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Was Sie über Julius Caesar wissen müssen

WELT-Logo WELT 11.07.2018
Roman denarii of Julius Caesar (January 14, 83 BC -August 1, 30 BC). On the left is an allegory of the destruction of evil by good with the snake being destroyed by the elephant, and on the right is the flight of Aeneas from Troy, 1st century BC. ( CM Dixon / Heritage Images) | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. © picture alliance / Heritage Imag Roman denarii of Julius Caesar (January 14, 83 BC -August 1, 30 BC). On the left is an allegory of the destruction of evil by good with the snake being destroyed by the elephant, and on the right is the flight of Aeneas from Troy, 1st century BC. ( CM Dixon / Heritage Images) | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.

Julius Caesar gehört zu den wichtigsten Gründungsfiguren des Abendlandes. Seine Feldzüge leiteten die Symbiose gallischer und römischer Kultur ein, und sein Name wurde zum Machttitel – bis heute.

Am Anfang war Gaius Julius Caesar. Man kann die Geburt des Abendlandes auf das Frühjahr des Jahres 58 datieren, in dem der Römer seinen Feldzug zur Unterwerfung des freien Galliens begann und damit jene Symbiose der Kulturen einleitete, aus der Frankreich hervorging.

Man kann auch damit beginnen, dass Caesars Nachfolger seinen Namen als Titel annahmen, woraus dann Kaiser wurde.

Oder man fängt an mit jenem Weihnachtstag des Jahres 800, an dem in Rom der Frankenherrscher Karl zum ersten Kaiser des Mittelalters in Westeuropa gekrönt wurde.

Um Julius Caesar als Gründungsfigur kommt die abendländische Geschichtsschreibung nicht herum. Der Abkömmling des alten römischen Patriziergeschlechts der Julier, Sieger im Bürgerkrieg gegen Pompeius und Verfasser des Bestsellers "Der Gallische Krieg", hat die abendländische Kunst beschäftigt wie kaum eine andere Figur: Georg Friedrich Händels Oper "Giulio Cesare in Egitto" handelt von der Affäre mit Kleopatra, die wir uns seit den Fünfzigerjahren und dem vom Hollywoodfilm inspirierten "Asterix"-Band vorstellen wie die junge Elizabeth Taylor.

Die Frisuren der Römer im genannten Film hat wiederum Roland Barthes in seinen "Mythen des Alltags" zeichentheoretisch entlarvt.

Der Diktator ist motivgeschichtlich ein Fluss ohne Ufer. In Elisabeth Frenzels "Stoffe der Weltliteratur" umfasst der Eintrag zu Caesar sechs Seiten. Shakespeare hat ein Stück über den Römer und seine Ermordung geschrieben, der zweitgrößte Dramatiker der Neuzeit immerhin einen kleinen Roman: Bertolt Brechts "Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar" entstand 1938 im dänischen Exil, wohin der Dichter geflohen war vor der Politik Adolf Hitlers, die man am Anfang noch verharmlosend "cäsarisch" nannte – wie zuvor schon die Inszenierungen Mussolinis und Napoleons III.

Dessen Onkel Napoleon I. trug bei seiner Kaiserkrönung 1804 einen goldenen Lorbeerkranz und darunter eine Römer-Frisur, wie sie im Kino Barthes Abscheu erregt hat. Es war das letzte Mal, dass jemand in Europa dieses Attribut Caesars als Mittel zur Selbstpropaganda einsetzte. Nur in Afrika wurde, wie so oft, die abendländische Tragödie als Farce wiederholt: 1977 trug der zentralafrikanische Diktator Bokassa so einen Kranz, als er sich zum Kaiser krönte.

© Infografik WELT

Da war die Liebesaffäre Europas zu Caesar schon abgekühlt. Die Zeiten, in denen Eltern ihre Kinder Giulio Cesare Montiverdi (Komponist und Bruder des berühmteren Claudio) oder Axel Cäsar Springer nannten, gingen zu Ende. Zu viel wusste man mittlerweile über die Opfer des Mannes, vom dem man sehr lange nur die "Clementia Caesaris", die Milde des Siegers sehen wollte.

Doch die soll nicht in Vergessenheit geraten. Denn sie hat uns Deutschen unseren ersten Literaturnobelpreis eingebracht. Den bekam Theodor Mommsen für seine "Römische Geschichte", deren Caesar-Kapitel eine rauschende Liebeserklärungen an seinen Gegenstand ist.

Mommsen schreibt: "Ein geborener Herrscher, regierte er die Gemüter der Menschen, wie der Wind die Wolken zwingt, und nötigte die verschiedenartigsten Naturen, ihm sich zu eigen zu geben, den schlichten Bürger und den derben Unteroffizier, die vornehmen Damen Roms und die schönen Fürstinnen Ägyptens und Mauretaniens, den glänzenden Kavalleriegeneral und den kalkulierenden Bankier."

Die sponnen, die Römer. Und die spinnen, die Abendländer.

Geht das Abendland unter? Für alle Fälle stellen wir in dieser Serie noch einmal seine Zutaten vor. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

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