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Finanzen aktuell

Studie entlarvt das Home Office als gesundheitsschädlich

DIE WELT-Logo DIE WELT 17.02.2017

Man spart den Arbeitsweg, ist glücklicher und produktiver - diese Vorteile der Telearbeit haben sich inzwischen in den meisten Unternehmen herumgesprochen. Doch es spricht auch etwas dagegen.

Wer ständig von zu Hause oder unterwegs aus arbeitet, der leidet häufiger unter Schlaflosigkeit und ist außerdem anfälliger für Stress. Das zeigt eine neue Studie mit dem Titel "Arbeiten jederzeit und überall: Auswirkungen auf die Arbeitswelt" der Arbeitsorganisation ILO der Vereinten Nationen und der Europäischen Stiftung "Eurofound".

Die Forscher nahmen die Arbeitsbedingungen von Angestellten in 15 Ländern unter die Lupe. Darunter waren auch Deutschland und neun andere EU-Länder. Hinzu kamen Argentinien, Brasilien, Indien, Japan und die USA. In ihrer Analyse teilten sie die Angestellten, die vom Home Office aus arbeiteten, in drei Gruppen ein: Menschen, die ihre Arbeit sowohl von Zuhause als auch im Büro verrichten; so genannte "hoch mobile" Mitarbeiter, die überall, nur nicht im Büro arbeiten und Angestellte, die regelmäßig zu Hause arbeiten. Diese verglichen sie mit Angestellten, die ausschließlich im Büro sitzen.

Die Ergebnisse überraschen. Alle drei Gruppen der Telearbeiter waren anfälliger für Krankheiten und Unwohlsein als diejenigen, die ohne Ausnahme vom Büro aus arbeiten. Danach leiden 42 Prozent der hoch mobilen und der regelmäßig von zu Hause aus arbeitenden Gruppen an Schlafstörungen. Bei den Büro-Arbeitenden sind es nur 29 Prozent. Ähnlich schlecht ist die Stress-Bilanz derjenigen, die von überall aus arbeiten. 41 Prozent der hoch mobilen Angestellten klagten über Stress - deutlich mehr als die Büroarbeiter. In dieser Gruppe fühlte sich nur jeder Vierte wegen seiner Arbeit unter Stress.

Dennoch geben die Autoren der Telearbeit auch gute Noten. Menschen, die mobil arbeiten, sparten Zeit und seien autonomer in der Arbeitseinteilung. Für die Unternehmen ist der Vorteil, dass sie keine Arbeitsplätze zur Verfügung stellen müssen und motiviertere Mitarbeiter hätten. Auch für Menschen mit Behinderung biete die Telearbeit gute Chancen. Ein weiterer Pluspunkt, auch für die gesamte Gesellschaft, sind die ausfallenden Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz.

Grundsätzlich ermögliche Telearbeit also eine bessere Work-Life-Balance als die reine Büroarbeit, sagt Co-Autor Jon Messenger - doch per se sind Smartphone, Tablet und Laptop noch kein Erfolgsrezept. Im Gegenteil: "Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen", erklärt er. Das könne dazu führen, dass viele Angestellte unbezahlte Überstunden machten, die sich bei der Arbeit von zu Hause einschleichen. Ein Risiko ist auch, ohne Pausen durchzuarbeiten.

Die Lösung sehen die Autoren der Studie in einem Mittelweg. Wenn die Arbeit gut reguliert sei, dann überwiegen die Vorteile. Menschen, die zeitweise von zu Hause oder unterwegs arbeiten, wiesen die beste Work-Life-Balance auf. Die Firmen sollten solche Angebote fördern und zugleich dafür sorgen, dass Mitarbeiter nicht unbezahlte Überstunden leisten.

Deutschland hat nach Einschätzung der Verfasser noch Nachholbedarf. Mit zwölf Prozent Telearbeit liege es unter dem EU-Durchschnitt, obwohl 40 Prozent der Jobs in Deutschland dafür geeignet seien. In Schweden arbeiten 32 Prozent der Angestellten in Telearbeit, in Argentinien sind es nur zwei Prozent der Menschen.

Dieser Ländervergleich ist allerdings problematisch. Denn ILO und Eurofound haben keine eigenen Daten erhoben. Sie berufen sich auf frühere eigene Studien aus den einzelnen Ländern - diese sind aber teilweise mehr als fünf Jahre alt. Die deutschen Zahlen sind aus dem Jahr 2014.

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