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EVN dreht bis Ende März niemandem die Energie ab

derStandard-Logo derStandard 05.08.2022
© Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Wien – Die täglichen schlechten Nachrichten in puncto Energiepreise reißen nicht ab. Mit den Großhandelspreisen für Strom geht es weiter bergauf. Für September 2022 weist der Österreichische Strompreisindex (ÖSPI) gegenüber dem Vormonat ein Plus von 9,2 Prozent auf. Im Vergleich zum September des Vorjahres beträgt das Plus 256,2 Prozent.

In den vergangenen Tagen sorgten bereits die Energieversorger EVN und Wien Energie für Aufregung, da mit Anfang September große Preiserhöhungen anstehen. Die beiden Anbieter ziehen die Indexanpassung an die Großhandelspreise von Jänner auf September vor.

Die EVN versucht nun zu kalmieren: Von 1. Dezember bis mindestens 31. März 2023 wird in keinem Haushalt Strom, Gas, Nah- oder Fernwärme abgeschaltet, wie aus einer Aussendung hervorgeht. Doch was ist ab April – wird jenen der Hahn zugedreht, die im Winter nicht bezahlen konnten? "Nein, automatisch passiert das bestimmt nicht", sagt EVN-Sprecher Stefan Zach zum STANDARD. "Wir werden gegebenenfalls mit Stundungen, Ratenzahlungen und flexiblen Zahlungsmodellen arbeiten, es wird für alle Kundinnen und Kunden individuelle Lösungen geben."

Monatliche Mehrkosten

Als die Preiserhöhung angekündigt wurde, rechnete die EVN vor, mit welchen Mehrkosten Kunden in etwa zu rechnen hätten. So bedeute die Erhöhung bei einem jährlichen Stromverbrauch von 2.000 Kilowattstunden (kWh) ein monatliches Plus von 32 Euro, bei einem Haushalt mit 3.500 kWh seien es pro Monat etwa 57 Euro mehr.

Bei all jenen, die sich bisher nicht im Kundenportal für einen der Rabatte des Energieversorgers registriert hätten, werde sich der größtenteils im niederösterreichischen Landesbesitz befindliche Energieversorger direkt melden, heißt es. Dabei wird auch ein Tarifwechsel zu einem Produkt mit zwölf Monaten Preisgarantie angeboten. Das bringe "treuen" Kunden bis zu 17 Prozent Rabatt. Weiters wird die EVN über das Onlineportal den Strompreisrabatt des Landes abwickeln. Mit der Möglichkeit, die tagesaktuellen Zählerstände bekanntzugeben, sei gewährleistet, dass bis zum letzten Tag noch der alte, günstigere Preis verrechnet wird. Außerdem wurde auf den EVN-Sozialfonds hingewiesen, der mit drei Millionen Euro dotiert wird.

Zuschüsse in Tirol

Auch die schwarz-grüne Landesregierung in Tirol hat am Freitag auf die permanent steigenden Kosten reagiert. Nach der Erhöhung des Heizkostenzuschusses, der Wohn- sowie der Mietzins- und Annuitätenbeihilfen und der Initiierung eines Energiekostenzuschusses brachte ein "Antiteuerungsgipfel" mit den Sozialpartnern im Landhaus am Freitag etwa einen Energiekostenzuschuss auch für die Mittelschicht.

So werde rückwirkend die Einkommensobergrenze für den 250-Euro-Energiekostenzuschuss erhöht – für alleinstehende Personen von bisher 1300 Euro auf ein Netto-Monatseinkommen von 1900 Euro und für Ehepaare und Lebensgemeinschaften um 633 Euro auf nun 2700 Euro. Personen mit besonders niedrigem Netto-Einkommen stehe eine doppelte Förderung aus Heizkosten- und Energiekostenzuschuss, also in Summe 500 Euro, zu.

Höhere Sozialleistungen gefordert

Unterdessen werden auch Rufe nach einer raschen Erhöhung von Sozialleistungen wieder lauter. Die Armutskonferenz forderte insbesondere Entlastungen bei den Wohnkosten. "Wenn Indexanpassungen für Strom und Gas vorgezogen werden, dann müssen auch die Indexanpassungen, Erhöhungen der Sozialleistungen, Mindestpensionen etc. vorgezogen werden", sagt Caritas-Präsident Michael Landau. Er befürchte eine weitere Armutswelle. Einmalzahlungen würden nicht ausreichen. (and, 5.8.2022)

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