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"Die deutsche Greta": Diese junge Frau bringt Siemens ins Schwitzen

KURIER-Logo KURIER vor 5 Tagen sandra.lumetsberger

Luisa Neubauer ist die Frontfrau der deutschen Klimaschutzbewegung und bringt auch Wirtschaftsbosse schon einmal in Verlegenheit.

© REUTERS / HANNIBAL HANSCHKE

Es gibt vermutlich nicht viele 23-Jährige, die mehr als 30 Termine die Woche haben. Es sei denn man steht an der Spitze der deutschen Klimaschutzbewegung. Seit einem Jahr organisiert Luisa Neubauer Veranstaltungen von Fridays for Future mit. Eigentlich sollte die gebürtige Hamburgerin, die in Göttingen Geografie studiert, ihre Bachelorarbeit über nachhaltige Anlagenstrategien finalisieren, doch seit sie Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel im polnischen Kattowitz kennengelernt hat, ist das zweitrangig.

Lisa Neubauer mit Greta Thunberg © APA/AFP/CRISTINA QUICLER / CRISTINA QUICLER Lisa Neubauer mit Greta Thunberg

Von der jungen Schwedin inspiriert, schafften es Neubauer und ihre Mitstreiter auch in Deutschland Menschen auf der Straße zu mobilisieren - von Aachen, Bielefeld, Hannover bis München sind es längst nicht mehr nur Schüler, die demonstrieren. Das hat auch die deutsche Bundesregierung erkannt, die vor einigen Monaten flugs ein Klimaschutzgesetz verabschiedete.

Die Proteste sind deswegen allerdings nicht weniger geworden. Neubauer, die von Medien bereits die "deutsche Greta" getauft wurde, selbst ist mittlerweile nicht mehr nur hinter Transparenten zu sehen. Sie sitzt regelmäßig in Talkshows, wo sie mit Journalisten und Politikern debattiert oder sich für frühere Fernreisen verteidigen muss, die ihr Menschen im Netz nachweisen wollten. "Sie sie auch nur ein Mensch", erklärte sie im Zuge der Debatte. Die Reisen nach Afrika wären im Zuge von Entwicklungsprojekten gewesen, heute würde sie vor allem mit der Bahn reisen - in London lebende Familienmitglieder besucht sie per Zug. Dass man generell darüber und nicht über Dumpingpreise und späte Abschaltzeiten von Kohlekraftwerken spreche, zeige, "wie groß die Furcht vor unseren Protesten sein muss".

Angebot von Siemens abgelehnt

Furchtlos wollen sich die in Kritik geratenen Industriekonzerne zeigen und laden die 23-Jährige auch als Rednerin ein.

Der jüngste Versuch von Siemens-Chef Joe Kaeser, die Aktivistin einzubinden, schlug jedoch fehl. Er bot ihr einen Posten im Aufsichtsgremium von Siemens Energy an, den sie ablehnte. Statt ihr solle doch ein Vertreter von "Scientists for Future" zum Zug kommen, schlug sie ihm vor. Das lehnte Kaeser ab. Er brauche keine weiteren Experten, sondern "Leadership". Kritiker vermuten allerdings, dass es ihm bloß um PR ging. Denn zuletzt sorgte der Konzern für  Negativschlagzeilen: Trotz Bekenntnis zu mehr Klimaschutz liefert er weiter die Signaltechnik für eine Zugverbindung, mit der Kohle von einer geplanten Mine in Australien zum Hafen transportiert werden soll. Siemens-Chef Kaeser twitterte am Sonntagnachmittag, dass man alle Optionen abgewogen habe, sich aber an geltende Verträge halten müsse.

"Joe Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler", erklärte Neubauer später. "Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen." Statt Verantwortung für das Pariser Klimaschutz-Abkommen zu übernehmen, gefährde Siemens damit das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad einzudämmen. Noch am Montag wurde in mehreren deutschen Städten vor der Siemens-Zentrale gestreikt. Dass Neubauer den Siemens-Job ausschlug, heißt nicht, dass sie selbst einmal die Seiten wechseln will. Sie würde etwa eine Karriere als Politikerin nicht ausschließen, erklärte sie jüngst sie dem Studentenmagazin Zeit Campus. Gerade sehe sie ihre Rolle aber "in der außerparlamentarischen Opposition" und sieht sich als "Possibilistin" - eine Person, die verstehe, was politisch machbar und möglich sei.

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