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Warnung vor Angriffen auf Gotteshäuser in Sri Lanka

APA-LogoAPA 26.04.2019 rst
Bei den Anschlägen starben insgesamt 253 Menschen © APA (AFP) Bei den Anschlägen starben insgesamt 253 Menschen

Nach den Attentaten am Ostersonntag gibt es in Sri Lanka neue Warnungen vor möglichen Angriffen auf Gotteshäuser. Die Polizei teilte am Freitag auf Twitter mit, dass Islamisten Geheimdienstinformationen zufolge Moscheen der Sufisten angreifen wollten, und erhöhten die Sicherheitsvorkehrungen. Muslimische und christliche Gläubige wurden dazu angehalten, am Freitag Moscheen und Kirchen zu meiden.

Sri Lankas Minister für muslimische Angelegenheiten, Abdul Haleem, rief die Muslime des Inselstaates auf, nicht zu Freitagsgebeten zu gehen - als Geste der Solidarität mit den Christen, deren Kirchen seit den Anschlägen geschlossen bleiben. Geistliche beider Konfessionen argumentierten zudem, die Gefahr von Racheakten sei zu groß.

Auch die US-Botschaft in Sri Lanka warnte vor möglichen weiteren Anschlägen auf Gotteshäuser. Diese sollten von Freitag bis Sonntag gemieden werden, twitterte die Botschaft am Donnerstag unter Berufung auf die srilankischen Behörden. "Bleiben Sie weiter wachsam und meiden Sie größere Menschenmengen", hieß es.

Der Polizeichef des Landes legte unterdessen seinen Posten nieder. Pujith Jayasundara habe angesichts von Fehlleistungen im Vorfeld der Anschläge vom Ostersonntag beim amtierenden Verteidigungsminister seinen Rücktritt eingereicht, sagte Staatschef Maithripala Sirisena und kündigte die baldige Ernennung eines neuen Polizeichefs an.

Nach neuen Zahlen der Behörden wurden bei den Anschlägen vom Ostersonntag deutlich weniger Menschen getötet als bisher angegeben. Das Gesundheitsministerium korrigierte die Zahl der Todesopfer auf nun 253 nach unten - zuvor war von 359 Toten die Rede gewesen. Der Generaldirektor der Gesundheitsdienste, Anil Jayasinghe, teilte am Donnerstagabend mit, die genaue Zahl sei unklar, weil die Körper extrem verstümmelt worden seien. Auch die Zahl der Verletzten korrigierte er von früher 485 auf 149 nach unten.

Nach Angaben des srilankischen Außenministeriums vom Donnerstagabend waren 40 Ausländer unter den Todesopfern, 14 wurden demnach noch vermisst. Österreicher kamen nach den bisherigen Angaben nicht zu Schaden.

Die Polizei gab außerdem an, Verhöre von festgenommenen Verdächtigen hätten ergeben, dass die Attentäter im Ausland Waffentraining erhalten und zum körperlichen Training Fußball gespielt hätten, hieß es. Unter den Festgenommenen seien der zweite Befehlshaber der einheimischen Terrorgruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ), die für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, sowie der Bombenbauer. Der mutmaßliche Drahtzieher Zahran Hashim sei am Ostersonntag in einem der Hotels gestorben.

Nach Behördenangaben vom Donnerstag befanden sich 76 Verdächtige in Gewahrsam. Die Regierung warnte aber, dass sich noch Verdächtige auf der Flucht befänden. Manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff. In einem Gespräch mit Medienvertretern sagte Staatspräsident Sirisena am Freitag, es seien zwischen 130 und 140 Menschen mit Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Sri Lanka.

Sirisena stellte zudem in Aussicht, wegen der Verbreitung falscher Informationen soziale Medien komplett zu verbieten. Bisher war der Zugang zu einigen sozialen Medien nach den Anschlägen gesperrt worden. Sirisena stellte außerdem einen Zusammenhang zwischen der Drogenmafia und den Anschlägen her. Er hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, im Kampf gegen den Drogenhandel die Todesstrafe nach mehr als 40 Jahren wieder zu vollstrecken.

Am Donnerstag veröffentlichte die Polizei Fotos und Namen von sechs Verdächtigen, die in Verbindung mit den Anschlägen gesucht würden, und bat die Bevölkerung um Hinweise. Dabei blamierten sich die Behörden mit einer weiteren Panne: Zum Namen einer Verdächtigen wurde am Donnerstag fälschlicherweise das Foto der muslimischen US-Aktivistin Amara Majeed veröffentlicht, deren Familie aus Sri Lanka stammt. Die Polizei korrigierte am Freitag ihre Angaben.

Sieben srilankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu gleichzeitig in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Ein weiterer Anschlag auf ein Fünf-Sterne-Hotel scheiterte. Einige Stunden später explodierten zwei weitere Bomben in einem kleinen Hotel und in einem Wohnhaus in Vororten Colombos. Bei der letzten Explosion tötete die Ehefrau eines der anderen Attentäter unter anderem sich, ihre zwei Kinder und drei Polizisten. Es handelte sich um die Schwiegertochter eines reichen Gewürzhändlers. Zwei seiner Söhne waren unter den Attentätern.

Der IS hatte die Selbstmordanschläge für sich reklamiert. Die Echtheit der Nachricht ließ sich nicht unabhängig überprüfen. Als Täter macht Sri Lanka eine einheimische Islamistengruppe verantwortlich, die aber Hilfe aus dem Ausland gehabt haben müsse. Nach Einschätzung der Regierung waren die Anschläge als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht, diese Einschätzung ist aber nicht unumstritten.

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