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Hohe Ausbauqualität, wenig Staumöglichkeiten - Westfalia Sven Hedin im Test

Promobil-Logo Promobil 30.01.2018 Dominic Vierneisel
Westfalia Sven Hedin: Vorhang auf für eine der interessantesten Campingbus-Neuheiten 2018: Der Westfalia Sven Hedin. Hohe Ausbauqualität, wenig Staumöglichkeiten - Westfalia Sven Hedin im Test Westfalia Sven Hedin: Vorhang auf für eine der interessantesten Campingbus-Neuheiten 2018: Der Westfalia Sven Hedin. © Ingolf Pompe Vorhang auf für eine der interessantesten Campingbus-Neuheiten 2018: Der Westfalia Sven Hedin.

In diesem Test:

  1. Wohnen
  2. Beladen
  3. Technik
  4. Fahren
  5. Basisinfos und Preise
  6. Das fiel uns auf
  7. Fazit

Sagen wir es doch einfach geradeheraus: Aus Fahrersicht ist der VW Crafter derzeit der beste Transporter der 3,5-Tonnen-Klasse. Und das macht ihn für Campingbus-Ausbauer so überaus interessant. Allerdings stellt er sie auch vor ganz besondere Herausforderungen. Anders als das sachlich geradlinige VW-Design vermuten lässt, huldigt die Karosserie der dynamischen Linie. Sie wölbt sich – von oben betrachtet – in der Taille nach außen, zieht – von hinten gesehen – oben stark ein. Gerade Kanten gibt es nicht, und darin liegt – abgesehen von der auch insgesamt eher schmalen Hülle – das Problem.

Westfalia löst es beim Sven Hedin sehr elegant, und alle, die den Neuen schon mal gesehen haben, sagen: „Wow, interessant.“ Doch es schwingt auch ein bisschen Skepsis in dem Wort mit. Diese Idee mit dem Pop-out, um das Bett trotz der schmalen Karosserie auf zwei Meter Länge zu strecken, das ist ja schon eine clevere – denn schließlich will sich niemand mit Liegemaßen um 1,80 Meter zufrieden geben –, aber funktioniert das denn wirklich?

Jeder will wissen, ob die Rechnung, die Westfalia da aufmacht, wirklich aufgeht. Mit diesem ausführlichen Test liefert promobil die Antwort. Wir haben live und in Farbe ausprobiert, wie sich der Crafter-Ausbau so im Camping-Alltag schlägt. Seien Sie gespannt.

Wohnen

Gedanklich bewegt man sich bei einem Campingbus der 6-Meter-Klasse immer irgendwie im Ducato-Kosmos. Doch etwas ist signifikant anders im Sven Hedin: Das Brett vor dem Kopf fehlt. Während bei vielen Fiat-Ausbauten ein großes Gepäckfach über dem Fahrerhaus den Durchstieg ins Cockpit behindert, gönnt der Westfalia-Bus einem viel Luft nach oben. Die Kopffreiheit an der Sitzgruppe tut definitiv gut, denn insgesamt geht es im Wohnraum des Sven Hedin eher intim zu.

Um die zum Beifahrer hin verlängerbare, aber etwas wackeligeTafel finden zwei Personen genügend Platz; es gibt übrigens noch einen zweiten, etwas kleineren Tisch. Die Rücksitzbank ist ähnlich wie im Pkw konturiert in zwei einzelne Sitzflächen, mit einer neigungsverstellbaren Lehne und für den Bedarfsfall sogar mit Isofix für Kindersitze ausgestattet.

Die Vordersitze sind sesselig-komfortabel mit großen Schenkelauflagen, die jedoch für kleinere Menschen sehr hoch liegen. Um sie zu drehen, muss man sie in die oberste Position bringen, sonst schleift die Verkleidung an der Konsole. Auch ragt der Bügel für die Längsverstellung weit unter dem Sitz hervor, so dass die Wade öfter unliebsamen Kontakt hat. Eine zweite Armlehne werden Reisemobilfans bestimmt vermissen. Gut: zwei tiefe Ablagefächer neben der Bank und zwei über den Sonnenblenden.

Auch an anderer Stelle gibt sich Westfalia Mühe, der knapp geschnittenen Crafter-Hülle Lebensraum abzutrotzen. Ein Beispiel dafür ist die Küche, die komplett auf Hängeschränke verzichtet. Die Karosserie ist oben so stark eingezogen, dass ein Staukasten in Kopfhöhe massiv stören würde. So jedoch kann man die kleine Arbeitsfläche neben der Spüle tatsächlich für Kochvorbereitungen nutzen. Die Folge ist allerdings ein Mangel an Stauraum, den auch die drei zusätzlichen offenen Ablagen nicht voll kompensieren. Unser Standard-Küchenequipment für ein langes Wochenende mussten wir zum Teil in einer Klappbox unter das Bett auslagern.

