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Corona-Wirbel um Sergio Perez - Donnerstag-Check GP England 2020

auto motor und sport-Logo auto motor und sport 30.07.2020 Michael Schmidt
© Wilhelm

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. Die Fahrerlager-Tore bleiben für uns weiter geschlossen. In Silverstone könnte dieses Jahr eine magische Marke fallen. Die Fahrer wollen die Schallmauer von 250 km/h Durchschnitt stürmen. Der letztjährige Trainingsschnellste Valtteri Bottas kam ihr mit einem Schnitt von 249,228 km/h schon ganz nahe.

Der Kurs auf dem ehemaligen Flughafen der Royal Air Force ist zum 54. Mal Gastgeber der Formel 1. Noch nie fand der GP England in Silverstone so spät im Jahr statt, noch nie im August. Die FIA verpflichtete zum dritten Mal in Folge alle 20 Fahrer zu einem Frage- und Antwortspiel. Das sind die letzten News von den zehn Teams.

Mercedes

Die Corona-Krise hat die Zukunft von Lewis Hamilton mit bestimmt. Diese drei Monate unerwartete Pause gaben ihm Zeit nachzudenken und die Batterien neu aufzuladen. "Das gab mir die Energie, noch länger zu fahren. Am liebsten würde ich es ja für immer tun, aber da hat die Natur körperliche Grenzen gesetzt. In meinem Fall sollte es aber auf jeden Fall noch mindestens die nächsten drei Jahre reichen. Und so lange würde ich gerne auch noch fahren."

Hamilton stellt aber auch klar, dass er sich seinen Platz verdienen will. "Ich sehe es nicht als Selbstverständlichkeit an. Mein Ziel ist es, meinen Platz durch Leistung zu rechtfertigen." Das sollte bei ihm kein Problem sein. Erst recht nicht in einem überirdischen Rennauto. Frage an die Mercedes-Piloten: Wo hat der aktuelle Mercedes noch Schwächen? Erst Schweigen. Dann sagt Hamilton: "Ich sehe keine."

Mercedes wird in Silverstone unschlagbar sein. Es geht nur um die Frage, wie groß der Vorsprung ausfallen wird. Die Warnrufe, dass sich Red Bull während der Saison immer stark verbessert, verhallen ungehört. Zu dramatisch ist die Überlegenheit der Silberpfeile. In Erwartung des vierten Geisterrenens der Saison fühlt sich der Weltmeister an die Präsentation des neuen Autos im Februar erinnert.

"Es war wie damals. Als ich heute zur Strecke gefahren bin, waren keine Leute da. Leere Tribünen, das ist alles so unwirklich für Silverstone." Valtteri Bottas weiß jetzt, welche Lichter am Display ihn beim Start zum GP Ungarn abgelenkt haben. "Es waren die Lampen, die mir das Drehzahllimit anzeigen. Wir haben das geändert."

Ferrari

Silverstone spricht von der Papierform gegen Ferrari. 81 Prozent Volllast, viele schnelle Kurven, ein Layout, das eine effiziente Aerodynamik verlangt. Es könnte wieder ein Gang nach Canossa für die Ferrari-Piloten werden. "Es stimmt, dass Silverstone von der Papierform her nicht unsere beste Strecke ist. Aber wir sind Rennfahrer und versuchen immer das Beste aus der Situation herauszuholen", räumte Sebastian Vettel ein.

Zu seiner Zukunft gibt es keine Neuigkeiten. "Es gilt das gleiche, was ich vor zwei Wochen gesagt habe." Immerhin gibt Vettel zu, dass er diese für ihn neue Situation als eine Herausforderung sieht. Nicht, dass er ein neues Cockpit für 2021 suchen muss. Das hat er mit 14 Jahres Formel 1-Erfahrung drauf.

Es geht viel mehr um die Grundsatzfrage, was er wirklich will. "Wichtig ist die grundsätzliche Entscheidung, ob ich weitermachen soll oder nicht. Es muss die richtige Entscheidung für mich treffen. Gute Dinge brauchen Weile. Deshalb habe ich noch keine Antwort über das ‚Was‘ und das ‚Wann‘."

