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Dieser Mann ist nicht zensierbar

SZ.de-Logo SZ.de vor 4 Tagen Von Holger Gertz
© picture alliance / Jeff Mangione

Armin Wolf vom ORF gilt als einer der härtesten Interviewer Europas. Kein Wunder, dass die FPÖ nicht nur ihn, sondern auch den Sender am liebsten abschaffen würde.

Es ist immer interessant, wenn man das Personal, das man aus dem Fernsehen kennt, zum ersten Mal leibhaftig sieht. Fernsehen täuscht ja. Thomas Gottschalk zum Beispiel scheint in echt weniger blond zu sein, Vitali Klitschko sieht noch größer aus. Armin Wolf sitzt beim späten Frühstück im Wiener Stadtcafé, es gibt Heidelbeerschmarrn und eine Granatapfel-Basilikum-Limonade. Dass er harmloser rüberkommt als im Fernsehen, hat auch mit dieser Spezialität zu tun, die man mit dem Strohhalm konsumiert. Jeder ausgewachsene Mann wirkt kindlicher, sobald er einen Strohhalm zwischen die Lippen nimmt und eifrig daran saugt.

Der Armin Wolf aus dem Fernsehen ist dagegen immer derselbe Armin Wolf, seit 2002 ist er Moderator des ORF-Nachrichtenjournals "ZiB 2". Im Studio gestattet er sich nicht mal die Brille, die er im Café trägt, im Fernsehen sieht er seit fast zwanzig Jahren nahezu gleich aus, er ist 1966 geboren, wirkt aber alterslos, wenn man ihn von vorne sieht, und sogar von hinten. Man sieht ihn von hinten immer dann, wenn jemand zugeschaltet wird, dann erscheint auf dem Fernsehbild das Gesicht des Gesprächspartners groß und frontal. Am rechten Bildrand ist Wolf, der fragt und nachfragt, auf seinem Moderationstisch liegen Papiere.

Wolf war schon Wolf, als er eine eigene Schülerzeitung gründete. Es gab zwar schon eine an der Handelsakademie in Innsbruck, aber die Älteren wollten ihn nicht dabeihaben. Seine Neugründung hieß Brennessel, sie war so gut, dass die alte bald eingestellt wurde. Wolf war auch schon Wolf, als Jörg Haider noch lebte und von ihm mit den Worten: "Guten Abend, Herr Landeshauptmann" begrüßt wurde, womit der Vorrat an Freundlichkeit aufgebraucht war. Wobei Wolf für sich in Anspruch nimmt, alle gleich zu behandeln, die Türkisen, Blauen, Schwarzen, Roten, Grünen, Linken, Rechten, Mittleren.

Er ist kein Poser, die Klarheit seiner Interviews entwickelt sich aus dem, was er auf dem Zettel stehen hat

Immer ist es eine sachte Bewegung, mit der Wolf die Zettel auf dem Tisch herumschiebt, nie schleicht sich ein schriller Klang in seine Stimme. Wolf ist kein Poser, die Klarheit seiner Interviews entwickelt sich aus dem, was er recherchiert hat; also aus dem, was auf den Zetteln steht.

Sie wissen alles über Ihre Gäste, oder?

Wolf sagt im Kaffeehaus: "Ich weiß natürlich nicht alles, aber ich versuche, wenn der Studiogast kommt, möglichst alles zu wissen, was er in den letzten Jahren - im Idealfall je - zu diesem Thema, über das wir reden, öffentlich gesagt hat."

So wie der wesensverwandte ehemalige Bayern-Trainer und Oberperfektionist Pep Guardiola sich in traumlosen Nächten auf DVD stundenlang Spiele sogar des Tabellenletzten angeschaut hat, wenn der Tabellenletzte der nächste Gegner war, bereitet auch Wolf seine Gespräche stundenlang vor. Wenn das Format des Gastes es verlangt, gern auch etwas länger: "Vor dem Putin-Interview habe ich wirklich fünf Tage lang vierzehn Stunden gestrebert. Ich wollte mich dort nicht abprüfen lassen und durchfallen, coram publico."

