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Finanzen aktuell

Teuflisch gute Olivenöl-Fälscher

SZ.de-Logo SZ.de vor 5 Tagen Von Oliver Meiler, Rom
Sieben Euro: So viel kostet allein die Herstellung von kaltgepresstem Olivenöl, wenn alle Vorschriften befolgt werden. © imago stock&people Sieben Euro: So viel kostet allein die Herstellung von kaltgepresstem Olivenöl, wenn alle Vorschriften befolgt werden.

In Apulien ist eine Bande aufgeflogen, die im ganz großen Stil billiges Öl aus Sojabohnen und Sonnenblumenkernen als kaltgepresstes Olivenöl ausgab. Erstaunlich, wie rudimentär ihre Masche war.

Alles war erfunden, sogar die Ölpressen. Im süditalienischen Apulien ist eine Bande aufgeflogen, die über Jahre im ganz großen Stil billiges Öl aus Sojabohnen und Sonnenblumenkernen als kaltgepresstes Olivenöl ausgab und in den Rest des Landes und nach Deutschland verkaufte - als Extra Vergine also, der gefeierten Grundingredienz der mediterranen Küche.

Vier Jahre lang haben die Carabinieri ermittelt, 250 Polizisten waren im Einsatz. Die europäischen Agenturen Eurojust und Europol halfen dabei. Die Operation "Oro giallo", gelbes Gold, ist zwar nicht die erste ihrer Art, doch sie gehört zu den größten der letzten Jahre. 24 Personen wurden verhaftet. Vorgeworfen wird ihnen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, illegaler Handel und Fälschung von Lebensmitteln.

Ihre Masche war recht rudimentär, umso erstaunlicher ist es, dass die Fahnder so lange brauchten. Das Kernöl kauften sie in grossen Betrieben in Norditalien, mehr als eine Million Liter jedes Jahr. Mit grossbauchigen Lastern transportierten sie es nach Cerignola, San Severo und Lavello im Foggiano, der Produktionszentrale. Aus Apulien, muss man wissen, kommt eines der besten, traditionsreichsten Olivenöle Italiens. Beim Sonnenblumenöl stimmte schon mal die Farbe nicht, mit Chlorophyll wurde es mattgrün. Die herbe, bittere Note erreichte man mit künstlichen Geschmacksstoffen. Und wahrscheinlich mischten sie auch noch etwas bei, damit das Öl etwas zäher fliesst, wie das echte eben.

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Auf die Etiketten druckten sie Namen von Firmen, die es gar nicht gab. Die Unterstände mit den Ölmühlen? Waren in Wahrheit nur Lagerhallen mit prekärer Hygiene. "Frantoi fantasma", nennen sie die italienischen Medien, Phantompressen. Bekannte Restaurants überall im Land wurden mit dem Öl beliefert, meist direkt, von Haustür zu Haustür. Die Nachfrage war groß, die Bande bot das vermeintlich tolle apulische Olivenöl ja auch für unschlagbar tiefe Preise an, fünf bis zehn Euro pro Liter. Da war die Gewinnmarge beträchtlich: In der Herstellung kostete das aufgegrünte Zeug nur 1,20 Euro.

Alle paar Wochen gingen 23 000 Liter davon nach Deutschland, wo die Panscher ein fein eingespieltes Verteilnetz aufgebaut hatten, mit italienischem Personal. Die Leute vor Ort sorgten auch dafür, dass die Fernfahrer nach langer Reise für die Nacht unterkamen. Zwei von ihnen wurden nun verhaftet. Sechs grosse Lastwagen waren im Einsatz zwischen Cerignola und Stuttgart, das war die Hauptachse ihres Handels. Distanz: 1300 Kilometer. Die Polizei hat jetzt auch die sechs Camions beschlagnahmt. Restaurants und Geschäfte in Stuttgart, Berlin und Frankfurt wurden mit dem Öl versorgt.

Der Landwirtschaftsverband Coldiretti warnt davor, dass gerade in diesem Jahr das Betrugsrisiko in Apulien besonders hoch sei. Eine Frostphase im vergangenen Frühjahr hat offenbar sechzig Prozent der Ernte zerstört. Die Region kämpft zudem seit Jahren gegen Xylella, die Bakterie, die Olivenbäume in grosser Zahl wegrafft. Ein Drama sondergleichen. Da ist die Gefahr groß, dass sich unlautere Produzenten zum Beispiel mit Ware aus Tunesien und Spanien behelfen und das Öl dann doch so anpreisen, als wäre es aus "100 Prozent italienischen Oliven" gewonnen worden. Extra Vergine.

Natürlich kann man sich darüber wundern, dass selbst Profis sich von gefälschtem Öl täuschen lassen. Doch die Fälscher sind nun mal teuflisch gut. Oft gelingt es nur mit Tests im Labor, den Betrug zu entlarven. Für den Kunden im Detailhandel gibt es eine einfache Faustregel. Will er sich einen Liter rundum italienisches, kalt gepresstes Olivenöl kaufen, muss er dafür mindestens sieben oder acht Euro bezahlen. Steht ein tieferer Preis auf dem Schild, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es eben kein kaltgepresstes italienisches Olivenöl ist. Sieben Euro: So viel kostet allein die Herstellung, wenn dabei alle Vorschriften befolgt werden.

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