Ferrari hat nach drei Pleiten die Tifosi auf schwere Zeiten vorbereitet. FCA-Chef John Elkann sieht wenig Chancen vor 2022 Rennen zu gewinnen. Charles Leclerc kann damit leben. "Wir müssen in schwierigen Zeiten ehrlich mit uns selbst sein. Es kommt viel Arbeit auf uns zu, um wieder dorthin zu kommen, wo wir sein wollen."

Der WM-Vierte des Vorjahres will auf die Fehler im Detail nicht eingehen. "Es macht keinen Sinn, mit dem Finger auf bestimmte Dinge zu zeigen. Wir haben als ganzes Team einen schlechten Job gemacht. Das müssen wir ändern. Mein Beitrag als Fahrer ist, den Ingenieuren das bestmögliche Feedback zu geben."

Red Bull

Für Red Bull sind die beiden Trainingssitzungen am Freitag eine Testfahrt. Die Ingenieure wollen die neuen Teile, die in Spielberg als komplettes Paket ans Auto kamen nun Schritt für Schritt an den RB16 schrauben. Das soll die Antwort bringen, welche Entwicklungen funktionieren und welche nicht.

Max Verstappen geht deshalb ohne große Erwartungen in das vierte Rennen des Jahres. "Letztes Jahr hatten wir Angst verprügelt zu werden, und dann waren wir nur zwei Zehntel von Mercedes weg. Mercedes wird dieses Jahr sehr stark hier sein. Der Abstand kann zwei Zehntel betragen, aber auch eine Sekunde. Ich hoffe, dass wir höchstens eine halbe Sekunde verlieren."

Das Problem mit dem aktuellen Red Bull ist laut Verstappen nicht, dass das Auto schwer zu fahren ist. "Das sind alle Autos am Limit. Schwieriger ist es, wenn das Auto unberechenbar ist. Das war im Rennen von Ungarn aber schon besser. Da war das Auto schon ganz gut ausbalanciert. Leider zu langsam."

Alexander Albon hat einen neuen Renningenieur. Simon Rennie arbeitete früher am Auto von Daniel Ricciardo. Der Grund für den Wechsel ist kein Misstrauensvotum gegen den alten Ingenieur. "Wir dachten, dass wir etwas mehr Erfahrung brauchen, solange das Auto so kritisch ist."

Max Verstappen egalisiert am Sonntag die 106 GP-Starts seines Vaters Jos. Die Antwort, ob ihm das irgendwas bedeute, war typisch Max: "Ich glaube, meinem Vater ist es völlig egal. Und mir auch. 106 Rennen sind aber immerhin besser als null."

Racing Point

Bei der Pressekonferenz blieb ein Stuhl leer. Lance Stroll vertrat das Team alleine. Sergio Perez musste sich in Isolation begeben, weil sein Covid 19-Test kein eindeutiges Ergebnis hervorbrachte. Der Mexikaner wurde daraufhin ein zweites Mal getestet. Bis zum ersten Training muss ein Ergebnis her, sonst kann Perez nicht fahren. Da Perez seit dem Test vom Mittwoch Kontakt zu einigen Teammitgliedern hatte, wurden auch die vorsichtshalber getestet.

Stroll tat sich als einziges Sprachrohr des Teams schwer. Der Kanadier ist nicht gerade der beste Kommunikator. Mehr als eine optimistische Prognose war aus ihm nicht herauszuholen: "Schnelle Kurven liegen unserem Auto. Wir hatten in Budapest das zweitbeste Auto. Es gibt keinen Grund, warum das in Silverstone nicht auch so sein sollte."

