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Finanzen aktuell

Frisöre, Reinigung, Sozialberufe: Frauen holen bei Lohnerhöhung auf

KURIER-Logo KURIER 06.12.2018 Redaktion kurier.at

Bei den Kollektivverträgen in typischen Männer-Sparten werden keine besseren Abschlüsse erzielt.

© KurierStephan Boroviczenycall. +43(0)6889092400sboro@live.de

Die Metaller (192.000 Beschäftigte) haben mit 3,5 Prozent Kollektivvertragserhöhung ordentlich vorgelegt, die Eisenbahner (40.000 Beschäftigte) sind mit 3,4 Prozent nachgezogen und die Gehaltsverhandlungen für die 400.000 Handelsangestellten gingen am Mittwoch in die vierte Runde – ohne Ergebnis. Ziel der Gewerkschaft GPA ist ein Abschluss deutlich über der Inflationsrate (2,2 Prozent) - nämlich 3,5 Prozent. Die Arbeitgeber haben aber im Schnitt einen Prozentpunkt weniger geboten. Jetzt soll es zu Protesten kommen.

Vida-Chef Roman Hebenstreit © vida Vida-Chef Roman Hebenstreit

Fakt ist: Basis für die KV-Gespräche ist aber die Produktivitätssteigerung der jeweiligen Branche. So hat zum Beispiel Vida-Gewerkschafter Roman Hebenstreit die Produktivitätszuwächse der Bahn (+6,5 Prozent) für seine Strategie nutzen können.

Hoher Frauenanteil

Protestaktion vor der WKO in Wien. © APA/ROBERT JAEGER Protestaktion vor der WKO in Wien.

Schaut man auf die Metaller und auf die Eisenbahner, dann entsteht auf den ersten Blick der Eindruck, dass in männerdominierten Branchen die Gehaltsabschlüsse höher ausfallen als in Branchen mit einem hohen Frauenanteil. Oder anders gesagt:

Haben die Männer eine stärkere Lobby? Das stimme nicht, sagen Gewerkschafterinnen. „Diese These geht nicht auf, vom Geschlecht her kann man das so nicht generalisieren“, sagt Sandra Breiteneder, Bundesfrauen-Sekretärin der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) zum KURIER. Richtig sei vielmehr: Je mehr Mitarbeiter einer Branche gewerkschaftlich organisiert und je geneigter diese zu Streiks seien, desto besser fielen die Abschlüsse aus.

Hohe Kampfkraft

Metaller © AP Metaller

„Die Metaller sind traditionell gut organisiert und haben eine hohe Kampfkraft“, sagt Breiteneder. „Auch jene Branchen, die sich in den vergangenen Jahren stärker organisiert haben, holen auf. Dazu zählt der Sozialbereich und der Handel.“

Aber selbst im Reinigungsgewerbe, das einen Frauenanteil von 70 Prozent hat und als „die Teilzeit-Branche“ gilt, haben die Gewerkschafter kürzlich 3,5 Prozent Einkommenserhöhung für die 32.000 Beschäftigte erreicht.

Der Mindestlohn einer vollzeitbeschäftigten Raumpflegerin beträgt ab 2019 dann 1555 Euro. Dazu muss man wissen, dass der Großteil der weiblichen Putzkräfte nur für insgesamt 25 Stunden beschäftigt wird; bei einem künftigen Brutto-Stundenlohn in Höhe von 8,98 Euro. Nur die Sonderreiniger (Fensterreiniger, Fassadenreiniger) verdienen laut Vida-Gewerkschafterin Canan Aytekin mehr – das sind großteils Männer.

Frisörinnen legen zu

Auch Vida-Juristin Aytekin bestätigt das Zusammenspiel von gewerkschaftlicher Macht und erfolgreichen Lohnabschlüssen. „Bei den Fußpflegerinnen und Kosmetikerinnen haben wird eine Rahmen-Kollektivertrag, aber seit 1992 keine Lohnvereinbarung“, sagt Aytekin zum KURIER. „Da haben wir nur hundert Mitglieder und daher ist es schwierig Druck aufzubauen und eine Lohnvereinbarung zustandezubringen.“

Auch bei den Frisörinnen gab es 2017 ein Gehaltsplus von 4,69 Prozent und heuer weitere 4,55 Prozent. Mit diesem Stufenplan soll im Jahr 2020 der Mindestlohn (1500 Euro) erreicht werden.

Die KV-Abschlüsse im Vergleich © Grafik Die KV-Abschlüsse im Vergleich
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