Aus dieser Haltung heraus entwickeln sich Gespräche wie jenes mit Susanne Winter, ehemalige FPÖ-Nationalratsabgeordnete. Wolf setzte erst mal eine Wagenladung Recherchiertes ab und stellte dann die Abschlussfrage. Die Wucht so einer Frage muss begründet werden und wird ja begründet, durch den Vorspann.

"Reden wir doch über Sie: Sie wurden wegen Verhetzung rechtskräftig verurteilt. Sie nennen Schwarzafrikaner Neger und behaupten allen Ernstes, Schwarze hätten wegen ihrer Gene zu wenig Selbstbewusstsein. Sie finden, man müsse - Zitat - den Islam über das Mittelmeer zurückwerfen. Sie halten - wieder ein Zitat - die zionistischen Geldjuden weltweit für ein Problem. Sie halten den Klimawandel für eine Erfindung von Atomindustrie und Lügenpresse. Sie haben auf Facebook praktisch jede Verschwörungstheorie gelikt, die man überhaupt finden kann. Und sie meinen tatsächlich, wir alle werden von einer totalitären Minderheit kontrolliert. Was hat jemand wie Sie im Parlament verloren?"

Armin Wolf sieht, gut drei Jahre später, keinen Grund für nachgereichte Barmherzigkeit, die Frau hatte den ganzen Irrsinn schließlich behauptet, und er hatte die Belege. Und wenn einer sagt, das sei kein Duell auf Augenhöhe gewesen? "Was heißt, nicht auf Augenhöhe? Susanne Winter war eine Abgeordnete des Österreichischen Nationalrats, davon gibt es 183, die wir sehr gut bezahlen und die die Gesetze machen, nach denen wir leben müssen. Also, wenn Susanne Winter nicht auf Augenhöhe ist mit einem Journalisten, der Fragen stellt, dann würde ich mir echt große Sorgen machen um die Leute, von denen in diesem Land die Gesetze beschlossen werden."

Der Journalist Wolf, mit Preisen behängt, ist ein Gesicht des ORF, aber der ORF hat noch viele andere Gesichter. Die Vortänzer Mirjam Weichselbraun und Klaus Eberhartinger sind Gesichter des ORF, die "Tatort"-Kommissare Krassnitzer und Neuhauser mitsamt ihrem Zuträger Inkasso-Heinzi, Stermann & Grissemann, Clarissa Stadler, Ingrid Thurnher, Kater Kurt, Lou Lorenz und und und, auch Herbert "Schneckerl" Prohaska, der die fußballerische Gesprächskultur dadurch bereichert, dass er die Grammatik individuell auslegt: "Wir haben acht Punkte vor die Russen." Das Vollprogramm eines öffentlich-rechtlichen Senders besteht schließlich nicht nur aus Politik, auch aus Zerstreuung, wobei sich in Zeiten eines FPÖ-Vizekanzlers Strache und eines FPÖ-Innenministers Kickl die Bedeutung von Inkasso-Heinzi und Schneckerl vermindert im Vergleich zur Bedeutung von Armin Wolf, der ja nicht zufällig Anchorman genannt wird. Der Anchorman könnte ja Anchorman heißen, weil er derjenige ist, der den Anker setzt, damit nicht alles ins Rutschen gerät.

Armin Wolf ist immer noch Journalist, und er sagt, dass er das, was er macht, natürlich nicht für sich macht, sondern für die Zuschauer. "Ich möchte nicht angelogen werden. Also, ich kann nicht verhindern, dass ich angelogen werde oder dass das Publikum angelogen wird. Aber ich möchte es merken." Er ist immer noch Journalist, er macht seinen Job, aber er ist der prominenteste Journalist des Landes. Und Prominenz hat in seinem Fall einen Nebensinn, besser Hauptsinn: Sie schützt ihn, sie sichert ihn. Ein Mann dieses Formats ist nicht zensierbar, und sollte jemand ihn zum Schweigen bringen wollen, gäbe das ein Geschrei, in Österreich und international. Wolf ist ein Symbol geworden, dafür, dass es freie Meinungsäußerung noch gibt im schnitzelförmigen Gesamtkunstwerk Österreich, das ja immer noch den Anspruch erhebt, für eine Demokratie gehalten zu werden.

