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Alibaba und der neue Online-Ostblock

Handelszeitung-Logo Handelszeitung 12.09.2018 Marcel Speiser
Alibaba-Chef Jack Ma.: Jack Ma: Der chinesische Milliardär investiert in Russland – und setzt sich mit Vladimir Putin an den Tisch. © Getty Images Jack Ma: Der chinesische Milliardär investiert in Russland – und setzt sich mit Vladimir Putin an den Tisch.

Kalter Krieg reloaded im E-Commerce: Chinas E-Commerce-Riese Alibaba investiert gross in Russland. Mit am Tisch: der Kreml.

Manchmal formt die Wirtschaft die Politik. Lobbyisten schreiben Gesetze, globale Unternehmen entziehen sich lokalen Gesetzen, industrielle Bedürfnisse prägen Umweltnormen. Und so weiter.

Manchmal aber ist es auch umgekehrt: Die Politik formt die Wirtschaft. Die aktuellen Verschiebungen der globalen Kräfteverhältnisse – Amerika isoliert sich unter Präsident Donald Trump, Europa beschäftigt sich fast ausschliesslich mit innenpolitischen Themen, Russland und China zementieren autoritäre Regimes – beeinflussen Wirtschaft und Unternehmen. Protektionismus behindert Unternehmen, neue Hürden für den globalen Warenaustausch schaden der Weltwirtschaft. Und es bilden sich neue wirtschaftliche Allianzen, als Gegengewichte zu Supermächten aus dem feindlichen Lager.

Alibaba investiert in Russland – und der Kreml sitzt mit am Tisch

Ein hochaktuelles – und hochbrisantes – Beispiel dafür: Der chinesische Online-Gigant Alibaba, einziger globaler Konkurrent des US-Riesen Amazon, investiert in ein E-Commerce-Unternehmen für den russischen Markt. Mit am Tisch: der kremltreue Oligarch Alisher Usmanov und der russische Staatsfonds. Also indirekt auch der russische Präsident Vladimir Putin.

Will heissen: China und Russland spannen zusammen, um punkto E-Commerce den USA – konkret Amazon – Paroli zu bieten. Die neue Partnerschaft hat Potenzial: Alibaba ist bereits heute ein dominanter Spieler in fast allen Segmenten des Retail – von Ramschwaren über Elektronik und Mode bis hin zu Luxusgütern. Zudem das Unternehmen von Jack Ma in Sachen Mobile Payment ganz weit vorne dabei. Und es ist an fast allen chinesischen Entsprechungen grosser Silicon-Valley-Firmen beteiligt – unter anderem an Didi Chuxing, das in China mal eben Uber verdrängt hat.

«Usmanov ist ein Mann, der seine geschäftlichen Interessen ohne Weiteres in der russischen Politik und in der russischen Öffentlichkeit vertreten und verbreiten kann.»

Auch Usmanov ist ein sehr ernst zu nehmender Unternehmer. Und das nicht nur, weil er schwerreich ist, konkret mit einem Vermögen von 14,4 Milliarden Dollar. Sondern weil er in Russland einflussreich ist: Ihm gehört die Wirtschaftszeitung «Kommersant», er besitzt die meistgelesene News-Site Russlands, er kontrolliert «VK», das russische Facebook mit rund 100 Millionen Nutzern, er beaufsichtigt den Investmentfonds der parastaatlichen Gasfirma Gazprom. Im Klartext:  Usmanov ist ein Mann, der seine geschäftlichen Interessen ohne Weiteres in der russischen Politik und in der russischen Öffentlichkeit vertreten und verbreiten kann. Und so wie Alibaba politische Rückdeckung durch die Regierung von Xi Jinping geniesst, bewegt sich Usmanov im Umfeld von Russlands Präsidenten Vladimir Putin wie ein Fisch im Wasser.

Ende der Geschichte? Nein! Sie scheint sich im Internet zu wiederholen

Es entsteht also gerade eine Art Online-Ostblock, der dem Online-Westen in Form von Amazon – die Amerikaner dominieren das E-Commerce-Business in Nordamerika und Europa – gegenüber steht. Und wie damals im Kalten Krieg ist es absehbar, dass die Blöcke ihre Rivalität um das Geld der Konsumenten  nach Lateinamerika, Osteuropa und Afrika tragen werden. Das Ende der Geschichte ist vertagt.

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