Williams

Williams ist auf dem Weg vorwärts. George Russell schaffte es zwei Mal in Folge ins Q2. In Budapest übersprang auch Neuling Nicholas Latifi die erste Qualifikationshürde. Trotzdem warnt Russell vor zu hohen Erwartungen in Silverstone. "Beim zweiten Rennen in Spielberg half uns der Regen. Budapest passt unserem Auto. Das hat sich schon letztes Jahr gezeigt. In Silverstone erwarte ich eher ein Bild wie beim ersten Rennen in Österreich." Da verpasste Russell das Q2 um ein paar Hunderstelsekunden. "Wir können es schaffen. Aber nur wenn wir maximale Leistung abliefern und andere Fehler machen."

McLaren

Lando Norris kennt die Formel 1 nur als Rennfahrer. Mit einer Ausnahme. "Silverstone war das einzige Formel-1-Rennen, das ich je als Zuschauer gesehen habe." Der McLaren-Fahrer kann sich nur halb auf sein Heimrennen freuen. "Die Strecke ist geil. Leider kommen diesmal keine Zuschauer. Deshalb ist es auch nur ein halbes Heimrennen." Wie Renault bringt auch McLaren ein Aero-Paket zum vierten Rennen des Jahres. Die Teile werden im Freitagstraining getestet.

Renault

Renault kommt mit Upgrades nach Silverstone, die am Freitag getestet werden. Neue Leitbleche sind ein Teil des Pakets. Nach dem GP Ungarn wurden in großer Runde die Fehler und Defizite der ersten drei Rennen angesprochen. "Der Fortschritt zwischen dem ersten und zweiten Österreich-Rennen war gut. Leider konnten wir das in Budapest nicht fortsetzen. Deshalb war es wichtig, die Stärken und Schwächen zu analysieren", lobte Esteban Ocon.

Ricciardo erwartet in Silverstone mehr als Rang 8, der bei den ersten drei Rennen zum Stammplatz für Renault wurde. "Wir waren letztes Jahr stark in Silverstone. Dem Auto liegen schnelle Kurven. Und wir haben Upgrades. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass diesmal mehr dabei rauskommt als ein achter Platz." Beide Fahrer freuen sich auf die Traditionsveranstaltung. "Hier spürst du, was ein Formel 1-Auto wirklich kann. Einige Passagen sind ernsthaft schnell."

Alpha Tauri

Pierre Gasly geht vorbelastet in das vierte Rennen des Jahres. In seinem Antriebs-Kontingent steht überall schon eine "2" mit Ausnahme der Batterie. Die Motorenprobleme an den Trainingstagen in Ungarn forderten am Renntag ihren Preis. "Wir hatten am Samstag die gleichen Motorprobleme wie am Freitag. Leider haben wir das erst zu spät entdeckt. Das hat mein Getriebe beschädigt, was dann im Rennen kaputtgegangen ist", berichtet Gasly. Der Franzose fordert von seinen Ingenieuren ein paar Punkte mehr Abtrieb. "Die brauchen wir um die Lücke zu den Autos vor uns zu schließen."

Haas

Die Haas-Piloten rechnen sich für die Power-Strecke wenig Chancen aus. Sie bräuchten schon wieder einen strategischen Coup wie in Ungarn, um Chancen auf WM-Punkte zu haben. Kevin Magnussen hat übrigens erst nach seiner Rückkehr nach Dänemark erfahren, dass ihm die Sportkommissare zehn Strafsekunden aufgebrummt und ihm damit einen WM-Punkt geklaut haben. Der Däne wirft den Schiedsrichtern vor, dass sie wieder mal päpstlicher als der Papst waren. "Diese Regel sollte eigentlich nur verhindern, dass wir Anweisungen für den Start und für die Vorbereitung des Autos für das Rennen bekommen."

Alfa Romeo

Die letzten beiden Rennen waren schmerzvoll für das Schweizer Team. Beide Male blieben die Fahrer im Q1 hängen. In Budapest sind Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi aus der letzten Reihe gestartet. Räikkönen will sich nicht allein auf die enttäuschende Leistung des Ferrari-Motors rausreden. "Ferrari ist mit dem Motor nicht dort, wo sie sein wollen. Eines ist aber auch klar. Hätten wir ein besseres Auto, würden wir wenigstens dort fahren, wo Ferrari fährt. Wir müssen uns in allen Bereichen verbessern."

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