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Islamisten erobern Iraks zweitgrößte Stadt Mossul

شعار Reuters Reuters 10/06/2014 - von Ziad al-Sinjary

- von Ziad al-Sinjary

Mossul (Reuters) - Radikale Islamisten haben am Dienstag Iraks zweitgrößte Stadt Mossul erobert.

Mit der Einnahme der Millionenstadt sind die Extremisten ihrem Ziel, die von ihnen beherrschten Gebiete in Syrien und Irak zu verbinden, offenbar einen großen Schritt nähergekommen. Vertreter von Polizei und Militär sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) habe am Morgen fast alle Stützpunkte der Sicherheitskräfte eingenommen. Vorausgegangen waren viertägige Gefechte mit den schwerbewaffneten Rebellen. Tausende Menschen flohen aus der Stadt nach Norden in die angrenzenden Kurdengebiete, während die Armee auf ihrem Rückzug Munitions- und Treibstofflager in Brand setzte. Ministerpräsident Nuri al-Maliki forderte das Parlament auf, den Ausnahmezustand auszurufen. Darüber sollte in einer Dringlichkeitssitzung am Donnerstag entschieden werden.

Ein Reuters-Reporter sah in den Straßen der Stadt zahlreiche, zum Teil verstümmelte Leichen von Soldaten und Polizisten. "Wir haben heute morgen Mossul verloren", sagte ein Oberst der Armee. "Die Einheiten von Armee und Polizei haben ihre Posten verlassen und die Terroristen der Isil haben völlig die Kontrolle übernommen." Ein Universitätsdozent beschrieb, wie die schwarzen Banner der Sunniten nun über den meisten Regierungsgebäuden wehten. Er versuchte, mit seiner Frau und seinen drei Kindern aus der Stadt zu entkommen. "In Mossul ist es jetzt wie in der Hölle", sagte eine Mutter, die ebenfalls versuchte, sich mit ihren Kindern in Sicherheit zu bringen. Die Stadt "steht in Flammen und der Tod ist überall".

OFFIZIER: "WIR KÖNNEN SIE NICHT BESIEGEN"

Zwei Offiziere sagten, der Befehl zum Rückzug sei erteilt worden, nachdem die Islamisten den Militärstützpunkt Ghislani eingenommen hatten und mehr als 200 Insassen eines Hochsicherheitsgefängnisses freiließen. Mehreren Insidern zufolge wurden aus einem anderen Gefängnis mehr als 1000 Häftlinge befreit, bei denen es sich überwiegend um Islamisten handle. Vor ihrer Flucht tauschten Polizisten ihre Uniformen gegen Zivilkleidung und warfen ihre Waffen weg. "Wir können sie nicht besiegen. Es geht nicht", sagte einer von ihnen. "Sie sind für den Straßenkampf gut ausgebildet und wir nicht. Wir brauchen eine ganze Armee, ums sie aus Mossul zu vertreiben."

Al-Maliki bat in einer Rede die internationale Gemeinschaft um Hilfe beim Kampf seines Landes gegen den Terrorismus und forderte die Ausrufung des Notstandes. Parlamentspräsident Osama Nudschaifi rief den Präsidenten der irakischen Kurden auf, seine Peschmerga-Miliz nach Mossul zu schicken und die Stadt zurückzuerobern. Auch er sprach von Terroristen. Der ehemalige Maliki-Berater Ibrahim al-Sumeide'i forderte den Ministerpräsidenten zum Rücktritt auf, damit eine Regierung der nationalen Rettung gebildet werden könne. Al-Sumeide'i hat sich mit dem Premier überworfen. Mit der Eroberung Mossuls habe es Isil geschafft, ihre Fronten im Irak und in Syrien zusammenzuführen, sagte er. "Sie haben ihr Ziel erreicht."

Die Organisation ist in beiden Staaten aktiv. Isil verfolgt zwar eine ähnliche Ideologie wie die Al-Kaida. Ihr Chef Abu Bakr al-Baghdadi ignoriert jedoch die Anweisung der international bekannteren Gruppe, die Kämpfe in Syrien einzustellen und sich auf den Irak zu konzentrieren. Im syrischen Bürgerkrieg hat Isil in den vergangenen Wochen große Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht, überwiegend bei Kämpfen gegen andere Oppositionsgruppen.

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