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Air Berlin: Es geht noch schlimmer

Die Presse-Logo Die Presse 19.05.2017 Hedi Schneid

In der offiziellen Lesart heißt das "Fortschritte beim Umbau der Air Berlin". So titelt die bankrotte zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin am Freitag auf ihrer Webseite die Bekanntgabe der endgültigen Zahlen zum ersten Quartal. Das ist in der Luftfahrt zwar traditionell schwach, aber die Zahlen der Air Berlin alarmieren: Der finanzielle Absturz hat sich nämlich ungebremst fortgesetzt. Der Nettoverlust hat sich von 182,3 auf 293,3 Millionen Euro ausgeweitet, wobei die Restrukturierungskosten nur 5,9 Millionen ausmachten.

© Bild: REUTERS

Die Airline, die noch Mutter der österreichischen Niki ist, die bekanntlich mit TUIfly  zu einem Ferienflieger fusioniert werden soll, führt das katastrophale Ergebnis auch auf externe Faktoren zurück. In Berlin hätten die Bodendienstleister gestreikt, das hätte zu Flugstreichungen und Kapazitätsreduktionen geführt. Allerdings ist in dem Zeitraum auch die Auslastung der Flugzeuge von 83,4 auf 80,6 Prozent gefallen. Das ist aber noch nicht alles: Die Schulden liegen bei rund 1,2 Milliarden Euro und das Eigenkapital hat einen negativen Rekordwert von 1,7 Milliarden Euro erreicht. 

Zehn Jahre Verluste

Damit steuert die Air Berlin auf das zehnte Verlustjahr in Folge zu - wenn sie das Jahresende denn je erreicht. Die Airline hat schon einige Chefs und entsprechend viele Sanierungspakete hinter sich - bisher erfolglos. Jetzt versucht der neue Boss Thomas Winkelmann das Steuer herumzureißen: Das Streckennetz konzentriert sich auf Flüge innerhalb Deutschlands und auf mehr Langstreckenverbindungen. Insgesamt wurde das Streckennetz von 387 auf unter 100 Strecken ausgedünnt. Die Übergabe von 38 Flugzeugen an die Lufthansa (davon fünf an die AUA)  mittels eines Leasingvertrags soll auch Erlöse bringen. Und nicht zuletzt trennt man sich von der einstigen Domäne, dem Touristik-Geschäft in "Warmwasserzielen".

Ob Winkelmann freilich noch genügend Zeit hat, die Air Berlin so neu auszurichten und zu stabilisieren, ist fraglich. Der Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi hat zwar noch einmal in die Tasche gegriffen und ein weiteres Darlehen über 350 Millionen Euro gewährt - andernfalls hätte Air Berlin gleich Insolvenz anmelden müssen. Aber das Geld dürfte schnell verbrannt sein. Ebenso wie die 300 Millionen, die Etihad praktisch als Vorkasse schon im Dezember und Jänner für die Übernahme von Niki überwies. Die Fusion Niki-TUIfly hängt freilich noch in der Luft, weil die EU-Kartellbehörden sie noch prüfen. Eine Entscheidung dürfte erst 2018 erfolgen. 

Alte Kredite wurden überdies bis April 2019 verlängert. Denn im April 2018 wird auch noch eine Unternehmensanleihe von 225 Millionen Euro fällig.

Kartellrechtliche Probleme

Aber solange dürfte das Zittern gar nicht mehr dauern, die Air Berlin braucht viel früher eine Lösung. Und die kann Experten zufolge nur in einem weiteren, neuen, Financier liegen. Ein Name wird dazu schon konkret genannt: die Lufthansa, von der übrigens Winkelmann kommt. Deren Chef Carsten Spohr hat jüngst bei einer Reise in die Golfstaaten schon konkret vorgefühlt. Zwei Knackpunkte gilt es zu lösen: die hohen Schulden, die Spohr keinesfalls mitübernehmen möchte, müssten die Scheichs stemmen. Und die kartellrechtlichen Fragen. Auch dabei soll es schon Lösungs-Szenarien geben. 

Vielleicht kann Winkelmann seine Energie für den Um- und Neubau der Air Berlin schon unter einem ihm sehr gut bekannten Eigentümer einsetzen.      

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