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Deutsche Reisewarnung schwere Hypothek für verbleibende Wintersaison

derStandard-Logo derStandard vor 4 Tagen Günther Strobl
© Foto: apa / barbara gindl

Nach der Reisewarnung ist vor der Reisewarnung, war man in den vergangenen Tagen geneigt zu sagen. Am Freitagnachmittag kam dann die Meldung aus Berlin: Österreich ist für Deutschland erneut Hochrisikoland. Robert Seeber, oberster Touristiker in der Wirtschaftskammer, spricht von einem "schweren Schlag für die Branche".

Dabei ist Österreich erst zu Weihnachten aus der Liste der Hochrisikogebiete gestrichen worden. Vielen ist ein Stein vom Herzen gefallen. Der befürchtete Einbruch bei Gästenächtigungen in heimischen Beherbergungsbetrieben konnte dadurch zuletzt verhindert werden.

Gute Auslastung über Weihnachtsfeiertage

Über die Weihnachtsfeiertage war die Auslastung der Betriebe regional unterschiedlich, lag im Schnitt aber zwischen 70 und 90 Prozent. Das "Jännerloch", das sich in Vor-Corona-Zeiten einige Jahre lang durch verstärkte Präsenz russischer Gäste verkleinert hatte, ist wieder da – die Auslastung der Betten ist dieser Tage auf 20 bis 25 Prozent gesunken.

Bis zur neuerlichen Reisewarnung hingen die Hoffnungen der Branche am wichtigen Monat Februar. Nun werden die Karten neu gemischt, Seeber hofft, dass sich zumindest die inländischen Gäste nicht abschrecken lassen, wie er dem STANDARD sagte.

"Mit dem Virus leben lernen"

Die Lust auf Urlaub ist nach den Lockdowns jedenfalls stärker denn je, zeigt eine vom Fachverband Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer in Auftrag gegebene und vom Linzer Market-Institut durchgeführte repräsentative Umfrage. Trotz in die Höhe schnellender Inzidenzzahlen sei der Krankheitsverlauf der Omikron-Variante viel milder, erinnerte Seeber: "Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben." Zugleich müssten die Corona-Hilfen, ohne die jeder zweite Betrieb in arge Schieflage geraten wäre, angepasst werden.

Konkret schwebt Seeber eine Neubewertung beim Ausfallsbonus vor, der zurzeit mit 80.000 Euro gedeckelt ist. Beim Verlustersatz sollte künftig ein Umsatzminus von 30 statt 50 Prozent gelten. Zusätzlich sollten Überbrückungshilfen und Stundungen verlängert werden.

Durchhalteprämie für Betriebe

Und: Eine Durchhalteprämie, gekoppelt an die Schwere der Corona-Auswirkungen auf den jeweiligen Betrieb, wäre "ein wichtiges psychologisches Signal, insbesondere für die vielen klein- und mittelständischen Unternehmen", sagt Seeber.

In die Verlängerung gehen jedenfalls die von der Tourismusbank ÖHT aufgestellten Hilfen in Form von Haftungen und Zuschüssen. Alles zusammengerechnet befinden sich noch rund eine Milliarde Euro in den Töpfen. Möglicherweise müssten diese – abhängig vom Pandemiegeschehen — in den kommenden Monaten nachdotiert werden, sagt Matthias Matzer, der Anfang Jänner neu in die Geschäftsführung der ÖHT gekommen ist.

Was die zuletzt vom gewerkschaftsnahen Momentum-Institut aufgezeigte Überförderung von Tourismusbetrieben in der Pandemie betrifft, hält Matzer dagegen: "Für die breite Masse der Betriebe trifft das sicher nicht zu." Von 70.000 Betrieben hätten 33.000 Hilfen beansprucht, die meisten im Schnitt 14.000 Euro, sagt Obmann Seeber.

(Günther Strobl, 15.1.2022)

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