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Nicht nur Fußballstars fahren goldene Autos

WELT-Logo WELT 13.02.2018
BMW X2, getestet von Denise Juchem © BMW/Barry Hayden BMW X2, getestet von Denise Juchem

Der neue X2 schließt bei BMW die Lücke im Offroad-Programm. Das neue SUV-Coupé fährt sich wie ein sportlicher Pkw und ist auch nicht wesentlich höher. Der X1 wirkt jetzt allerdings eher altbacken.

Goldie. Goldstück. Goldesel. All diese Namen habe ich bei meinen Freunden weg, seit ich ihnen kürzlich ein Foto von mir mit dem neuen BMW X2 geschickt habe. Das war nicht als Prahlerei gedacht, sondern nur meine nonverbale Antwort auf die Frage, was ich gerade so treibe.

Die Farbe Galvanic Gold (690 Euro) war allen noch weitere Kommentare wert ("Ich dachte, nur Fußballer fahren goldene Autos" Oder: "Passt gut zu deinen Haaren"), das Auto an sich nur einer einzigen Freundin: "Ach, haben sie den X1 ein bisschen aufgehübscht."

Autsch, dieser Kommentar dürfte dem BMW-Designer Thomas Sycha und seinem Team nicht gefallen. Sie betonen, dass sie dem X2 einen ganz eigenen Charakter verliehen haben, eine eigenständige Identität. Und außer den Türgriffen und den Dachfinnen gebe es beim Exterieur keine Gemeinsamkeiten mit dem X1.

Aber zumindest kann man meiner Freundin zugute halten, dass sie die Marke und die Fahrzeuggattung richtig erkannt hat. Und auf meine Antwort "Nö, X2" kam von ihr umgehend: "Gibt's doch gar nicht!" Recht hat sie.

Der Wagen kommt am 17. März 2018 auf den Markt, Basispreis: 39.050 Euro (wenn später alle Motoren erhältlich sind, sind der Einstiegspreis auf 34.050 Euro). Der Kommentar mit dem Goldesel war vielleicht doch nicht nur auf die Farbe des Wagens bezogen.

Der X2 ist das sechste SUV in der aktuellen Modellpalette und schließt die Lücke in der Zahlenreihe. Seit die Bayern in jeder Klasse ein SUV anbieten, machen diese Fahrzeuge weit mehr als ein Drittel des Absatzes aus. Und Nummer 7 steht bereits in den Startlöchern: Ende 2018 wird der riesige X7 vorgestellt.

Wann wird die SUV-Blase platzen?

Ob es danach noch weitergeht, etwa mit einem X8, und welche Namen man sich sonst noch hat schützen lassen, darauf bekommt man bei BMW keine Antwort. Nur dass es, als der X5 vor 19 Jahren auf den Markt kam, keinen Plan gegeben habe, daraus eine ganze Familie zu machen. Mittlerweile ist es sogar eine Großfamilie geworden. Weiterer Zuwachs nicht ausgeschlossen.

Die Spreizung der Fahrzeuggattung SUV erinnert mich ans Seifenblasenmachen. Als Kind hat man sich anfangs gefreut, wenn sich die erste kleine Blase vom Ring gelöst hat und eine Weile durch die Luft geschwebt ist. Dann wurde man besser und die Seifenblasen größer und größer. Geplatzt sind sie am Ende doch alle.

Fragt sich nur, wie groß die SUV-Blase noch werden kann. Die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen lässt nicht nach, im Gegenteil. 2017 war laut Kraftfahrtbundesamt bereits jeder vierte Neuwagen ein mehr oder minder geländetaugliches SUV.

Und das Angebot wird weiter wachsen: Bis 2019 soll die Zahl der unterschiedlichen Offroad-Baureihen in Europa auf knapp 100 steigen, das geht aus einer Prognose des Marktanalyse-Instituts Inovev hervor. Die Bandbreite wird dann vom kleinen Skoda Polar bis zum luxuriösen Rolls-Royce Cullinan reichen. Es gibt jedoch auch schon Experten, die – zumindest hinter vorgehaltener Hand – mit einem Ende des SUV-Booms rechnen.

Als aufgehübschten X1 hatte meine Freundin den Neuen bezeichnet. Ganz abwegig war das nicht. Es gibt in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit, so wie man sich eben in Familien gleicht. Allerdings ist der X2 nicht größer als der X1, wie man eigentlich annehmen könnte, sondern acht Zentimeter kürzer, hat aber denselben Radstand.

In den Kofferraum passen 470 Liter, das ist etwas weniger als beim X1, allerdings immer noch ein alltagstauglicher Wert. Zum Vergleich: In die Konkurrenten Audi Q3, Mercedes GLA, Jaguar E-Pace oder Range Rover Evoque geht weniger Gepäck rein.

Der Propeller auf der C-Säule ist ein Hingucker

Auf mich wirkt der X2 eher wie der jüngere Hipster-Bruder des X1; von dem hat er viel gelernt, bedient sich auch immer noch bei dessen Sachen, hat aber bereits seinen eigenen Stil entwickelt. So baut der X2 auf derselben Plattform wie der X1 auf, nutzt dieselbe Technik und dieselben Motoren.

Doch vor allem von der Seite betrachtet fallen die Unterschiede zwischen den beiden kleinen SUVs auf: Das Dach des Neuen ist sieben Zentimeter flacher, die Heckscheibe stärker geneigt. Dadurch bekommt der Wagen etwas Coupéhaftes, etwas Sportliches. Und mit dem Propeller-Markenlogo auf der C-Säule auch etwas Einzigartiges.

Das ist eine Spielerei und eine Reminiszenz an den BMW 2000 CS und den 3.0 CSL, zwei wunderschöne Coupés aus den 60er- und 70er-Jahren, die das Emblem an derselben Stelle trugen. Dass der X2 eines Tages einen ähnlichen Kultstatus wie diese Autos genießen wird, ist jedoch unwahrscheinlich.

Bei einer anderen Spielerei der Designer habe ich einen Moment gebraucht, bis ich sie entschlüsselt hatte. Irgendwie sieht die BMW-Niere anders aus als sonst, dachte ich mir. Dann machte es klick: Der Kühlergrill steht auf dem Kopf, die Niere ist unten breiter als oben.

Als M Sport X hart gefedert, aber nicht unkomfortabel

Laut Designer soll das den Wagen sportlicher erscheinen lassen. Dabei muss man sich nur in den Wagen setzen und losfahren, um zu spüren, wie sportlich er ist. Auch wenn der X2 dieselbe Technik nutzt wie der X1, ist er spürbar dynamischer ausgelegt, vor allem wenn man mit dem 190 PS starken Modell mit M Sport X-Paket (50.200 Euro) unterwegs ist.

Der hat serienmäßig ein Sportfahrwerk mit strafferer Feder- und Dämpferauslegung und ist einen Zentimeter tiefergelegt. Ein SUV, das sich viele wegen der höheren Sitzposition und der Bodenfreiheit kaufen, tiefer zu legen, ist paradox. Aber mit dem X2 will sicher ohnehin keiner ins Gelände.

Angst vor einem Kannibalisierungseffekt scheint man bei BMW nicht zu haben. "Mit dem neuen X2 sprechen wir jüngere und jung gebliebene Autofahrer an, die ihr Fahrzeug hauptsächlich im urbanen Bereich nutzen und mehr Wert auf Design legen als auf Funktionalität", sagt Projektleiter Julius Schluppkothen. Ob sich da die X1-Käufer nicht ein bisschen alt vorkommen, wenn sie so etwas hören?

Die Reise zur Testfahrt mit dem X2 wurde unterstützt von BMW. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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