Über die zwei Kühlschrank-Schubladen an der Front des Küchenblocks, an die man auch von außen herankommt, kann man diskutieren:

  • Fakt 1: Es gibt kein Extra-Gefrierfach.
  • Fakt 2: Dumm, dass durch die offenen Drahtkörbe die ganze, mit Akkupower erzeugte Kälte herausfällt. Da wären geschlossene Laden auf jeden Fall besser.
  • Fakt 3: Dessen ungeachtet kriegt man eine Menge unter.

Standard in der 6-Meter-Klasse ist ein Bad – natürlich auch im Sven Hedin. Es fällt nicht sehr groß aus, doch auf Reisen freut man sich über die Unabhängigkeit, die einem die Toilette trotz unbequem hoher Sitzposition beschert. Außer der Auftischarmatur am kleinen Waschbecken gibt es auch eine Duschbrause, die Menschen bis etwa 1,80 Meter Körperlänge für die Ganzkörperhygiene nutzen können. Unter den kleinen Spiegelschränkchen nehmen fünf offene Ablagen Pflegeartikel auf. Auch das eine oder andere Handtuch kommt hier unter; ein, zwei klassische Haken wären uns dennoch recht, zumal dafür Platz vorhanden wäre. Richtig großzügig sind die Spiegel, raumhoch auf der Tür und auch sonst. Die Beleuchtung ist top.

Wie schläft es sich denn nun im Sven Hedin? Um es mit zwei Worten zu sagen, unser Test-Ergebnis lautet: ziemlich gut. Die Matratze ist im Mittelteil, wo das meiste Körpergewicht ruht, punktelastisch-bequem unterfedert. Ohne Unterlüftung bleiben ein schmaler Streifen am Kopfende und jenes Fußteil, das in den ausfahrbaren Erker umgelegt wird. Es dauert etwa 15 Sekunden, bis ein Stellmotor das Kunststoffteil nach draußen gehebelt und man selbst manuell Brett und Matratzenteil in die Horizontale gebracht hat. Dann streckt sich die Liegefläche von 1,48 auf 1,99 Meter, ist also auch von Menschen bis etwa 1,90 Meter Körpergröße ordentlich nutzbar. Je größer die Füße, umso mehr kann aber die Schräge am nur knapp einem Meter breiten Fußende stören. Und ja, der Kühlschrank-Kompressor unter dem Kopfende ist durchaus hörbar.

Das Ambiente im Sven Hedin ist Westfalia-typisch cool und clean. Weiße Fronten kontrastieren mit dunklem Holzdesign. Solide sind sowohl die kratzunempfindlichen CPL-Oberflächen als auch die Möbelkonstruktion mit Verstärkungsprofilen aus Metall. Griffe liegen gut in der Hand, Klappen schließen zuverlässig, Schubladen mit gedämpftem Endeinzug.

Beladen

Das schwerste Pfund, das der Sven Hedin in Sachen Gepäckaufbewahrung in die Waagschale wirft, ist der praktische Laderaum im Heck. Die nutzbare Ladebreite wird hier, anders als bei vielen Wettbewerbern, nicht von Möbelstollen links und rechts begrenzt und reicht deshalb von Wand zu Wand.

So lassen sich Fahrräder, sofern man die Vorderräder entfernt, quer unterbringen und im Innenraum statt auf einem Heckträger transportieren. Wer es geschickt anstellt, Lenker und Sättel absenkt, kann anschließend die zum leichteren Einladen nach oben geklappte Betthälfte wieder in die Horizontale falten. Dann bleibt das Bett sogar trotz Beladung nutzbar. Für besonders sperriges Ladegut lassen sich die aufgestellten Betthälften bei Bedarf auch verschieben; es fehlt dann aber eine Fixierungsmöglichkeit. An den vorderen Teil des Bettkastens (wo ein Teil des Gepäcks in Klappboxen untergebracht ist) kommt man beim Campen auch vom Wohnraum aus bequem ran.

Davon abgesehen muss man mit dem Gepäck haushalten. Denn es gibt einfach nicht genügend Schrankraum, um nach Herzenslust alles einzuladen, was man unterwegs eventuell brauchen könnte. Der Kleiderschrank im Küchenblock ist schmal und verfügt nur über zwei Haken. Mit zwei wattierten Jacken ist er voll.