Wenn Armin Wolf ins Visier genommen wird, geht es um etwas Größeres

Es ist bemerkenswert, wie dreist in dieser Demokratie die Regierungspartei FPÖ den öffentlich-rechtlichen Rundfunk angeht. Wolf erscheint den Freiheitlichen sogar im Schlaf, in einem FPÖ-Werbespot zur Europawahl schlägt ein Bürger am Tag danach die Zeitung auf und findet sein Land zum Schlechten verändert. Schlagzeile: "Armin Wolf ist neuer ORF-Chef!" Aber dann war es nur ein böser Traum.

Anfang 2018 postete Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf seiner Facebook-Seite: "Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das ist der ORF." Der Vizekanzler! Kurz vorher hatte FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer an einem Verkehrsgipfel in München teilgenommen, der ORF hatte seine Teilhabe in der Nachrichtensendung "ZiB1" aber nicht erwähnt. Die vergleichsweise mickrige Sünde nahm Hofer zum Anlass, ein vergleichsweise riesiges Fass aufzumachen. "Ob ich für Zwangsgebühren bin? Nein!", postete er, schon stand mal wieder im Raum: die Abschaffung der Rundfunkgebühren.

Das Thema gehört zu den ewigen Requisiten in der Drohkulisse der Rechtspopulisten.

Ein von den Bürgern finanzierter öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist Eigentum der Gesellschaft, er unterhält, informiert und bildet alle, er tut das im Idealfall unabhängig, er ist den Bürgern verpflichtet, nicht den Politikern, denn er ist kein Staatsfernsehen. Auch wenn der ORF, wie jeder öffentlich-rechtliche Apparat, seinem Auftrag mal mehr, mal weniger überzeugend nachkommt - ihn permanent infrage zu stellen, verächtlich zu machen, zu denunzieren und zu desavouieren ist ein Attentat auf die freie Gesellschaft, die liberale Demokratie. Wenn Armin Wolf ins Visier genommen wird, geht es um etwas Größeres.

Vor Kurzem hatte Wolf den Politiker Harald Vilimsky im Studio, FPÖ-Generalsekretär und Spitzenkandidat bei der Europawahl. Das Gespräch kam bald auf eine Abbildung, die auf der Website des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ) Steiermark zu sehen war. Der Slogan "Tradition schlägt Migration!", dazu ein comicartiges Trachtenpärchen, umgeben von ausländisch aussehenden Gestalten, Riesennase, gewaltige Brauen. Vilimsky sagte zum Bild dieses und jenes, er sagte, "man kann über den Stil streiten", er fragte aber auch: "Tradition schlägt Migration, was ist schlimm daran?" Schließlich ließ Wolf eine Titelseite aus dem Nazihetzblatt Der Stürmer dazu einblenden. Die Figuren auf der steirischen Karikatur und die aus dem Stürmer sehen sich recht ähnlich, die Bildsprache ist vergleichbar.

Der FPÖ-Mann ("Es ist jenseitig, Herr Wolf, was Sie da machen") war entsprechend außer sich, nach der Einblendung des Stürmer-Titels sagte er, das "ist etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann".

Die Folge war, dass bei Twitter und im tendenziell regierungstreuen österreichischen Dschungel aus Gratisblättern, Portalen und Boulevardzeitungen über Konsequenzen für Wolf debattiert wurde. Der Wiener Landtagsabgeordnete Leo Kohlbauer (FPÖ) twitterte: "@ArminWolf ist untragbar!" In der Kronenzeitung sagte Vizekanzler Strache (FPÖ): "Armin Wolf hat sich letztklassig benommen." Der ORF-Stiftungsratschef Norbert Steger (FPÖ) sagte, er würde - als Wolf - ein Sabbatical nehmen. Bei heute.at sagte Harald Vilimsky (FPÖ): "Ich erwarte mir, dass ORF-Generaldirektor Wrabetz hier einschreitet." Das Büro des angesprochenen ORF-Generaldirektors liegt ganz oben, im sechsten Stock des ORF-Zentrums am Küniglberg. Der Generaldirektor kommt etwas verspätet, er hatte bei einer Pressekonferenz das Programm seines Senders zum bevorstehenden 150. Geburtstag der Staatsoper vorgestellt. Da konnte er nicht früher weg, das sind ja die schönen Termine eines Generaldirektors mit Dienstsitz Wien.

