet haben, schlicht nicht geglaubt hat." Die anfänglich fehlenden und schließlich nachgereichten Akten hätten letztlich keine Rolle im Verfahren gespielt.

Von den früheren Vorständen wurde bislang lediglich Johannes Feldmayer wegen der verdeckten Finanzierung der Betriebsräteorganisation AUB schuldig gesprochen. Andere Vorstände zahlten Bußgelder und Schadenersatz in Millionenhöhe. Mehrere Manager der mittleren Führungsebene wurden zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt.