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Baubranche brummt weiterhin

APA-LogoAPA 12.02.2018 str
Boom bei zeitgleichem Mangel an Fachkräften © APA (dpa/Symbolbild) Boom bei zeitgleichem Mangel an Fachkräften

Die Baukonjunktur ist robust. Die Produktion hat sich 2017 im Jahresabstand - von einem ohnehin schon hohen Niveau - um weitere 5,5 Prozent auf 39,8 Mrd. Euro erhöht. "Das ist das stärkste Wachstum, das die österreichische Bauproduktion in den letzten zehn Jahren hatte", sagte Branchenexperte Dominik Otto am Montag bei der Präsentation des aktuellen Branchenradars von Kreutzer Fischer & Partner.

Der Boom - vor allem beim Wohnungsneubau - geht allerdings auch mit einem Mangel an Fachkräften einher: "Die Unternehmen finden einfach keine Leute - das ist wirklich dramatisch", sagte Andreas Kreutzer, Chef des Beratungsunternehmens Kreutzer Fischer & Partner sowie der per Jahresanfang neu gegründeten Branchenradar.com Marktanalyse GmbH.

Darunter leiden auch die Sanierungen, die im Gegensatz zum Neubau stagnieren. Die ohnehin schon knappen Ressourcen an Arbeitern und Handwerkern sind meist bereits für Neubauprojekte vergeben. Doch auch "die niedrigen Energiepreise dämmen den Handlungsdruck", Gebäude zu sanieren. 2017 stiegen die Umsatzerlöse in diesem Bereich - nicht preisbereinigt - um nur 1 Prozent auf 7,8 Mrd. Euro. "Investitionen in Haus und Heim haben in den letzten zehn Jahren an Priorität verloren - es fließt heute mehr denn je Geld in Klamotten oder ein neues Auto; die privaten Kfz-Zulassungen sind in den letzten zwei Jahren um mehr als 10 Prozent gestiegen", erklärte der Geschäftsführer des Beratungsunternehmens.

Obwohl die Baukosten 2017 um 3,5 Prozent sehr deutlich zugelegt haben - in den Jahren davor waren sie jeweils nur zwischen 1 und 1,5 Prozent gewachsen -, blieben die Preise mit einem Plus von 2,9 Prozent im Schnitt der vorangegangenen Jahre. Verteuert hätten sich vor allem Stahl und alle Produkte auf Erdölbasis, also Kunststoffe. Die Löhne stiegen hingegen um nur 1,1 Prozent.

"Dem Bau ist eine Produktivitätssteigerung gelungen", konstatierte Kreutzer. Denn trotz höherer Bauleistung sank die Zahl der Beschäftigten in der Branche im abgelaufenen Jahr um 2,4 Prozent auf 342.000 (im Jahresdurchschnitt). Gleichzeitig kletterte die Zahl der offenen Stellen um 52,9 Prozent auf 3.781. Dazu führten laut "Branchenradar" zum einen ein spürbarer Facharbeitermangel sowie signifikante Anteilsgewinne des Neubausektors. "Wir haben einen definitiven Fachkräftemangel", betonte Kreutzer.

Zehn Berufsgruppen auf der Mangelberufsliste des Sozialministeriums gehörten im Oktober 2017 zur Baubranche. Es fehlt unter anderem akut an Zimmerern, Dachdeckern, Spenglern, Elektroinstallateuren, Schlossern, Tischlern sowie Boden- und Fliesenlegern. Große Konzerne behelfen sich den Angaben zufolge mit der Rekrutierung von Arbeitern aus dem Ausland via Ausnutzung der EU-Entsenderichtlinie. Bei kleineren Bauunternehmen hingegen gebe es derartige Entsendungen so gut wie gar nicht.

Die Erlöse im Wohnungsneubau zogen 2017 gegenüber dem Jahr davor um 9 Prozent auf 10,3 Mrd. Euro an. In Österreich wurde die Errichtung von 54.200 Wohneinheiten begonnen. Besonders massiv waren die Zuwächse im Geschoßwohnbau, speziell bei Mietwohnungen (plus 16,3 Prozent auf 3,8 Mrd. Euro), da in den vergangenen Jahren die Baubeginne kontinuierlich stiegen - 2017 um 14 Prozent. Treiber waren die steigende Anzahl von Haushalten (plus 1,1 Prozent) - pro Haushalt leben immer weniger Menschen- , sowie der Zuzug.

4,7 Mrd. Euro, also 45 Prozent der Investitionen, flossen im vergangenen Jahr in Eigenheime. Weitere 1,8 Mrd. Euro (plus 10,8 Prozent) wurden für den Bau von Eigentumswohnungen aufgewendet. "Mehr als die Hälfte davon werden direkt für die Fremdvermietung errichtet, nicht für die Eigennutzung", merkte Kreutzer an.

Die Wohnbaubewilligungen im Neubau erreichten 2017 jedenfalls mit über 61.430 (plus 13,3 Prozent) einen "absoluten Rekordwert" - seit 25 Jahren gab es den Angaben zufolge nicht mehr so viele. Allein in Wien gab es einen Zuwachs von 27 Prozent auf rund 20.000 Bewilligungen. Wenn sich dieses Volumen in den kommenden Jahren fortsetzte, "dann kommen die Mietpreise unter Druck", so Kreutzer. Ein steigender Leerstand sei "ein besserer Faktor als jede 'Mietpreisbremse'". "Wenn man will, dass sich die Mieten stabilisieren, dann muss man bauen."

Die Wohnbaubewilligungen von 2017 sind die Baubeginne der Zukunft. Für den Wohnungsneubau seien die Aussichten demnach auch 2018 "vielversprechend". Die Branchenexperten erwarten weiterhin "ein robustes Wachstum". Bei der Bauproduktion sei voraussichtlich nochmals ein Anstieg von 5,8 Prozent drin. "2019 flacht das Ganze etwas ab - aber auf hohem Niveau", erwartet Otto. "Man muss aber immer noch von einem Boom sprechen."

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