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Siebente Masern-Erkrankung: Keine Entwarnung in Kärnten

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Weltweit soll die Anzahl der Masern-Erkrankungen um 300 Prozent zugelegt haben.

© APA/dpa/Lukas Schulze / Lukas Schulze

Ein am Montag neu bekannt gewordener Masern-Verdachtsfall in Kärnten hat sich bestätigt. Damit gibt es in Kärnten nun sieben laborbestätigte Erkrankungsfälle. Dazu kommen zwei Verdachtsfälle, deren Testergebnisse zunächst noch ausständig waren.

Bereits in der Vorwoche sorgten Masernerkrankungen in Kärnten und Vorarlberg für Aufregung. In der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt wurde deshalb sogar der öffentliche Busverkehr stundenlang eingestellt, ein Gymnasium wurde vorübergehend geschlossen. In Vorarlberg musste eine Volksschule geschlossen bleiben.

Ministerium weiter gegen Impfpflicht

Die Betroffenen waren nicht geimpft oder hatten nur eine der beiden nötigen Teilimpfungen. Das lässt Mediziner erneut nach einer Impfpflicht rufen: Das Österreichische Hebammengremium etwa unterstützt die Forderung nach einer Impfpflicht für alle Menschen, die in Gesundheitsberufen tätig sind. Eine generelle Impfpflicht für alle im Österreichischen Impfplan empfohlenen Impfungen, wie sie die Ärztekammer fordert, kann sich das Hebammengremium ebenfalls vorstellen.

Das Gesundheitsministerium lehnt eine allgemeine Impfpflicht allerdings ab und verweist auf die Eigenverantwortung: "Natürlich hat der Einzelne eine moralische Verpflichtung und Verantwortung, zum Wohl der Gesamtbevölkerung beizutragen", hieß es auf KURIER-Anfrage. Zukünftig solle laut Ministerium der elektronische Impfpass eine wichtigere Rolle spielen: "Er soll jeder Bürgerin und jedem Bürger die Möglichkeit geben, den eigenen Impfstatus jederzeit und ortsunabhängig prüfen zu können und an fehlende Impfungen erinnert zu werden".

In Kärnten herrscht große Nachfrage nach der Masern-Schutzimpfung. © APA/dpa/Marius Becker / Marius Becker In Kärnten herrscht große Nachfrage nach der Masern-Schutzimpfung.

Ansturm auf Impfungen

Der Ansturm auf die Impfungen am Gesundheitsamt Klagenfurt ist seit Tagen ungebrochen. Laut Leiterin Birgit Trattler wurden seit Bekanntwerden der Masernfälle in der vergangenen Woche allein in Klagenfurt 1.050 Masern-Mumps-Röteln-Impfungen (MMR) ausgegeben. „Zum Vergleich: Im gesamten April 2018 waren es 38“, sagt Trattler.

Aber schon vor einigen Wochen hatte es in Klagenfurt eine erhöhte Nachfrage nach der Masernimpfung gegeben, „der Grund waren die Masernfälle in der Steiermark“. Am Montag erweiterte das Gesundheitsamt Klagenfurt seine Impfzeiten auf 8 Uhr bis 12 und 14 bis 17 Uhr, zudem ist die Hotline der Landessanitätsdirektion zwischen 8 Uhr und 16.30 Uhr unter der Telefonnummer 050 536 15102 für die Bevölkerung erreichbar.

   

21 Tage Inkubationszeit

Es könnten aktuell auch Leute betroffen sein, die noch gar nicht wissen, dass sie sich infiziert haben: „Am häufigsten brechen Masern nach acht bis zwölf Tagen aus, die maximale Inkubationszeit beträgt 21 Tage“, sagt Trattler. Während dieser Zeit hat man auch keine Symptome. Diese sind Kopfschmerzen, hohes Fieber, Schnupfen und nach einigen Tagen auch der typische Hautausschlag.

Trattler erläutert: „Ab dem Zeitpunkt, ab dem der Ausschlag auftritt, kann man fünf Tage zurückrechnen - ab diesem Zeitpunkt war ein Patient infektiös.“ Der Klagenfurter Busfahrer, dessen Erkrankung am vergangenen Mittwoch zur vorübergehenden Einstellung des Busverkehrs geführt hatte, sei am 1. und 2. April infektiös gewesen.

Ist man geimpft, hat man nicht nur die besten Chancen, nicht an Masern zu erkranken - man kann die Krankheit auch nicht übertragen. Ein frisch Geimpfter sei ebenfalls nicht ansteckend, versichert Trattler: „Im Impfstoff sind zwar Lebendkeime, sie sind allerdings sehr abgeschwächt."

Das absichtliche Anstecken von Kindern auf sogenannten "Masern-Partys", um eine Infektion der Impfung vorzuziehen, ist in Österreich übrigens nach dem Paragraf 178 des Strafgesetzbuches verboten. Darauf stehen bis zu drei Jahre Haft.

© Getty Images/iStockphoto / South_agency/iStockphoto

Anstieg um 300 Prozent

Die Weltgesundheitsorganisation ( WHO) warnt derzeit vor erhöhter Masernaktivität. In Europa wurden bis Dezember 2018 fast 60.000 Masernfälle und mindestens 64 Todesfälle registriert. Laut Focus teilte die WHO am Montag in Genf mit, dass im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2019 die Anzahl der Masernfälle weltweit um 300 Prozent gestiegen seien. Es seien mehr als 112.000 Infektionen in 170 Ländern gemeldet worden. Ein Jahr zuvor seien es gut 28.000 Fälle in 163 Ländern gewesen. Es handele sich um vorläufige und unvollständige Daten, aber es sei "eine eindeutige Entwicklung erkennbar", erklärte die WHO.

In Österreich gab es im Vorjahr 77 Masernfälle. In den ersten dreieinhalb Monaten dieses Jahres wurden bereits 64 Masernfälle gemeldet.

Deutschland: Regeln für Masern-Impfpflicht

In Deutschland hingegen werden die Pläne für eine Masern-Impfpflicht immer konkreter. Anfang Mai wird dazu ein Vorschlag des zuständigen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) erwartet. Spahn hat sich für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder in Kindertagesstätten sowie Schulen ausgesprochen. Auch die SPD plädiert dafür. CSU-Vorsitzender Markus Söder zeigt sich dagegen skeptisch.

Unter den Ländern gibt es derzeit auch keine einheitliche Position. Einige wollen den Vorschlag des Bundes abwarten. Dies würde jedenfalls eine bundeseinheitliche Lösung erleichtern.

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