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Finanzen für Frauen: 6 einfache Tipps zum Geld sparen, Rente und Investieren

ELLE-Logo ELLE 01.08.2020 Judith Fischer
Finanzen für Frauen: finanzielle Unabhängkeit iStock © iStock Finanzen für Frauen: finanzielle Unabhängkeit iStock

Finanzen werden für Frauen erfahrungsgemäß früher oder später zum Problem. Es sind vor allem Frauen, die sich mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz herumschlagen, weil sie auf den (sicheren) Job angewiesen sind. Es sind meist Frauen, die in unglücklichen Beziehungen verharren, aus Angst, es alleine finanziell nicht wuppen zu können. Und: Es sind in erster Linie Männer, die sich mit Finanzen auskennen, mehr verdienen und an der Börse investieren. Dabei sind Frauen diejenigen, für die finanzielle Unabhängigkeit am wichtigsten ist – auch in Hinblick auf Rente und Co.

Frauen und Finanzen: Darum ist finanzielle Unabhängigkeit so wichtig

Freiheit bedeutet Unabhängigkeit, auch finanziell. Mit dem eigenen Geld und einer soliden Altersvorsorge kann man viel freier Entscheidungen treffen. Dass wir Frauen ihr Geld überhaupt selbst in die Hand nehmen dürfen, ist ein feministischer Meilenstein: Erst seit 1962 dürfen Frauen in Deutschland ein eigenes Bankkonto eröffnen, ohne ihren Gatten um Erlaubnis zu bitten.

Was hält uns also heute noch davon ab, die Finanzwelt zu erobern? Vor allem zwei Dinge: fehlendes Selbstbewusstsein und fehlendes Wissen. „Es gibt einen Gender-Gap bei finanzieller Bildung“, sagt Antonia Grohmann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. In einer Umfrage des Portals Weltsparen.de gaben zwei Drittel der Frauen zu, dass sie kaum Finanzwissen haben. Rund 60 Prozent von ihnen überlassen deshalb dem Mann die Finanzentscheidungen.

Schluss damit! Dieser Artikel hilft dabei, endlich den Durchblick und einen ersten Einblick ins Thema Finanzen zu bekommen – und richtig zu sparen, um mit dem angehäuften Geld die Zukunft selbst zu gestalten.

Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit – 6 Tipps

1. Karten auf den Tisch: über Geld sprechen!

„Über Geld spricht man nicht“, lautet ein ungeschriebenes Gesetz in Deutschland. Vor allem als Frau, heißt es in dem stummen Nebensatz. Wir sind lieber bescheiden, wollen die anderen schließlich nicht neidisch machen. Dabei sollten wir doch eigentlich all die Frauen unter uns feiern, die monatlich richtig viel Geld verdienen, die unabhängig sind und vielleicht heute schon an morgen denken!

Nur wenn wir also dieses bescheuerte Tabu brechen, können wir unsere eigene Arbeit reflektieren. Dieser Vergleich tut vielleicht auch manchmal weh, aber er ist der Antrieb, um aufzustehen und den Mund aufzumachen. Wir können nur dann unseren Wert einschätzen, wenn wir wissen, wie Vergleichsgehälter aussehen. Am besten tauscht man sich dazu anonym über Portale wie Kununu oder Glassdoor aus.

2. Her mit der Kohle: das Gehalt verhandeln

Die Feministin Simone de Beauvoir hatte schon vor 70 Jahren mit vielem recht und so auch hiermit: „Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen: Sie bekommen nichts.“ Der bereinigte Gender Pay Gap liegt aktuell bei sechs Prozent, das heißt, Frauen bekommen für die exakt gleiche Arbeit sechs Prozent weniger als Männer. Klingt erst einmal nicht viel, aber dieses Rechenbeispiel ist eindeutig: Sagen wir, man ist 35 und hat ein deutsches Durchschnittsgehalt. Dann gehen einem nur wegen dieser kleinen Ungerechtigkeit von sechs Prozent bis zur Rente unglaubliche 90.000 Euro (!) durch die Lappen.

Der Gender Pay Gap hat viele Ursachen, aber eine davon ist, dass Männer ihre Gehälter besser verhandeln. So setzen Frauen schon bei Vorstellungsgesprächen ihr Gehalt oft zu gering an. Und hat man sich erst mal unter Wert verkauft, findet man sich damit irgendwann ab. Wann hat man sich das letzte Mal für sein Einkommen stark gemacht? Wer darauf wartet, dass sein*e Chef*in auf einen zukommt, seine tolle Leistung lobt und einen mit einer dicken Gehaltserhöhung belohnt, wird ewig warten. Denn warum sollte jemand einem mehr zahlen, als derjenige verlangt? Klar, Gehaltsverhandlungen sind unangenehm. Aber sie sind notwendig, denn verzichtet man darauf, verliert man Geld. Jeden Tag. Und in der Zukunft: Wer mehr Geld einnimmt, legt eben auch mehr Geld für die Rente beiseite.

3. Finanzcheck: einen Überblick verschaffen

Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig? Man wird es nur erfahren, wenn man sich einmal die Mühe macht und alle Ausgaben akribisch auflistet: 2,50 Euro für den Cappuccino. 7 Euro für die Zigaretten, 2,40 Euro für die Bahnfahrt, 600 Euro Miete … Das Zauberwort lautet: Haushaltsbuch. So erhält man einen Überblick und sieht schwarz auf weiß, was einen wirklich vom Sparen abhält. Das Haushaltsbuch ist also die Basis für den Weg in die finanzielle Unabhängigkeit.

