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"Ihr wisst, dass ihr unehrliche Menschen seid"

KURIER-Logo KURIER 17.02.2017 jk
Donald Trump und Fragen, die er beantworten sollte. © REUTERS/KEVIN LAMARQUE Donald Trump und Fragen, die er beantworten sollte.

US-Präsident Donald Trump stellte sich den Fragen von Journalisten - mehr oder weniger. Warum diese Pressekonferenz den Stempel "denkwürdig" verdient hat.

Es war eine harte Woche für Donald Trump. Zuerst musste sein Sicherheitsberater Michael Flynn wegen umstrittener Kontakte zu Russland zurückgetreten. Dann schmiss Trumps Kandidat als Arbeitsminister, Andy Puzder, entnervt das Handtuch. Es hagelte Kritik aus der eigenen Partei. Und zu guter Letzt muss sich der US-Präsident wegen mangelnder Sicherheitskenntnisse verantworten - beim Besuch des japanischen Premierministers Shinzo Abe hat er vertrauliche Akten offen rumliegen lassen.

Deshalb wollte Donald Trump am Donnerstag alles wieder ins rechte Licht rücken, das Narrativ sozusagen zu seinen Gunsten ändern. "Wir sollten heute eine Pressekonferenz abhalten", soll er am Morgen aus dem Nichts seine Beratern angewiesen haben. Und das tat er dann auch; Trump hielt eine Pressekonferenz ab - und was für eine. Eigentlich sollte Trump nur seinen neuen Kandidaten für das Arbeitsministerium Alexander Acosta präsentieren. Aber es war alles und doch auch nichts. Den Stempel "denkwürdig" hat sich sein Auftritt verdient.

"Wir haben einen Sauhaufen übernommen"

Na gut, zu Beginn stellte er den potenziellen Arbeistminister tatsächlich vor, ruhig und konsiliant. Acosta sei ein hervorragende Wahl und wird das Amt mit stolz erfüllen, sagte Trump und beendete den förmlichen Teil. "Ich möchte der Bevölkerung ein Update geben, ein Update über das, was wir in den vergangenen Wochen gemacht haben. Wir haben Unglaubliches geleistet seit meiner Inauguration." Die Leute goutieren Trumps rasches Regieren, allerdings spreche ein Großteil der Medien in Washington, New York und Los Angeles nicht mit der Stimme des Volkes, sondern allein im Interesse derer, die von diesem sehr, sehr offensichtlich kaputten System profitieren. "Die Medien ist so unehrlich. Die Unehrlichkeit ist außer Kontrolle geraten", erklärt der US-Präsident und fügt hinzu, dass manche Medien "fantastisch" seien, andere aber nicht.

Und in dieser Tonalität ging es weiter. Er habe ein "Sauhaufen" übernommen, sagt er mit einem Seitenhieb auf seinen Vorgänger Barack Obama. Sowohl im Inland als auch im Ausland versucht er nun, diesen "Sauhaufen" zu bereinigen. In Syrien, erklärt Trump, verbreitet sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" wie ein "Krebsgeschwür, das ist ein anderer Sauhaufen, den ich übernehmen musste".

Aber seine Regierung habe sich von Tag eins an daran gemacht, diese Probleme zu lösen, sagt Trump. Selbstverständlich ließ der US-Präsident das Chaos um den Einreisestopp in seiner Pressekonferenz aus - ebenso das Informationsleck rund um Flynn, oder den Rücktritt seines Arbeitsministers. Vielmehr lobt Trump seine Regierung und spricht von einer "Mauer im Süden, die eine große Mauer sein wird. Wir werden eine Mauer haben, die funktionieren wird und kein Witz ist." Außerdem rette seine Regierung täglich Menschen, weil er der illegalen Einreise den Kampf angesagt habe. "Wir haben in wenigen Wochen so viel erreicht - und die großen Dinge sind wir noch gar nicht angegangen."

Zwischen "fake news" und "real news"

Nach seinem fast 30 Minuten langen Monolog nimmt er sich Zeit für die Fragen der Journalisten. Allerdings spricht er nicht zu ihnen, er spricht über sie, das eigentliche Publikum sind seine Anhänger draußen im Land. Trump beschwert sich über den US-Nachrichtensender CNN, den er als Sprachrohr des "Hasses und Zorns" bezeichnet. Die renommierten Medien New York Times und Wall Street Journal seien gescheitert, sie schreiben Geschichten, die gar nicht wahr seien.

Aber Trump lässt sich Zeit, er spricht langsam, fast schon philosophisch antwortet er auf Fragen. Es ist nicht unüblich für den US-Präsidenten, dass er gegen Medien wettert und Journalisten als Lügner diskreditiert. Dennoch ist es anders. Denn diesmal steht er nicht auf einer Wahlkampfveranstaltung und versucht, die Massen von sich zu überzeugen. Er befindet sich im Weißen Haus - aber eben im Angriffsmodus.

Eine Antwort über das Gespräch zwischen seinem ehemaligen Sicherheitsberater Flynn und dem russischen Botschafter Sergej Kisljak verdeutlicht wohl am klarsten, wie Trump zu den Medien steht. Auf die Frage, ob die Enthüllungen nun "fake news" oder "real news" seien, antwortet der Präsident: "Das Leck ist wahr, aber die Nachrichten sind fake."

Hat Trump über Flynns Telefonat gewusst?

