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Geld, das aus dem Nichts kommt

WELT-Logo WELT vor 5 Tagen Frank Stocker
Wie die „Washington Post“ berichtet, ist das Staatsdefizit der USA in den vergangen vier Monaten um 77 Prozent gestiegen. Demnach gaben die USA von Oktober bis Januar rund 310 Milliarden Dollar mehr aus als sie einnahmen. Quelle: WELT/ Kevin Knauer © WELT/ Kevin Knauer Wie die „Washington Post“ berichtet, ist das Staatsdefizit der USA in den vergangen vier Monaten um 77 Prozent gestiegen. Demnach gaben die USA von Oktober bis Januar rund 310 Milliarden Dollar mehr aus als sie einnahmen. Quelle: WELT/ Kevin Knauer

Das Loch im amerikanischen Staatshaushalt wird immer größer. In den ersten sechs Monaten des laufenden Fiskaljahrs, das am 1. Oktober begonnen hat, betrug das Defizit 691,2 Milliarden Dollar, wie aus dem aktuellen Monatsbericht des Finanzministeriums hervorgeht. Im selben Zeitraum des Vorjahres hatte das Minus erst bei 599,7 Milliarden gelegen.

Sollte der US-Staat weiter in solch rasendem Tempo Schulden machen, könnte durchaus auch das offizielle Ziel von 1,09 Billionen für das Gesamtjahr gerissen werden. Auf Basis der Halbjahreszahlen ergäben sich bis zu 1,4 Billionen Dollar – das entspräche fast sieben Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Euro-Zone hatte für ihre Mitglieder einst eine Höchstgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts definiert. Derzeit halten sich auch alle daran.

Erstaunlicherweise haben die neuen Rekordzahlen aus den USA bislang jedoch keinen Einfluss auf die Stimmung unter den Investoren, auch der Dollar gab bislang nicht nach. Nur Alan Greenspan, der ehemalige Chef der Notenbank warnte. „Die Behörden veröffentlichen riesige Defizitzahlen, und niemand scheint es zu kümmern“, sagte der mittlerweile 93-Jährige im Fernsehsender CNBC. „Es wird sie kümmern, wenn der Zahltag kommt.“ Doch den sehen offensichtlich bislang wenige kommen.

Das Geld kommt aus dem Nichts

Die aktuelle Ausweitung des US-Defizits ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,7 Prozent erhöht haben, während die Ausgaben um 4,9 Prozent gestiegen sind. Diese wachsende Lücke wiederum geht auf die Steuersenkungen durch Präsident Donald Trump Anfang vergangenen Jahres zurück. Eigentlich sollten diese die Wirtschaft so stark stimulieren, dass dies die Einnahmeverluste kompensiert. Doch das ist bisher nicht eingetreten.

Die Schulden der USA steigen rasant: Auf Basis der Halbjahreszahlen könnten es in diesem Jahr bis zu 1,4 Billionen Dollar werden © picture alliance / imageBROKER Die Schulden der USA steigen rasant: Auf Basis der Halbjahreszahlen könnten es in diesem Jahr bis zu 1,4 Billionen Dollar werden

Die Gesamtschulden des amerikanischen Staates betragen inzwischen über 22 Billionen Dollar und entsprechen damit bereits mehr als 100 Prozent der Wirtschaftsleistung. Da die Zinsen in den USA schon lange nicht mehr bei null liegen, wie das in Europa der Fall ist, erhöht dies nun auch die Zinslast für den Staat.

Auf Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit muss der Finanzminister in Washington inzwischen rund 2,5 Prozent Zinsen bezahlen. Pro Tag werden dadurch allein 896 Millionen Dollar an Zinsen fällig.

Die Gleichgültigkeit gegenüber diesen Rekordzahlen dürfte auch darauf zurückzuführen zu sein, dass unter Wirtschaftswissenschaftlern und Investoren derzeit die sogenannte Modern Monetary Theory hoch im Kurs steht.

Diese besagt, verkürzt gesagt, dass ein Staat mit eigener Währung keinerlei Rücksicht auf den Schuldenstand nehmen muss, da er Geld einfach aus dem Nichts schaffen und somit die Schulden jederzeit bedienen kann. Sollte diese Politik irgendwann zu Inflation führen, so kann der Finanzminister diese durch Steuern eindämmen, so die Theorie.

Enorme Lasten für künftige Generationen

Entscheidend ist in dieser Theorie, dass die Notenbank (Fed) ihre Unabhängigkeit verliert und zum Erfüllungsgehilfen der Regierung wird. Präsident Trumps Politik zielt genau darauf. So will er Stephen Moore für einen Posten im Führungsgremium der Fed nominieren.

Moore hat keinerlei wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung, arbeitete lediglich als Journalist und Kommentator für diverse Medien, er vertritt jedoch vehement Trumps Meinung, dass die Notenbank ihre Zinsen wieder senken müsse. Sollte er in die Fed einziehen, könnte er deren Unabhängigkeit von innen heraus aushöhlen.

Allerdings gibt es durchaus auch Warner. So sieht die Peterson-Stiftung, deren Anliegen die Finanzstabilität des Landes ist, durch die wachsende Schuldenlast ein erhebliches Risiko für die Wirtschaft und die Zukunft der USA: „Anstatt dass wir unsere Schulden managen, bürden wir einfach künftigen Generationen enorme Lasten auf, die deren wirtschaftliche Chancen und ihre Lebensqualität beeinträchtigen werden“, sagte Stiftungsgründer Michael A. Peterson in einer Stellungnahme zu den neuesten Zahlen.

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