Drei der sieben Hängeschränke sind eher niedrig, eignen sich gut für Shirts und Wäsche. Daneben finden sich ein verstecktes Fach über dem Wassertank, die Sitztruhe, an die man lobenswert einfach herankommt, etwas Platz in der Bettaufstiegsstufe, zwei große Ablagen in der Verkleidung neben der Sitzbank und – praktisch für Halbschuhe – ein Fach im Podest an der Sitzgruppe.

Keinerlei Sorgen bereitet die Zuladung. Bei dem durchschnittlich, mit klassenüblichen und Westfalia-typischen Extras ausgestatteten Testwagen bleibt eine Nutzlastreserve von annähernd 500 Kilo. Damit kommen zwei Personen sehr gut über die Runden. Ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen ist serienmäßig.

Zwischenfazit: Mit dem 3,5-t-Chassis bietet der Sven Hedin ausreichend Zuladung für zwei bis vier Personen. Mit den rund 120 Kilo Extras des Testwagens bleiben noch Reserven von 487 Kilo. Auch an den Achsen und Rädern bleibt noch Luft bis zur maximal zulässigen Lastgrenze

Technik

Technisch legt sich Westfalia ins Zeug beim Sven Hedin, stattet die top verarbeitete Crafter-Karosserie mit planen, stufenlos ausstellbaren Rahmenfenstern aus und isoliert, anders als sonst bei ausgebauten Kastenwagen, sogar Schiebetür und Heckportale (Winterpaket). Die hochwertigen Remis-Dachfenster lassen selbst bei Autobahntempo kaum Windgeräusche durch. Der Mechanismus des Pop-out, der die Karosserie zum Schlafen verbreitert, ist sauber gemacht.

Es gibt aber auch einen Nachteil. Während im ein- und ausgefahrenen Zustand ein satt anliegendes Gummiprofil das Kunststoffteil abdichtet, klafft während des Ausstellens ein Spalt rund um den Ausschnitt, durch den vorübergehend auch Regen und Schmutz dringen können. Fühlbar kältere Stellen an der Innenseite zeigen zudem, dass die Isolation nicht ganz gleichmäßig ist. Die Verdunklung des Fahrerhauses wirkt mit einfachen Thermomatten ein wenig schlicht.

Dafür ist der Sven Hedin ein leuchtendes Beispiel für gekonnte Lichtgestaltung. Die Lampen sind elegant in die Möbel integriert. Die Steuerung erschließt sich aber nicht intuitiv: Die meisten Schalter, auch die für Bad und Sitzgruppe, liegen zentral an der Küche. Besser verteilt sind die reichlich vorhandenen USB-Steckdosen. Wenig auszusetzen gibt es an der Sicherheitsausstattung. Ein serienmäßiger Crashsensor am Gasregler wäre aber wünschenswert.

Außergewöhnlich für Campingbusse ist das Warmwasserheizsystem, das den Wohnraum gleichmäßig über wenige, aber sinnvoll verteilte Konvektoren erwärmt. Überaus angenehm ist dazu die optionale Fußbodenheizung in Gang und Bad. Einmal morgens barfuß Zähne putzen, und man möchte sie nicht mehr missen. Allerdings zieht die Dieselheizung ordentlich Strom, wie sich auch am irritierenden Flimmern der Lampen in der Anlaufphase zeigt.

Für mehr Autarkie ist eine zweite Bordbatterie unbedingt empfehlenswert. Serie ist nur ein 92-Ah-Bordakku. Durchschnittlich sind die Volumina von Frisch- und Abwassertank. Letzterer ist nur gegen Aufpreis beheizt.

Lichtcheck

angehlehnt an DIN EN 12464-1; Farbabstimmung auf zirka 4000 Kelvin

  • Mit 220 Lux im Schnitt ist es an der Sitzgruppe angenehm hell. Die Helligkeit lässt sich aber auch herunterdimmen.
  • Nicht herausragend, aber okay: 170 Lux an der Küche. Über der Arbeitsfläche hinten fehlt eine Lampe.
  • Drei LED-Leisten spenden im Bad überaus viel Licht: durchschnittlich 744 Lux.
  • Die Grundhelligkeit im Bett ist top (ø 315 Lux). Noch besser wären flexibler schwenkbare Lesespots.

