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Lehrergewerkschaft beklagt Chaos zum Schulstart

KURIER-Logo KURIER 09.10.2019 ute.bruehl

Zu wenige Lehrer, keine Zuständigkeiten: Wo die größten Baustellen in der Schulverwaltung sind.

Schulbeginn © Getty Images/iStockphoto/Ulza/IStockphoto.com Schulbeginn

"Wir haben einen Schulbeginn gehabt, der seinesgleichen sucht", sagt  Thomas Krebs, Vorsitzender des Zentralausschusses der Wiener Pflichtschullehrern an den Wiener Pflichtschulen. Krebs meint seinen Satz nicht positiv - ganz im Gegenteil. "Es gibt derzeit so viele Baustellen gleichzeitig, dass wir kaum damit gerechnet haben, dass wir den Schulstart noch irgendwie schaffen." Es sei nur der Ausdauer und der Hartnäckigkeit der Direktoren und Lehrer zu verdanken, dass nicht das totale Chaos ausgebrochen sei.

Verantwortlich für das Durcheinander seien Reformen, die nicht durchdacht und zum Teil schlecht umgesetzt worden seien. Das betreffe drei Bereiche: die Verwaltungsreform, die neue Ausbildung der Lehrer sowie das neue Dienstrecht. Schuld an dem Chaos seien die ehemaligen SP-Bildungsministerinnen Gabriele Heinisch-Hosek und Sonja Hammerschmid. Was Krebs vergisst zu sagen: Die Reformen wurden unter der großen Koalition mit Einverständnis der ÖVP beschlossen.

Keine Zuständigkeiten

Besonders zu Schulbeginn seien die bisherigen Bezirksschulinspektionen im Dauereinsatz gewesen: "Wenn im August Eltern in den Schulen waren, weil sie einen Schulplatz benötigt haben, sind sie bisher zum Inspektor gegangen. Nur: Diese Einrichtung gibt es nicht mehr, und man weiß auch nicht wohin man die Eltern schicken soll", erläutert Krebs.

Für weiteren Unmut sorgt auch die überbordende Bürokratie in der Verwaltung. "Dazu haben mir mit WISION ein Schulverwaltungsprogramm, das mehr recht als schlecht funktioniert." Krebs nennt ein Beispiel: Weil das System nicht alles abdeckt, müssen Direktoren jetzt Zettel händisch einscannen, mit eine Code versehen und dann an die Bildungsdirektion mailen, von dort geht es dann an die Schule zurück

Lehrermangel

"Besonders Volks- und Sonderschulpädagogen fehlen," beklagt Krebs. Das habe auch mit der neuen Lehrerausbildung zu tun. Volksschullehrer, die bisher vier Jahre auf der Pädagogischen Hochschule unterrichtet haben, müssen jetzt fünf Jahre studieren, dann haben sie allerdings erst denn Bachelor. Berufsbegleitend sollen diese dann noch den Master machen. "Nur logisch, dass diese Junglehrer keine Klasse als Klassenvorstand übernehmen wollen."

Die Folge: Manche Klassen stehen ohne Lehrerin da, und die Direktorin übernimmt eine ganze Klasse.

Damit nicht genug: "In der Induktionsphase, also im ersten Jahr nach dem Bachelor, müssen die Junglehrer von Mentoren betreut werden. Doch es gibt nicht genug Mentoren", stellt Krebs fest.

Nicht im Dienstrecht

Die Mentoren fehlen an anderer Stelle auch aus einem anderen Grund: Eigentlich sollen sie die Studenten während des Studiums in den schulpraktischen Einheiten begleiten. "Doch weil das Dienstrecht diese Aufgabe für die neuen Mentoren nicht definiert hat, dürfen sie diese Arbeit zwar machen, werden allerdings nicht dafür bezahlt", beklagt der Gewerkschafter. 

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