Alles muss safer als safe sein, bei ihm erst recht

Alexander Wrabetz, als SPÖ-nah geltend, mehr Direktor als General, amtiert seit 2007, er muss mit verschiedenen Lagern im Stiftungsrat klarkommen, auch mit nicht SPÖ-nahen, er muss Moderator im eigenen Laden sein, aber ein moderater Moderator zieht sich den Zorn derjenigen zu, die sich ein klareres Wort wünschten. Mehr Mut gegen die Angriffe von rechts außen, nicht immer der Kammerton eines Kandidaten der Kategorie biegsam und geschmeidig. Es geht doch um was.

Früher reagierten Politiker auf die Zitate, die er ihnen vorhielt. Heute sagen viele, das Zitat sei falsch

Was ist also mit Vilimskys Fantasien, Armin Wolf vor die Tür zu setzen? Wrabetz sagt: "Ich habe klar gesagt, dass Vilimsky nicht nur keine Kompetenz dazu hat, sondern ich habe diese Aufforderung auch klar zurückgewiesen. Und solange ich da bin, kann man sich darauf verlassen, dass das so bleiben wird." Der Generaldirektor spricht langsam, sucht tastend die passenden Worte. Als es darum geht, die Gesamtsituation der Pressefreiheit in Österreich einzuschätzen, ist er sehr bestimmt: "Da würde ich jetzt auch einmal die Kirche im Dorf lassen. Von einer echten Unterdrückung der Meinungsfreiheit kann man in Österreich nicht reden. Da muss ich schon an eine Genauigkeit der Diskussion appellieren. Man sollte jetzt nicht so tun, als würde jemand in seiner Existenz oder sonst wie massiv bedroht."

© picture alliance / Georg Hochmut

Armin Wolf hatte zwei Tage vorher im Kaffeehaus über die Gesamtsituation der Pressefreiheit in Österreich gesagt: "Dass ein Politiker der FPÖ sagt, in einem Vortrag, den man auf Youtube anschauen kann: Wir müssen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk neutralisieren, und wenn man uns dann eine Orbánisierung vorwirft, dann müssen wir das durchziehen - das hätte ich noch vor ein paar Jahren nicht für möglich gehalten. Dass ein Funktionär einer Regierungspartei öffentlich sagt: Redakteure werden weinen, weil wir werden sie persönlich klagen in Zukunft - hätte ich nicht für möglich gehalten. Und dass Österreich innerhalb eines Jahres im Press Freedom Ranking von 'Reporter ohne Grenzen' um fünf Plätze abrutscht, hätte ich auch nicht für möglich gehalten."

Aber Sie persönlich können noch so arbeiten, wie Sie es immer getan haben?

Wolf: "Könnte ich das nicht mehr, dann würde ich es nicht machen."

Wobei, Wolfs Arbeitsweise hat sich doch geändert, nicht grundsätzlich, im Detail. Er ist ein akribischer Nachbereiter seiner Interviews, verlinkt Texte, Kritiken, Zustimmung, Filme, Artikel auf seinem Blog, verlinkt zur ungekürzten Version der Gespräche, beantwortet sämtliche Mail-Anfragen von Zusehern, twittert auch seinen 415 000 Followern eher nichts übers Wetter oder die unpünktliche Eisenbahn, bleibt stattdessen beim Thema. Ein Facebook-Beitrag zur Flüchtlingspolitik hatte 30 000 Kommentare, er hat sie alle gelesen. Der akribische Nachbereiter ist auch ein akribischer Vorbereiter. Alles muss safer als safe sein, bei ihm erst recht. Wolf sagt: "Neu ist in den letzten Jahren, dass ich die Zitate nicht nur suche, sondern auch physisch mitbringe, in Form von tatsächlichen Zeitungen. Wenn man früher einem Politiker ein Zitat vorgehalten hat, das publiziert worden war, hat er darauf reagiert und nicht gesagt: Das Zitat ist falsch. Heute bestreiten vor allem Politiker der FPÖ einfach die Zitate: Hat nicht stattgefunden, wurde so nicht gesagt. Ich habe schon angerufen bei Zeitungen, um nachzufragen, ob das Interview, das ich zitieren will, autorisiert ist, oder ob es ein Tonband gibt. Ich habe mir sogar schon den Mitschnitt schicken lassen."