Zur Erinnung: Vor dem Amtsantritt von Donald Trump telefoniert Flynn mit dem russischen Botschafter. Dabei ging es um die von Präsident Obama verhängten Sanktionen. Flynn dementierte daraufhin die Anschuldigungen. Doch Vizepräsident Mike Pence machte diesen Fall öffentlich.

Trump scheint das allerdings wenig zu stören. Alle Fragen, die sich um die Affäre drehten, wischte er mit einer Handbewegung beiseite - wie übringes alle kritischen Fragen. "Mike hat nur seinen Job gemacht. Er hat Länder angerufen und seine Amtskollegen gesprochen. Für mich war das in Ordnung. Ich habe ihn nicht dazu angewiesen, aber ich hätte es getan, weil das sein Job ist", eklärt Trump. Aber das Problem sei aber, dass Flynn dem Vizepräsidenten nicht ordnungsgemäß berichtet hatte und dann noch sagte, er könne sich daran nicht erinnern. "Das war nicht so zufriedenstellend für mich."

Das US-Politikportal Vox.com interpretiert die Aussage folgend: "Trump gibt zu, dass er wusste, dass Flynn seit Jänner Pence irreführt, ihn aber nicht feuerte - bis die Medien darüber berichteten."

Der Ton ist hasserfüllt

Worüber sich Trump aber am meisten ärgert - das wiederholt er zig Male -, ist der Ton. "Der Ton ist so hasserfüllt. Ich bin keine schlecht Person, aber der Ton, Jim, der Ton ist so hasserfüllt." Der US-Präsident spricht Jim Acosta von CNN an, mit dem er sich ein Wortgefecht liefert. Hier ein kurzer Auszug:

Donald Trump: Jim? 

Jim Acosta: Mister Präsident, ich danke Ihnen sehr. Nur für die Records: Wir hassen Sie nicht. Ich hasse Sie nicht.

Trump: Ok.

Acosta: Ich möchte gerne eine Frage aufgreifen: Sie sagten, dass die Enthüllungen real sind, aber die Medien fake. Ich verstehe Sie nicht ganz

.

Trump: The reporting is fake.

Acosta: Und wenn ich fragen darf... Ich würde gerne fragen...

Trump: Jim, wissen Sie was? Hier ist das Ding. Die Öffentlichkeit ist nicht... Sie wissen, sie lesen Nachrichten, schauen TV, sie schauen. Sie wissen nicht, ob es wahr oder falsch ist, weil sie nicht involviert sind. Ich bin involviert. Ich bin mein ganzes Leben lang involviert. Aber ich bin involviert, ich weiß, wenn Sie die Wahrheit sagen oder wenn Sie es nicht tun. Ich sehe viele unehrliche Dinge. (...) Jim, wenn Sie ihre Sendung anschauen. So viel Hass. Die Diskussionsteilnehmer sind ausschließlich anti-Trump. Die gute Nachrichten ist, dass die Quote schlecht ist, aber das Podium ist anti-Trump. Der Hass kommt von ihnen. (...) Wenn ein Gast etwas Positives über mich sagt, dann ist es brutal. Deshalb halte ich Pressekonferenzen ab. Ich habe eine gute Zeit. So habe ich die Wahl gewonnen, mit Pressekonferenzen und Reden. Ich gewann sicherlich nicht, weil die Leute auf euch gehört haben. Das ist mal ganz sicher. (...) Ich habe eine gute Zeit. Trotzdem werdet ihr morgen sagen, dass Donald Trump geflucht und geschmipft hat. Ich fluche und schimpfe nicht. Ihr wisst, ihr seid unehrliche Menschen.

Acosta: Ich würde gerne nachfragen...

Trump: Soll ich ihm lassen? Was denkst du Peter? (Trump spricht mit einem anderen Reporter)

Acosta: Ich würde gerne...

Trump: Setz dich hin. Setz dich hin. 

Der CNN-Korrespondent im Weißen Haus darf zwar noch eine Frage stellen, aber der US-Präsident zieht die ganze Konversation ins Lächerliche. Denn schließlich fragte er Acosta, ob er nicht mit Alexander Acosta, dem künfigen US-Arbeitsminister, verwandt sei. "Kein Sorge jIm, ich habe das prüfen lassen", erklärt Trump und lächelt. Er wünsche sich doch nur, dass Medien "ehrlich" berichten, auch über Russland. "Es wäre großartig, wenn wir uns mit Russland verstehen. Ich würde gerne mit Russland sprechen. Aber ich tu es nicht. Nicht, weil ich nicht möchte, sondern weil ich niemanden hab, mit dem ich sprechen könnte."

Keine Argumentation, keine Probleme

Zum Abschluss sucht Trump noch einen "friendly reporter". Und tatsächlich, Trump findet jemanden, der ihm eine Frage über seine Tochter Ivanka stellt. Wie tut sie sich im Weißen Haus? "Ja, das ist eine nette Frage. Woher sind Sie? Ok, ich werde anfangen, Ihre Sendung zu schauen."

Seine 78-minütige Pressekonferenz erinnerte an Trumps Tweets und an Wahlkampfauftritte. Sie war roh und wütend. Freilich verteidigte er seine Regierung und seine Person, schimpfte aber gleichzeitig auf Medien und diffarmierte Journalisten. Es hatte einmal mehr den Anschein, dass Trump nach er Devise regiert: Wer nicht argumentiert, kann nicht widerlegt werden.


Ein Stunde und 18 Minuten

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