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CARE: Gaza durch Isolation zu "großem Gefängnis" geworden

APA-LogoAPA vor 6 Tagen rop
Die Lage im Gaza wird immer verzweifelter © APA (AFP) Die Lage im Gaza wird immer verzweifelter

Laut CARE-Landesdirektorin für Gaza und das Westjordanland, Salam Kanaan, ist die Politik der geschlossenen Grenzen der Hauptgrund für die Not im Gazastreifen. "Durch die Isolation ist Gaza zu einem großen Gefängnis geworden", sagte sie am Mittwoch im APA-Interview in Wien. Die grundlegende Versorgung sei darum nicht gewährleistet. Eine Verbesserung der Lage sehe sie nicht.

Der Gazastreifen im Süden Israels sei eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. "Auf einer Fläche von 480 Quadratkilometern leben rund zwei Millionen Menschen", so die Vertreterin der Hilfsorganisation. Die Menschen könnten die Region lediglich über zwei Grenzübergänge verlassen, die nur fallweise geöffnet sind.

"Wir haben rund acht Stunden Elektrizität am Tag", sagte Kanaan. Da der Strom aus Israel stamme, sei Gaza dem Nachbarn ausgeliefert. "Wenn Israel will, wird zu bestimmten Tageszeiten Strom geliefert, aber die Menschen in Gaza haben keine Kontrolle über die Ressourcen oder die Grenzen", berichtete sie. Dies betreffe auch die Versorgung mit Wasser und Baumaterial. "Wenn die Grenzen offen wären und Baustoffe, Düngemittel, Pestizide, Medikamente und Ähnliches nach Gaza geschafft werden könnten, würden die Menschen sehr profitieren", gab sie zu bedenken. Besonders Kinder, Kranke und Alte litten unter dieser Situation.

"80 Prozent der Menschen in Gaza sind Flüchtlinge, die in Lagern leben", erklärte Kanaan. 47 Prozent der Bewohner der Palästinensergebiete seien unter 18 Jahre alt, die Armutsquote liege bei rund 40 Prozent, 70 Prozent der jungen Männer und 78 Prozent der jungen Frauen seien arbeitslos. "Die Ressourcen und die finanziellen Mittel sind sehr knapp und die Situation ist für alle schwer", fuhr sie fort. Es gebe aber einen "sehr starken sozialen Zusammenhalt" unter den Palästinensern. "Sie helfen sich mit ihren wenigen Mitteln gegenseitig, so gut sie können", so die Landesdirektorin.


"Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds meinen, dass Gaza in zwei Jahren unbewohnbar sein wird, da das Wasser sehr verschmutzt ist und es keine Bewegungsfreiheit gibt", sagte Kanaan. "Ich glaube, dass man das aufhalten kann, wenn man die Beschränkungen für die Menschen in Gaza aufhebt und ihnen gestattet, den öffentlichen Dienst zu normalisieren", sagte sie. Dafür brauche es eine politische Lösung.

CARE sei seit rund 70 Jahren in den Palästinensergebieten aktiv. "Wir konzentrieren uns darauf, die Allgemeinheit widerstandsfähiger zu machen und bilden sie aus, sodass sie ein halbwegs normales Leben führen können", sagte die Landeschefin. Dies gebe auch Hoffnung. Die NGO unterstütze die Ausbildung und Rechte der Frauen in Gaza und fördere kleine und mittlere Unternehmen. "Wir versuchen auch den Menschen zu helfen, sich selbst zu helfen - ungeachtet des Konflikts zwischen Hamas und Fatah sowie des israelisch-palästinensischen Konflikts", berichtete sie.

"Wir bieten auch humanitäre Hilfe", fuhr Kanaan fort. Vor allem im Gesundheitswesen sei CARE in den Notsituationen der letzten 20 Jahre zur Stelle gewesen. "Wir haben Schulen zu Kliniken für die Binnenflüchtlinge umgebaut und mit unseren Partnern dringend benötigte Gesundheitsservices zur Verfügung gestellt", erläuterte sie. Die Isolation des Gazastreifens sei diesbezüglich besonders herausfordernd: "Wenn wir nach Gaza gehen wollen, um dort zu helfen, brauchen wir Genehmigungen", erklärte die Aktivistin. Diese von den israelischen Behörden zu bekommen, dauere mehrere Wochen. "Bei akuten Notfällen können wir also keine rasche Hilfe anbieten", sagte sie.

Da 80 Prozent der Menschen in Palästina Flüchtlinge seien, sei die Arbeit des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) besonders wichtig. Die Organisation leide aber sehr darunter, dass die USA die rund 300 Millionen Dollar schwere Unterstützung eingestellt habe. "Die Zukunft von UNRWA ist ungewiss. Falls die Organisation zerfallen sollte, hätte das schlimme Folgen für die Flüchtlinge vor Ort", betonte Kanaan. UNRWA habe das Defizit dieses Jahr durch Spenden ausgleichen können, sodass Schulen und Gesundheitszentren ihre Arbeit fortsetzen könnten. Die Zukunft sei dennoch ungewiss. "Das betrifft nicht nur Gaza, sondern alle Regionen, in denen UNRWA arbeitet, wie Libanon und Syrien. Millionen Menschen, darunter viele Kinder, brauchen den Zugang zur medizinischen Versorgung", appellierte sie.

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