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Glaskunde: Das richtige Glas zum richtigen Drink

GQ-Logo GQ 09.09.2018 Mathias Ottmann

Es gibt zu fast jeder Rebsorte ein spezielles Weinglas und zu jeder Spirituose das passende Digestif-Glas. Aber wieso eigentlich? Macht es wirklich so einen großen Unterschied, aus welchem Glas ich trinke? Hier kommt der GQ Glas-Guide!

Für jeden Wein und jede Spirituose gibt es das passende Glas - zumindest wenn man den Experten glauben will. Aber braucht es das wirklich? Und welche Voraussetzungen muss ein Weinglas erfüllen, welche ein Whisky-Glas? Wir fassen zusammen:

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Brauche ich ein spezielles Glas für jeden Wein?

Kurze Antwort: Nein, aber ...

Natürlich brauchen nur echte Experten ein Glas für Syrah, ein anderes für Cabernet, ein drittes für Pinot Noir und so weiter. Aber jeder Gentleman sollte zumindest diese Grundausstattung an Weingläsern zu Hause haben: Ein bauchiges Rotweinglas, ein schlankes Weißweinglas und einen Champagnerkelch. Die Art, wie der Wein seinen Geschmack entfalten soll, hängt nämlich tatsächlich von seiner Art ab - und darauf sind die einzelnen Gläser dann ausgerichtet.

Wie uns ein Wein schmeckt, entscheidet sich zu einem großen Teil schon durch den Geruch, den wir beim Genuss wahrnehmen. Deshalb sind die speziellen Gläser vor allem darauf ausgerichtet, wie sie das Bukett des Weins, also seinen Duft transportieren.

Rotwein zum Beispiel wird normalerweise bei 14 bis 17 Grad Celsius getrunken und entfaltet ein intensives Bukett, das durch Sauerstoff noch verstärkt wird. Ein Rotweinglas sollte deshalb relativ bauchig sein, um dem Wein eine große Oberfläche zu bieten, über die sich durch die Verbindung mit Sauerstoff das Aroma entfaltet. Die Firma Riedel hat jetzt sogar Weingläser auf den Markt gebracht, die an der Innenseite gewellt sind, um die Oberfläche noch zu vergrößern. Das Ergebnis sieht irgendwie lustig aus, verstärkt aber tatsächlich noch einmal das Bukett des Weins.

Weißwein dagegen wird kalt getrunken (6 bis 10 Grad, je nach Rebsorte), weshalb er kein so intensives Bukett entwickelt. Dafür ist das Glas schmaler - wenn man den Wein schwenkt, sammeln sich die Aromen im Glashals und werden stärker wahrgenommen.

Champagner oder anderen Schaumwein trinkt man bevorzugt aus Flöten oder Kelchen. Bei diesen Gläsern ist die Oberfläche, an der der Wein mit Sauerstoff in Verbindung kommt, möglichst klein - so verflüchtigt sich die Kohlensäure nicht so schnell und der Champagner bleibt länger frisch. Champagnergläser werden im Gegensatz zu anderen Weingläsern zu etwa 3/4 gefüllt, was auch der Kohlensäure geschuldet ist. Denn so kann man die Perlage im Glas besser sehen - je feiner sie ist, desto höher die Qualität des Schaumweins. Die gute alte Champagnerschale hat als einzigen Vorteil, dass man sie zu einer Pyramide stapeln kann - sonst gibt es keinen Grund, noch auf die breiten Gläser zurückzugreifen.

Wie viele verschiedene Gläser brauche ich wirklich? © Riedel Wie viele verschiedene Gläser brauche ich wirklich?

Was macht ein gutes Glas aus?

Ein gutes Glas unterstützt den Geschmack und den Duft des Getränks, das es enthält - und sieht im besten Fall auch noch toll aus. Gute Weingläser sind leicht, bestehen aus dünnem Glas und sind absolut farbneutral. Denn um einen Wein beurteilen zu können, ist es auch wichtig, seien Farbe unverfälscht zu sehen. Ein mundgeblasenes Glas ist in der Regel deutlich feiner und dünner als ein maschinell produziertes - aber auch entsprechend teuer. Bei Firmen wie Riedel oder Schott-Zwiesel gibt es aber auch maschinell gefertigte Gläser in einer hervorragenden Qualität.

Woraus trinke ich meinen Digestif?

Auch hier hängt vieles von der Spirituose ab - es kommt aber auch besonders auf den persönlichen Geschmack an. Viele schwören beim Whisky-Genuss auf einen Tumbler, während die meisten Experten inzwischen auf ein Nosing-Glas setzen. Dieses hat den Vorteil, dass man die Farbe des Whisky besser beurteilen kann, weil das Glas feiner und dünner ist. Das Bukett sammelt sich im Glas, durch die relativ schmale Öffnung kommt der Whisky aber nicht mit zu viel Sauerstoff in Verbindung und bleibt dezenter als im Tumbler.

Auch beim Cognac geht der Trend seit einigen Jahren weg vom klassischen Schwenker, hin zu einem schmaleren Glas mit weniger Oberfläche. Wichtig ist hier in beiden Fällen ein dünnes Glas, so dass der Cognac mit der Hand gewärmt wird und ein intensiveres Aroma entfaltet.

Obstbrände, Trester und Grappa werden am besten aus Stielgläsern mit einem kugeligen Bauch und schmalem Kelch getrunken. Hier hat die Spirituose eine verhältnismäßige Oberfläche, durch den schmalen Kelch gelangen aber hauptsächlich die Fruchtaromen nach außen, die Alkoholdämpfe bleiben im Glas.

Ganz wichtig: Die Qualität des Digestif muss stimmen. Wenn der Schnaps nicht hochwertig ist, kann auch das beste Glas nichts mehr ausrichten, oder macht den Genuss sogar noch unerfreulicher, weil er die Mängel deutlicher in den Vordergrund rückt.

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