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Gefallenes Bluttest-Wunderkind Elizabeth Holmes zeigt ein wenig Reue

derStandard-Logo derStandard vor 2 Tagen Andreas Danzer
© Foto: REUTERS/Stephen Lam

San José – Ihre Aussage kam überraschend. Zu einem gewissen Grad gestand sie sogar eigenes Fehlverhalten ein. "Ich wünschte, ich hätte es anders gemacht", sagt Elizabeth Holmes an ihrem dritten Tag im Zeugenstand. Sie habe Logos der Pharmariesen Pfizer und Schering-Plough auf eigene Laborberichte hinzugefügt und verschickt. Die beiden Unternehmen erteilten eigener Aussage zufolge diesen Berichten nie ihren Sanktus. Zudem habe Theranos mit Maschinen von Drittanbietern gearbeitet, was sie ebenso verschwiegen hatte.

Zur Erinnerung: Elizabeth Holmes gründete 2003 im Alter von 19 Jahren das Start-up Theranos. In kürzester Zeit avancierte sie zum Shootingstar des Silicon Valley, den neuen Steve Jobs (v)erkannten viele in ihr. Mit ihrer Firma entwickelte sie ein Verfahren, das anhand weniger Bluttropfen hunderte Krankheiten erkennen sollte. Tat es aber nicht im Ansatz, die Ergebnisse waren größtenteils falsch. Dennoch sammelte Holmes zig Millionen Dollar von prominenten Investoren ein, was für Theranos einen vorübergehenden Wert von neun Milliarden Euro bedeutete.

Es drohen 20 Jahre Haft

Nun läuft in San José seit elf Wochen der Betrugsprozess gegen das einstige Wunderkind, im Fall einer Verurteilung drohen der heute 37-Jährigen 20 Jahre Haft. Sie muss sich wegen zwölf Fällen von Betrug und Anstiftung zum Betrug verantworten. Die Staatsanwaltschaft rief 29 Zeugen auf, um ihre Behauptung zu untermauern, dass Holmes das Leben von Patienten gefährdete sowie Investoren und Kunden täuschte. Holmes plädiert auf unschuldig und gibt vor, nach bestem Gutdünken gehandelt zu haben.

Der Vorwurf: Während Vertragsverhandlungen mit Walgreens schickte Holmes die eingangs erwähnten Laborberichte sowohl an die US-Apothekenkette als auch an Investoren. Diese Berichte hätten viele dazu bewogen, in Theranos zu investieren, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Es habe den Anschein erwirkt, die Pharmariesen hätten diese Berichte erstellt. Zudem wurde Walgreens danach einer der wichtigsten Handelspartner für Theranos.

Die Berichte seien in Zusammenarbeit mit Pfizer und Schering-Plough entstanden, verteidigt sich Holmes. Sie habe deren Logos zwar ungefragt hinzugefügt, doch habe niemanden täuschen wollen.

Manipulierte Maschinen

Ein weiterer Vorwurf lautet, Theranos habe bewusst verschwiegen, mit manipulierten Maschinen von Drittanbietern gearbeitet zu haben und nicht den eigenen. Dem stimmte Holmes zwar zu, sieht es jedoch anders. "Wir haben die Maschinen weiterentwickelt, dadurch wurden sie zu unserer Erfindung und unserem geistigen Eigentum." Es sei essenziell gewesen, dieses Geheimnis zu wahren.

Darüber hinaus besteht ihre Verteidigungsstrategie wohl zu einem guten Teil daraus, die Schuld bei anderen zu suchen. Was immer wieder zu Widersprüchen führt. Einerseits behauptet sie, sich primär auf die Aussagen und Reports ihrer Mitarbeiter verlassen zu haben. Andererseits erklärt sie selbstbewusst Details zu technischen Vorgängen und Produkten, wie etwa das Wall Street Journal(WSJ) schreibt. Nach einer Artikelreihe des WSJ im Jahr 2015 wurden die Probleme überhaupt erst bekannt. Eine Prüfung durch die US-Gesundheitsbehörde CDC bestätigte diese Probleme im folgenden Jahr.

Weitere Sündenböcke

Auch für weitere Schwierigkeiten findet Holmes Sündenböcke. Irreführende Finanzprognosen seien von ihrem Geschäftspartner und Ex-Lebenspartner Ramesh Balwani ausgegangen. Sie wirft ihm überdies sexuellen Missbrauch vor. Verwirrendes Marketingmaterial sei von einer externen Firma ausgegangen, der man vertraut habe. Und dass die Zusammenarbeit mit Walgreens und dem Supermarkt Safeway scheiterte, lag an einem Wechsel in der Unternehmensführung.

Für die Thanksgiving-Feiertage unterbrach der Richter die Verhandlung. Kommende Woche startet die Staatsanwaltschaft die Befragung von Elizabeth Holmes. (Andreas Danzer, 25.11.2021)

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