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Der neue A8 steuert vollautomatisch durch den Stau

DIE WELT-Logo DIE WELT 16.07.2017

Die kommende Generation von Audis Luxuslimousine ist das erste Modell, für das Designchef Marc Lichte allein die Verantwortung trägt. Sowohl außen als auch innen macht sich das bemerkbar.

Static photo Colour: terragrey: Der neue A8 steuert vollautomatisch durch den Stau © AUDI AG Der neue A8 steuert vollautomatisch durch den Stau

Nervös ist vielleicht das falsche Wort für den Gemütszustand von Marc Lichte, aber ein bisschen unter Strom steht er schon. 2000 Gäste aus der ganzen Welt, vorwiegend Journalisten und Händler, sind zum sogenannten Audi-Gipfel in die Messehallen von Barcelona gekommen, und sie interessiert vor allem der neue A8. Lichtes A8.

Natürlich hat der Designchef das Auto nicht allein gemacht. Aber die vierte Generation des Audi-Flaggschiffs ist der erste Audi, der unter Lichtes Verantwortung gestaltet wurde. Dreieinhalb Jahre hat er noch die Entwürfe seines Vorgängers vollendet, jetzt ist Lichte endlich da, wo er sein will.

"Ich war drei Tage Designchef, da musste ich schon präsentieren." Regelmäßig treffen sich Designer und Entscheider des Konzerns bei Seat, in der Nähe von Barcelona, um neue Autos aller Marken abzunehmen. Fünf Entwürfe gab es für das neue Audi-Flaggschiff; vier stammten von den alten Designverantwortlichen, einer kam von Lichte.

Gewonnen hat Lichte, der zuvor jahrelang das Exterieurdesign von VW geleitet hatte. "Ich durfte mich in meinen letzten drei Monaten in Wolfsburg schon mit Audi beschäftigen." Status und quattro, das sollte das neue Auto auf Anhieb erkennbar machen.

Der Singleframe ist jetzt ein Sechseck

Seinen Status untermauert der A8 nun mit einem neuen Audi-Gesicht, das im aktuellen A4 schon angedeutet wird, aber erst jetzt ganz konsequent umgesetzt wurde. Der markentypische Kühlergrill, bei Audi Singleframe genannt, ist deutlich breiter geworden, allerdings nicht an jeder Stelle.

Es sieht heute so aus, als hätte jemand ein Rechteck an den kurzen Seiten gepackt und es so lange auseinander gezogen, bis es zum Sechseck wurde. Auf diese Weise wirkt die Front wuchtiger und auch flacher, obwohl sie es nicht ist. In jedem Fall blieb trotz des vergrößerten Grills genug Platz für breite und flache Scheinwerfer.

Das alles konnte man übrigens schon an dem Konzeptauto Audi Prologue sehen, das Lichte Ende 2014 vorgestellt hatte. Zwar war es ein Coupé, aber es hatte praktisch die identische Front wie jetzt der A8. "Das hat ja damals kaum jemand geglaubt, dass wir den Wagen wirklich so bringen", sagt Marc Lichte. "Aber wir hatten das Serienauto vor dem Concept Car fertig."

Auch die Änderung der Seitenansicht hat der Prologue schon verraten: Die Schulterlinie, sonst bei Audi immer ganz gerade und oben an den Türkanten entlang geführt, zeigt sich sowohl beim Prologue als auch beim A8 unterbrochen. Über den Rädern liegt sie hoch, dazwischen ist sie eine Etage tiefer gerutscht. Gleichzeitig sind die Radhäuser muskulöser ausgeformt. Beides soll die Tatsache betonen, dass Audi eine Allradmarke ist – für jedes Modell gibt es mindestens eine quattro-Version, der A8 wird sogar ausschließlich mit Allradantrieb angeboten.

Autonom unterwegs, wenn er darf

Das selbstbewussteste Außendesign bedeutet allerdings nichts, wenn nicht die Technik das Versprechen des Designs einlöst. Der neue A8 hat da einiges zu bieten, etwa die serienmäßige Einführung als Mild-Hybrid mit 48-Volt-Bordnetz, ein neues, deutlich verbessertes Aktivfahrwerk und vor allem: die Möglichkeit, das Auto auch mal selbst fahren zu lassen.

