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"Wo also ist Herr Khashoggi?": Druck auf Saudi-Arabien steigt

KURIER-Logo KURIER 11.10.2018 Redaktion kurier.at

Jamal Khashoggi (59) wurde wahrscheinlich im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul ermordet.

© AP/Hasan Jamali

„Sie sagen, dass die Anschuldigungen falsch sind. Wo also ist Herr Khashoggi?“ Der britische Außenminister Jeremy Hunt forderte Saudi-Arabien am Donnerstag erneut mit Nachdruck auf, Erklärungen für das Verschwinden von Jamal Khashoggi zu liefern. Er drohte mit „gravierenden Konsequenzen“, sollte Riad dafür verantwortlich sein.

Der 59-jährige saudische Journalist Jamal Khashoggi hatte am 2. Oktober das Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul betreten. Seitdem wird der bekannte Regimekritiker vermisst. Die türkischen Ermittler gehen davon aus, dass Khashoggi im Konsulat ermordet wurde.

Seitdem er sich vor rund einem Jahr mit Kronprinz bin Salman überworfen hatte, lebte Khashoggi in Amerika.Wie jetzt bekannt wurde, plante Saudi-Arabiens de facto Staatschef, Kronprinz Mohammed bin Salman, schon länger, Khashoggi nach Saudi-Arabien zu locken, um ihn dort verhaften zu lassen. US-Geheimdienste hätten entsprechende Telefongespräche von saudischen Regierungsvertretern abgehört, meldete die Washington Post

Killer-Kommando?

Jamal Khashoggi soll in den vergangenen Monaten mehrmals Schutz und hohe Posten angeboten bekommen haben, falls er in sein Heimatland zurückkehren sollte – das erzählten Freunde des Vermissten der Zeitung. Khashoggi hatte zuletzt für die Washington Post geschrieben.

Im Konsulat in Istanbul wollte Khashoggi Unterlagen abholen, die er benötigte, um seine türkische Verlobte heiraten zu können.

An dem Tag sollen 15 Männer aus Saudi-Arabien in zwei Privatjets in Istanbul gelandet sein und das Land am Abend wieder verlassen haben. Dabei soll es sich um ein Mordkommando für Khashoggi gehandelt haben, meldeten türkische Medien unter Berufung auf Regierungskreise.

Nach Bekanntwerden der Pläne des Kronprinzen kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Khashoggi anfangs nur entführt werden sollte – dabei aber etwas schief ging. Riad weist alle Vorwürfe von sich: Khashoggi habe das Konsulat nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Die Türkei beklagt eine mangelnde Kooperationsbereitschaft Saudi-Arabiens bei den Ermittlungen. Zwar habe Riad einer Durchsuchung des Konsulats durch die türkische Polizei zugestimmt, zögere diese aber nun hinaus. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erhöhte am Donnerstag den Druck und forderte die Herausgabe der Videoaufnahmen aus dem Inneren des Konsulats

Rolle der Amerikaner

US-Präsident Donald Trump forderte ebenfalls eine rasche Aufklärung des Falls. Die Affäre ist diplomatisch heikel: Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA im Nahen Osten. Beide Länder eint die Feindschaft gegenüber dem Iran. Kann aber eine Täterschaft Riads nachgewiesen werden, müssten die USA dementsprechend reagieren.

Die jüngsten Enthüllungen der Washington Post bringen auch die US-Geheimdienste in Erklärungsnot: Nach geltendem US-Recht sind die Geheimdienste verpflichtet, Menschen zu warnen, wenn sie in Gefahr sind. Da man aber nur von einer möglichen Verhaftung wusste, bestand keine Pflicht, Khashoggi zu warnen, verteidigte ein Ex-Agent die amerikanischen Nachrichtendienste gegenüber der Washington Post.

Stephan Polet

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