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Das Cabrio stirbt

WELT-Logo WELT 10.10.2018
Der Mazda MX-5 ist weltweit der meistverkaufte Roadster © Mazda Der Mazda MX-5 ist weltweit der meistverkaufte Roadster

Die Deutschen stehen nicht mehr auf Cabrios. Die Neuzulassungen sind drastisch gesunken. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Die hässlichen Klappdach-Cabrios sind komplett vom Markt verschwunden.

Einmal im Monat gibt es ein Zahlenwerk, aus dem man ein paar Wahrheiten herausfiltern kann: die Zahlen der Neuzulassungen von Autos aus dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Sie sind nicht perfekt darin, die tatsächlichen Verkäufe von Neuwagen widerzuspiegeln, doch die großen Linien treten hier schon zutage, und eine dieser Linien trägt einen traurigen Titel: Das Cabrio stirbt.

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Sein Tod kommt schleichend, doch die Zahlen trügen nicht. 2007, als die offenen Autos erstmals im frei zugänglichen Teil der KBA-Statistik ausgewiesen wurden, gab es noch 138.071 Cabrio-Neuzulassungen in Deutschland, die Hersteller boten 57 verschiedene Modelle an.

Zehn Jahre später ist die Vielfalt auf 37 Cabriolets geschrumpft, die nur noch 83.598-mal einen Käufer (besser: ein neues Nummernschild) fanden. Das Minus beträgt 39,5 Prozent, und auch der Marktanteil der Cabriolets ließ deutlich nach, er halbierte sich von 4,4 auf 2,2 Prozent. Der Mini mit Stoffverdeck ist das meistverkaufte Cabrio in Deutschland © Mini Der Mini mit Stoffverdeck ist das meistverkaufte Cabrio in Deutschland

Es gibt kein Opel Astra Cabrio mehr, kein Ford Focus Cabrio und keinen VW Golf mit Faltdach. In Wolfsburg hatte man den offenen Golf ohnehin nicht gut behandelt: Für die Generationen vier und fünf gab es gar kein Cabrio. Später stieg man mit dem Eos in den Markt der Cabrios mit klappbaren Stahldächern ein, und als abzusehen war, dass der Klappdach-Boom nicht anhalten würde, wurde schnell ein Golf VI Cabriolet mit Stoffverdeck konstruiert.

Viele Klappdachcabrios sind einfach hässlich

Das wurde 2016 eingestellt, ein Jahr nach dem Eos, und seit Anfang 2018 kann auch das Beetle Cabrio nicht mehr konfiguriert werden, nur noch Lagerbestände wurden verkauft. So sanken die Zulassungszahlen des offenen Beetle von 8683 in den ersten acht Monaten 2017 auf 5548 im selben Zeitraum dieses Jahres. Immerhin bringt das den VW noch auf Platz drei der Rangliste, hinter Spitzenreiter Mini (6641) und Smart Fortwo (5606).

Warum verlieren die Menschen die Lust am Offenfahren? Aus der Statistik sind Antworten nicht abzulesen, es fällt nur eines auf: Der Boom der Cabrio-Zulassungen hatte wohl auch zu tun mit der Idee der Klappdach-Cabrios. Mercedes war 1996 mit dem Roadster SLK vorgeprescht, und 2000 setzte Peugeot diese Technik mit dem 206 CC im Massenmarkt durch.

Plötzlich sah man überall die neuartigen Cabrio-Coupés (dafür stand das Kürzel CC), Renault kam mit dem Mégane CC, Nissan brachte den Micra C+C, Opel den Astra TwinTop, Ford den Focus CC, Mitsubishi den Colt CZC – manche Fahrzeuge waren zuvor nie als Cabriolet erhältlich gewesen. Sogar Cabrio-Klassiker wie der BMW 3er setzten plötzlich auf das Klappdach.

Irgendwann aber müssen die Menschen erkannt haben, wie hässlich viele Klappdach-Cabrios sind, vor allem im geschlossenen Zustand. Das Hinterteil ist nicht selten breit und hoch, weil ein zweifach gefaltetes Stahldach darin Platz haben muss.

Die Zulassungszahlen von Cabrios befinden sich im Sinkflug © Getty Images/Blend Images Die Zulassungszahlen von Cabrios befinden sich im Sinkflug

Und weil das Gestänge nicht so viel Gewicht tragen kann, sind die Dachteile recht kurz, weshalb die Windschutzscheibe sehr schräg steht und damit dem Gesicht des Fahrers sehr nah rückt. Kurz: Die Proportionen stimmen selten, irgendwann müssen die Leute das bemerkt haben.

So erleben wir derzeit vielleicht einfach nur eine Normalisierung. Denn es stehen auch Cabriolets in der Statistik, deren Zahlen so übel nicht sind: Der klassische Roadster Mazda MX-5 wurde 2007 exakt 4967-mal neu zugelassen, zehn Jahre später ist die Zahl auf 5265 gestiegen – auch weil die zusätzlich angebotene Klappdach-Version ihn zu einem ebenso klassischen Targa macht. Geht doch.

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