AI-Staupilot heißt das System, und es ist wirklich so: Wer in einen Stau auf der Autobahn gerät und keine Lust hat, hinterm Steuer seine Zeit zu vertrödeln, drückt die AI-Taste in der Mittelkonsole, und das Auto übernimmt. Alles. Der Fahrer darf nicht auf einen anderen Sitz klettern, aber er kann die Füße von den Pedalen und die Hände vom Lenkrad nehmen und etwa Mails lesen und beantworten oder auf dem Smartphone einen Film gucken. Zeitung lesen wäre auch nicht schlecht, jedenfalls ließe der Audi das zu.

Löst der Stau sich so weit auf, dass man mehr als Tempo 60 fahren könnte, oder werden keine Mittelstreifen oder auch keine Leitplanken mehr erfasst, meldet sich der A8 optisch und akustisch beim Fahrer, der dann wieder die Verantwortung übernehmen muss.

Einziger Wermutstropfen: Noch ist dieses sogenannte Level-3-Fahren nirgends erlaubt. Und die Regeln dafür können theoretisch in jedem Land der Welt anders sein. In Ingolstadt hofft man darauf, irgendwann im Laufe des kommenden Jahres den Staupiloten anbieten zu können, speziell in Deutschland – die Heimat ist in Sachen Homologation und Gesetzgebung am weitesten. Dagegen darf in Audis Hauptmarkt China derzeit so ein teilautonomes System nicht einmal auf den Straßen getestet werden.

Kaum noch Schalter im Cockpit

In Peter Mertens hat Audi immerhin einen neuen Entwicklungsvorstand, der mit chinesischen Verhältnissen Erfahrungen hat – kommt er doch von Volvo, das in chinesischem Besitz ist. Zudem hat die schwedische Marke ebenfalls ehrgeizige Pläne fürs autonome Fahren, und man hat sich dort auch zur Hybridisierung bekannt. So sehr, dass ab 2019 kein neuer Volvo mehr ohne Elektromotor auf den Markt kommen soll. Zudem wird Volvo keine neuen Dieselmotoren mehr entwickeln, auch dafür stand Mertens bis vor Kurzem. Heute vertritt er die deutsche Linie und sagt: "Es ist Unfug, den Diesel zu diskriminieren. Er ist mit entsprechender Nachbehandlung ein sehr gutes Antriebskonzept."

Marc Lichte, Head of Design, AUDI AG © AUDI AG Marc Lichte, Head of Design, AUDI AG

Der neue A8 wird denn auch zunächst mit drei Liter großen V6-Motoren geliefert, je einmal als TDI (286 PS) und als TFSI (340 PS). Später kommen ein Plug-in-Hybrid (449 PS), ein V8 als Diesel (435 PS) und Benziner (460 PS) und auch wieder ein Zwölfzylinder (585 PS). Der Motor ist heute schon bei Bentley im Einsatz, anders hätte sich seine Entwicklung möglicherweise gar nicht gelohnt.

Denn die Achillesferse des Audi A8 ist nach wie vor seine geringe Stückzahl. Mit Abstand ist die Mercedes S-Klasse Marktführer in der Oberklasse. Die Limousine mit dem Stern wurde 2016 weltweit 84.500 Mal verkauft, der BMW 7er folgt mit 61.000 Neuzulassungen, während der A8 nur 24.500 Käufer fand. Das wird 2017/18 besser werden, weil das jeweils neueste Modell traditionell mehr Nachfrage erzeugt. Allerdings kommt demnächst auch Mercedes mit dem S-Klasse-Facelift auf den Markt.

Wer allerdings einen A8 kauft, wird ein einzigartiges Interieurdesign und Bedienkonzept vorfinden. Es gibt kaum noch Schalter im Innenraum, fast alles wird über zwei große Touchscreens in der Mitte des Armaturenbretts geregelt. Dank einer speziellen Beschichtung sieht man die Bildschirme praktisch nicht, wenn sie aus sind, die typischen Fettflecken vom Tippen und Wischen sind jedenfalls nicht zu entdecken.

Und wer auf den Displays etwas einstellt, hört zur Bestätigung ein leises Klicken, und das Display zuckt ein wenig, so dass es sich anfühlt, als habe man einen Schalter gedrückt. Damit entfällt der Kontrollblick auf den Bildschirm, was die Ablenkung beim Fahren verringert.

Schließlich wird der Mensch noch ein paar Jahre verantwortlich fürs Steuern des Autos bleiben.

Die Reise zur A8-Premiere wurde unterstützt von Audi. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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