Dafür sollte man sich seinen Kontoauszug genauer anschauen: Nutzt man die ganzen Abos für Zeitungen, Streamingdienste und Fitnessstudios überhaupt?  Für Telefonverträge kann man sich neue Angebote einholen. Wechseln ist oft günstiger. Das gilt auch für Versicherungen: Frauen haben ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und es gibt ganze Branchen, die das ausnutzen. Wichtig sind eine Haftpflichtversicherung und eine Versicherung für Berufsunfähigkeit. Viele andere Versicherungen ziehen einem dagegen nur das Geld aus der Tasche. Kurzum: Aufräumen à la Marie Kondo – aber diesmal bei deinen Ausgaben!

4. Der Notgroschen: Anlegen eines „Fuck-off-Funds“

Unverzichtbar für ein selbstbestimmtes Leben ist ein Notfallkonto. Die amerikanische Journalistin Paulette Perhach nennt es „Fuck-off-Fund“. Auf diesem Konto sollte immer so viel Geld sein, dass man sechs Monate lang davon leben kann und nicht auf die Hilfe anderer angewiesen bist. Dieses Konto ist allein für einen selbst da und zwar immer dann, wenn sich die berufliche oder private Situation ändert, wenn unvorhergesehene Ausgaben anstehen oder wenn man einfach Lust auf Urlaub hat. Perhach nennt das „finanzielle Selbstverteidigung“.

Am besten eignet sich dafür ein digitales Tagesgeldkonto, auf das man nicht mit einer EC-Karte zugreifen kann. Alle täglichen notwendigen Kosten (Miete, Einkäufe, etc.) und Einnahmen laufen nach wie vor über das Girokonto. Aber am besten überweist man gleich am Anfang des Monats einen Teil des Gehalts auf das Fuck-off-Konto. Dann ist es erst mal „in Sicherheit gebracht“.

5. Rente: Wie wird man eine alte, reiche Lady?

Klar, bis zur Rente ist es noch ewig und wer weiß schon, was dann überhaupt Sache ist. Aber trotzdem sollte man sich jetzt mit diesem Thema beschäftigen. Frauen bekommen etwa halb so viel Rente wie Männer! Der sogenannte Renten Gap, also die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern über 65 Jahren, liegt im bundesweiten Durchschnitt bei 53 (!) Prozent. Wenn es um Rentengleichheit geht, landen wir im EU-Vergleich auf dem letzten Platz.

An alldem muss die Politik dringend etwas ändern – wir selbst aber auch. Denn wie viel Rente wir irgendwann einmal bekommen, hängt natürlich davon ab, wieviel wir im Laufe unseres Lebens einzahlen. 75 Prozent der Frauen zwischen 35 und 50 Jahren droht später die Altersarmut. Wenn man das für sich verhindern will, sollte man seine Rentenvorsorge lieber selbst in die Hand nehmen. Wie? Indem man langfristig Geld investiert!

6. Investieren – und das Geld für einen arbeiten lassen!

Ein Notgroschen ist angelegt und das Sparen klappt auch super. Das Problem ist nur: Auf dem Girokonto wird das Geld nicht mehr – sondern weniger! Mit 10.000 Euro auf dem unverzinsten Girokonto kann man in sieben Jahren nur noch Waren im Wert von 9.000 Euro kaufen. Den Rest frisst die Inflation (zwei Prozent pro Jahr). Man vernichtet also Geld! Wer das verhindern will, kommt an Aktien nicht vorbei.

Frauen haben ein natürliches Talent für Aktien: Analysen zeigen immer wieder, dass Frauen höhere Anlageerträge erzielen als Männer. „Frauen sind die besseren Anleger“, ist auch Finanzprofessor Theodoro Cocca von der Uni Linz überzeugt. Männer überschätzen sich öfter und handeln Aktien häufiger als Frauen. Das Hin und Her macht aber die Taschen leer.

Frauen hingegen denken langfristiger, handeln konservativer – und verkaufen schneller. Aber Frauen haben auch mehr Hemmungen, an den Finanzmärkten überhaupt aktiv zu werden. Nur zwölf Prozent der Frauen, die sparen, besitzen Aktien, hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband herausgefunden. Bei Männern ist der Anteil doppelt so hoch, nämlich 24 Prozent.

Dabei ist es ganz einfach, an der Börse zu investieren: Man muss nur in viele große Unternehmen aus den Industrienationen investieren – und damit das Risiko auf viele Schultern verteilen. Einen Topf mit vielen solcher Unternehmen nennt man Fond. Für Einsteiger eignen sich sogenannte Indexfonds oder ETFs. Je nachdem, was einem wichtig ist, kann man zum Beispiel einen Fond für erneuerbare Energien oder vegane Unternehmen kaufen.

Jeder Fond hat eine Nummer, die sogenannte ISIN. Wenn man die kennt, kann man ihn kaufen. Und wo? Dafür braucht man ein günstiges Depot, also ein Konto für Wertpapiere, zum Beispiel bei einer Onlinebank. Mit ein paar Klicks ist das erledigt. Und einmal gut angelegt, muss man nicht mehr viel tun. Der Trick ist, das Geld lange liegen zu lassen. So zehn bis 15 Jahre.

Damit man den Zinseszinseffekt bestmöglich auszunutzen kann, sollte man so früh wie möglich mit dem Investieren beginnen. Je später man anfängt, desto kürzer ist die Laufzeit. Hier noch ein kleines Rechenbeispiel zur Motivation: Bei einer Verzinsung von sieben Prozent würde sich das Vermögen durch Zinsen und Zinseszinsen in zehn Jahren verdoppeln.

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