Fahren

Im Test finden wir uns sofort zurecht im VW Crafter-Cockpit. Jeder Knopf sitzt da, wo er hingehört. Das Volant wirkt mit Bedientasten aber etwas überfrachtet. Antritt und Ansprechverhalten des 140-PS-Motors sind erfreulich, solange man den Diesel mit Drehzahl bei Laune hält. Beim Anfahren auf feuchter Fahrbahn drehen die Vorderräder schon mal durch.

Direkt, präzise und bei niedrigem Tempo extrem leichtgängig, trägt die Lenkung viel zur tollen Handlichkeit bei. Der kleine Wendekreis und die 360°-Überwachung samt Rückfahrkamera erleichtern das Rangieren. Seitlich einparken kann der Crafter allein, allerdings nicht vor- oder rückwärts wie bei Stellplätzen üblich.

Westfalia bietet viele VW-Extras an, auch das Spurhaltesystem mit aktivem Lenkeingriff, das zusammen mit dem Abstandstempomat eine Ahnung vom autonomen Fahren vermittelt. Es hebt auch das Sicherheitsniveau auf ein neues Maß. Dazu kommen zupackende Bremsen. Dass sich die Airbags in der Aufpreisliste (Komfortpaket 1) finden, irritiert – Abwertung.

Das Fahrwerk federt nachgiebig, bei niedrigem Tempo schaukelt der Wagen aber ausgiebig hin und her. Man fühlt sich von der Außenwelt genau um jenes Maß abgekoppelt, das man Komfort nennt. Das gelegentliche Poltern aus dem Fahrwerk kommt von weit weg. Ansonsten ist der Hedin auffallend leise, was auch an der besser gedämmten Trendline-Ausführung liegt, die Westfalia als Basis benutzt.

Basisinfos und Preise

Der Grundpreis des Sven Hedin rangiert auf dem gehobenen Niveau vergleichbarer Ausbauten des Mercedes Sprinter. Das ist nachvollziehbar, zumal der Crafter den Stuttgarter Konkurrenten bei Fahreigenschaften, Assistenzsystemen und sonstigen Extras überflügelt. Auch die Ausbauqualität liegt über der der meisten Ducato-Busse.

Der Blick in die Aufpreisliste erstaunt. Dort finden sich neben sinnvollen Extras wie Front-Assist, Winterpaket oder Panorama-Dachhaube auch solche, die den Sven Hedin eigentlich erst ausmachen. So ist etwa der Bett-Pop-out Teil des 4749 Euro teuren Komfort-Pakets, das man sinnvollerweise gleich zum Komfortpaket 2 ausbaut. Für eine standesgemäße Ausstattung kommen schnell noch mal 15.000 Euro extra zusammen.

Gurte/Schlafplätze: 4/2

Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg

Länge/Breite/Höhe: 5,99/2,04/2,59 m

Grundpreis ab: 59.990 Euro

Die Baureihe Westfalia Sven Hedin/Columbus

Preise: 47.990 – 59.990 Euro

Basis: VW Crafter/Fiat Ducato

Länge: 5,41 – 6,36 m

Gesamtgewicht: 3500 kg

Weitere Modelle: 5

Charakter: Der Sven Hedin ist das einzige Campingbusmodell von Westfalia auf dem VW Crafter. Der moderne Ausbaustil und die hochwertige -technik entsprechen weitgehend der gehobenen Columbus-Baureihe, die auf den Fiat Ducato als Basis setzt. Das neueste Modell ist der Columbus 540, mit 5,41 Meter Länge sehr kompakt und mit einem Querbett im Heck. Daneben gibt es mit den Modellen 600/601 zwei weitere Varianten mit Querbett und mit 640 bzw. 641 zwei längere Versionen mit Längseinzelbetten. 1er Modelle haben eine Küche mit größerem 95-Liter-Kühlschrank.

Das fiel uns auf

(+) Nutzfahrzeugig-nüchtern ist das Crafter-Cockpit, aber reich an Ablagen und ergonomisch tipptopp.

(+) Das System, das den Crafter automatisch einparkt, ist nur einer von vielen modernen Fahrassistenten.

(+)Ein Großteil der Liegefläche ist mit Tellerfedern unterlüftet. Davon profitiert der Schlafkomfort spürbar.

(+)/(-) Westfalia spricht von 5 kg Gasvorrat; eine 11er Flasche passt auch. Anschließen ist aber mühsam.

(-) Leider im Bett deutlich zu hören: Der Kühlschrankkompressor liegt genau unter dem Kopfende.

(-) Nach oben verjüngt sich die Crafter-Karosse stark. Das kostet Platz und Lebensraum im Ausbau.

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