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Jahrbuch Sucht 2019: Alkohol, Nikotin, Glücksspiel – so süchtig sind die Deutschen

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 17.04.2019 berliner-zeitung
© Getty Images/iStockphoto  

Die Zahlen sind alarmierend: Jeder Bundesbürger trinkt pro Jahr rund eine Badewanne voller alkoholischer Getränke. Vergangenes Jahr wurden 74,36 Milliarden Zigaretten in Deutschland konsumiert. Rauchen gehört nach wie vor zu den Haupt-Todesursachen.

Das sind nur zwei Kernaussagen des neuen „DHS Jahrbuch Sucht 2019“, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) am Mittwoch vorstellte.

So sind die legalen Drogen Alkohol und Tabak nach wie vor für den größten Teil der Suchtproblematik in Deutschland verantwortlich. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Alkoholsucht großes Problem in Deutschland

Im Jahr 2017 konsumierte jeder Bundesbürger ab 15 Jahren 131,1 Liter alkoholischer Getränke. Das waren zwar rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr, sei aber kein Grund für Entwarnung. Immerhin handelt es sich dabei um rund eine Badewanne voller Alkoholika.

Und: Etwa 74.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland aufgrund ihres Alkoholkonsums – oder durch den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak.

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21.721 Menschen zwischen 10 und 20 Jahren mussten 2017 aufgrund eines akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt werden – eine hohe Zahl. Und mit 314.211 Behandlungsfällen wurde die Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“ als zweithäufigste Hauptdiagnose in Krankenhäusern gestellt.

Tabak: Konsum von Zigarren und Zigarillos steigt

Vor allem Zigarren und Zigarillos werden immer beliebter. 2018 stieg der Verbrauch um 6,5 Prozent auf rund drei Milliarden. Auch der Konsum von Pfeifentabak (plus 2,7 Prozent) und Feinschnitt (plus 0,2 Prozent) haben zugenommen. Klassische Zigaretten wurden zwar etwas weniger verbraucht (1,9 Prozent), ihre Zahl war mit 74,36 Milliarden konsumierten Glimmstängeln aber immer noch sehr groß.

Mit Folgen: Der Studie zufolge starben im Jahr 2013 rund 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das seien 13,5 Prozent aller Todesfälle gewesen.

Medikamente: Bis zu 1,9 Millionen Abhängige in Deutschland

1,2 bis 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sollen abhängig von Tranquilizern (Antidepressiva) und Schlafmitteln sein. Betroffen seien vor allem ältere Menschen, darunter viele Frauen.

Bis zu 400.000 Bundesbürger sollen zudem von „anderen Arzneimitteln“ abhängig sein. Im Klartext: Bis zu 1,9 Millionen Menschen im Land haben eine Medikamentensucht.

Illegale Drogen: Mehr Rauschgifttote im Jahr 2018

Cannabis ist sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Erwachsenen die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Droge. Der Handel mit Rauschgift im Internet (etwa im Darknet) hat sich als fester Vertriebsweg für Drogen in Deutschland etabliert.

So überrascht es nicht, dass es in Deutschland im Jahr 2018 auch mehr Rauschgifttote gegeben hat: 1276. Das Durchschnittsalter der Toten lag bei 39 Jahren. Dass dieses seit Jahren steige, liege laut Studie an den Langzeitschädigungen von Drogen.

Glücksspiel wird zunehmend zum Problem, gerade Online

© picture alliance/dpa  

Auf dem legalen deutschen Glücksspiel-Markt wurde 2017 ein Umsatz (gleichbedeutend mit Spieleinsätzen) von 46,3 Milliarden Euro erzielt. Das waren 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei sind Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten mit Abstand der größte Umsatz- und Ertragsträger. Sie machen 58 Prozent am Gesamtmarkt aus.

„Die ehemals harmlosen ‚Groschengräber‘ konnten sich zu einem Glücksspiel mit einem ausgeprägten Sucht- und Gefährdungspotenzial entwickeln“, warnt der Bremer Sozialforscher Prof. Dr. Gerhard Meyer. Er wirft der Automatenindustrie vor, geltende gesetzliche Regelungen zu unterlaufen.

Die Suchtexperten haben deshalb bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch strengere Kontrollen und mehr Regulierung von Onlinespielcasinos und Glücksspielautomaten gefordert. Sie seien wie alle Glücksspiele so konstruiert, dass ein Großteil der Umsätze mit süchtigen oder zumindest problematischen Spielern gemacht werde, hieß es.

Die Gefährdung durch Onlinecasinospiele sei nach Einschätzung aller Suchtexperten „besonders hoch“, erklärte dabei die Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht, Ilona Füchtenschnieder. Sie seien rund um die Uhr verfügbar, unauffällig erreichbar und böten unkomplizierte Methoden der Geldeinzahlung. Eine strenge Regulierung sei daher nötig.

So bilden laut „DHS Jahrbuch Sucht 2019“ Geldspielautomaten-Spieler unter den Glücksspielenden die mit Abstand größte Gruppe in der ambulanten Suchtberatung. 

DHS fordert Maßnahmen gegen Suchterkrankungen in Deutschland

Die DHS fordert angesichts der alarmierenden Zahlen zudem erneut effektive Präventionsmaßnahmen wie Preiserhöhungen, Angebotsreduzierung und eine Beschränkung der Werbung für Alkohol. Zudem seien das Verbot der Abgabe von Alkohol an Jugendliche unter 18 Jahren und die Optimierung des Jugendschutzes notwendig. (so)

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