Was löst es in Journalisten aus, wenn dauernd darüber debattiert wird, was gefragt werden darf?

Wer jünger ist, könnte diesen Armin Wolf für den Erfinder des kontroversen (der Österreicher sagt: kontroversiellen) Interviews halten, aber große Gespräche gab es im ORF sogar öfter als im deutschen TV, wo noch immer und immer wieder Fritz Teufel aus dem Archiv gekramt wird, wie er bei "III nach 9" mal den Finanzminister Hans Matthöfer mit der Wasserpistole bedroht hat. In Österreich aber: Highlight nach Highlight. Peter Rabl und Hans Benedict interviewten 1988 den Bundespräsidenten Kurt Waldheim, es ging um seine Verstrickung in Kriegsverbrechen zur NS-Zeit. Kurz nachdem Jörg Haider bei einem Verkehrsunfall gestorben war, moderierte Werner Schneyder eine Gesprächsrunde an mit den Worten: "Die einen arbeiten schon an seiner Heiligsprechung. Die anderen sind erleichtert, dass er sich aus dem Verkehr gezogen hat." Mal lief beim ORF die Interviewerin zu großer Form auf, mal der Interviewte, im besten Fall beide. Ingrid Thurnher hatte 1997 Otto Waalkes zu Gast, der sie "Frau Turnschuh" nannte, bevor er sie umarmte und schließlich unter dem Moderationstisch verschwand.

Und natürlich der "Club 2": Dutschke und Cohn-Bendit und Kurt Sontheimer und der knochenharte Matthias Walden sitzen auf dem Ledersofa und streiten über 1968, drei Stunden lang. Das war alles möglich, in Österreich. Und geraucht wurde auch.

Rubina Möhring war in der Gründungsredaktion vom "Club 2" und ist, nach einer langen Reise durch den Sender, seit 2002 Österreich-Chefin von "Reporter ohne Grenzen". Sie lebt in Wien, draußen vor der Tür steht alles schon in frühsommerlicher Blüte. Sie hat natürlich mitbekommen, dass der ORF sich, mit Bezug auf das Objektivitätsgebot, von einem eigenen Interview mit dem Satiriker Jan Böhmermann distanziert hat. Ein Clip der Kabarett-Truppe Maschek verschwand aus der Mediathek und ist jetzt bei Youtube zu haben, mit einem gesprochenen "Piiiiep" über einer Passage.

Was löst das aus in Journalisten, wenn dauernd debattiert wird über das, was gefragt werden darf, was unbotmäßig ist - und sogar über das, was Satiriker sich noch erlauben können, im Jahr 2019?

Rubina Möhring sagt: "Inzwischen sind die Kollegen und Kolleginnen genau dorthin gebracht worden, wo sie sein sollen. Dass sie die Schere im Kopf aktivieren, nicht mehr ganz normal und unbefangen berichten. Und das ist das Gefährliche."

"Schafft ein, zwei, viele Wolfs!", hat der Falter gefordert, vom ORF und auch von der Gesellschaft. Möhring sagt: "Es gibt im ORF noch andere gute Leute, die sind aber zum Teil in die innere Emigration gegangen. Viele haben Angst, existenzielle Angst. Ein Held sein ist nicht einfach."

Manchmal gibt es zentrale Personen eben auch nur einmal. Der eine Armin Wolf, den es gibt, verabschiedet sich nach dem Frühstück, er muss in den Sender, am Abend in der "ZiB 2" wird er mit dem Historiker Yuval Noah Harari sprechen. Es wird dann ein etwas anderes Gespräch. Wolf muss keinen Rechthaber domestizieren, keinen Ideologen runterdimmen, keinen Zündler mit seinen Zündeleien konfrontieren. Zwei schlaue Menschen sprechen über den Zustand der Welt. Irgendwann sagt Harari: "Das Wichtige ist, dass man eine Situation vermeidet, in der extrem rechte Parteien das Thema Zuwanderung ausnützen, um das demokratische System an sich zu schwächen und um ihre Gegner zu delegitimieren und sie als Verräter darzustellen."

Armin Wolf fragt nicht nach, aber es bedarf keiner Nachfrage, um herauszuhören, wie es so steht um Österreich.

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