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Ibizia-Gate: Spur führt zu einem Wiener Anwalt

Die Presse-Logo Die Presse 21.05.2019 von Christian Ultsch und Anna Thalhammer
© Bereitgestellt von Styria Digital One GmbH

Wer hat das Ibiza-Video in Auftrag gegeben, wer hat es gefilmt und verteilt? Eine erste Spur führt zum Wiener Innenstadtanwalt M. Er hat den Erstkontakt zu jenen Personen gelegt, die Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf Ibiza in die Falle gelockt haben – und das verfängliche Video produziert haben.

Aber von vorne: Die Familie von Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus besitzt Grundstücke und Wälder im Waldviertel. Nachdem Gudenus Vater John Gudenus Ende 2018 verstorben war, hatte die Familie ein Interesse daran, einen Teil davon zu veräußern. Eine befreundete Immobilien-Maklerin kannte besagten Anwalt – und der wiederum behauptete, eine Lettin zu kennen, die ein solches Grundstück suche und auch vorhabe, mit ihren Kindern nach Österreich zu ziehen.

Es kam zu einem ersten Treffen in der Kanzlei des Wiener Anwalts, der bei dieser Gelegnheit auch einen Pass der Lettin vorlegte. Der angebliche Name: Aljona Makarowa. Ebenso wurde bereits eine Summe auf ein Treuhandkonto des Anwalts bezahlt – von der Bank geprüft und als Beweis, dass man auch wirklich zahlungswillig und -fähig sei. Auch dabei: Ein Mann, der sich als Julian T. vorstellte, und eine Detektei in München besitze. Der echte Name ist der „Presse“ ebenso bekannt wie die Detektei, deren Homepage seit Ende 2018 offline ist.

Gudenus traf die Frau weitere Male in Wien –und noch öfter Julian T. Er erzählte, dass er und Strache immer im Sommer auf Ibiza Urlaub machten – und die beiden behaupteten zufällig zur selben Zeit dort zu sein. Man traf sich, trank, redete – es waren wohl illegale Substanzen im Spiel, die Gudenus wohl wissentlich und oder unwissentlich konsumierte (siehe Interview rechts.)

Das verfängliche Material über die FPÖ-Mandatare wurde dann laut Informationen der „Presse“ mehreren Personen angeboten.

Gemeinderatswahl 2015

Das ist übrigens nicht das erste Mal, dass dieser versucht haben soll, belastende Bilder und Videos von FPÖ-Politikern an den Mann zu bringen. Nach Informationen der „Presse“ passierte ähnliches schon vor der Wiener Gemeinderatswahl 2015.

Er bot demnach Mittelsmännern mehrerer Parteien gegen einen sechsstelligen Betrag Fotos an, die Strache in einer Garage  bei der Übergabe von Bargeld zeigen. Außerdem soll einen Beweis für den angeblichen Drogenkonsum des damaligen FP-Chefs in Aussicht gestellt haben.

Als Quelle nannte der Anwalt damals einen frustrierten ehemaligen Parlamentsklubmitarbeiter der FPÖ, der sich von Strache an den Rand gedrängt gefühlt haben soll. Das Geld sei, so erklärte M. damals, dazu bestimmt, diesen Parteifunktionär finanziell aufzufangen. Die Aktion versandete. Niemand stieg darauf ein – nicht eindeutig genug war das Material, der dafür verlangte Preis von rund einer Million Euro zu hoch.

Unklar ist, wer den Auftrag für das Ibiza-Video erteilte. Es hat den Anschein, dass es für den Wahlkampf 2017 konzipiert wurde, dann aber etwas schief lief. Die Produzenten könnten auf den Kosten sitzen geblieben und nach einem Financier gesucht haben. Spätestens ab diesem Zeitpunkt verlagerte sich das Geschehen nach Deutschland. Die „Süddeutsche Zeitung“ und „Der Spiegel“ bestreiten, für das Video gezahlt zu haben. Möglicherweise fanden sich im Hintergrund jedoch Investoren.

Die „Presse“ versuchte den Anwalt (der mittlerweile selbst einen Anwalt hat) mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Fragte ihn, warum er gefälschte Pässe vorlegte, warum er bereits das zweite  Mal versuchte, derartiges Material zu verbreiten. Seine  knappe Antwort: „Ich bin zur Verschwiegenheit verpflichtet“.

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