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Gaultier: Der Tabubrecher hatte immer "nur Glück"

KURIER-Logo KURIER 21.04.2017 mich

Der Stardesigner erklärt ganz offen, dass er einfach nur Glück hatte was seine Karriere angeht.

Gaultier 2016 © APA/AFP/BERTRAND GUAY Gaultier 2016

Wer Männer in Röcke steckt und Popsängerin Madonna in ein Korsett mit Spitzkegel-BH, ist anders als andere Designer. Darauf ist Jean Paul Gaultier auch stolz. Und so macht der französische Couturier, der am Montag (24. April) 65 Jahre alt wird, mit dem weiter, was seit mehr als 40 Jahren seine Karriere bestimmt: Konventionen brechen.

Er habe schon früh verstanden, dass die Menschen auf sein Anderssein nicht unbedingt mit Ablehnung reagieren, sagte der Modemacher in einem Interview des Magazins "Madame Figaro". Dass man ihn deshalb das "Enfant terrible" der Modewelt nennt, störe ihn nicht. "Ich finde diesen Ausdruck eher sympathisch."

Er regt gerne auf

Zur seinen bekanntesten Launen gehören Tutus für Männer und Plateauschuhe für Milla Jovovich im Science-Fiction-Film "Das fünfte Element", für den Gaultier die Schauspielerin in ein Minimaloutfit steckte, das nur aus einer weißen Unterhose und einigen Streifen bestand. Er zeigte zudem eine Tattoo-Kollektion zu einer Zeit, in der tätowierte Haut auf dem Laufsteg noch verpönt war. Gaultier hat Tabus gebrochen und die französische Modewelt auf den Kopf gestellt. Mit seinen exzentrischen Kreationen hinterfragt er den Begriff von Schönheit.

Er habe schon immer eine Vorliebe gehabt, Dinge zu verwandeln, von einer Stimmung zur anderen zu wechseln, von männlich zu weiblich, erzählte er in dem Interview. Dazu gehörte auch seine Arbeit für Hermes. Für das berühmte Modehaus entwarf er neben seiner eigenen Kollektion von 2004 bis 2011 die Pret-a-porter-Damenlinie. Das Luxushaus sei im Grunde der genaue Gegensatz zu dem gewesen, was er war und ist - aber es habe ihm Spaß gemacht.

Aus einer einfachen Familie

Gaultier stammt aus einer einfachen Familie. Geboren wurde er in Bagneux, einem Vorort südlich von Paris. Die Mutter war Sekretärin, der Vater Buchhalter. In der Schule soll er nicht besonders gut gewesen sein. Seine Anekdote, wie er zum Zeichnen und zur Mode fand, erzählt er noch heute gern. Sie beginnt mit einer neuen Tanzschau des Pariser Kabaretts Folies Bergere, die er im Fernsehen anschauen durfte und die ihn so sehr beeindruckte, dass er am nächsten Tag in der Schule eine Frau mit Federn malte. Als die Lehrerin das sah, schlug sie ihm auf die Finger. Doch statt ihn auszulachen, kamen die Mitschüler danach zu ihm und wollten eine Zeichnung.

Wer ihn entdeckte

Der berühmte Modezar ist Autodidakt. Schon damals ging er unkonventionelle Wege. Kaum 18 Jahre alt, schickte er den berühmtesten Modeschöpfern in Paris seine Skizzen zu. Der legendäre Pierre Cardin erkannte als erster sein Talent und engagierte ihn im Jahr 1970 als Assistent. Dann verlief alles wie im Märchen: Als 24-Jähriger stellte Gaultier seine eigene Linie vor und 1978, nur zwei Jahre später, gründete er sein nach ihm benanntes Modehaus.

Alles zugefallen: Nur Glück gehabt

Heute hat Jean Paul Gaultier alles erreicht, was man auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten erreichen kann. Seine Haute-Couture-Kollektionen haben Modegeschichte geschrieben, im Parfumsegment brachte er einen Klassiker nach dem anderen auf den Markt. Seine Mode wird nicht nur getragen, sondern auch weltweit in Museen ausgestellt. Seine Ausstellung "From the Sidewalk to the Catwalk" war u.a. in Paris, Montreal und San Francisco zu sehen.

Gaultier strömt bei allem was er tut Optimismus und gute Laune aus. Er habe immer viel Glück gehabt, erklärte er in mehreren Interviews seinen Frohsinn. Alles sei ihm zugefallen. Pläne mache er deshalb keine.

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