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Für Liebende ist Capri die absolute Traumkulisse

DIE WELT-Logo DIE WELT vor 5 Tagen

Capri ist die romantischste aller Mittelmeerinseln, ihrem Zauber kann sich niemand entziehen. Von Kaiser Tiberius bis Mariah Carey – schon immer zog sie Liebende aus aller Welt in ihren Bann.

Als die Stylistin und Streetstyle-Ikone Giovanna Battaglia im Sommer 2016 ihrem schwedischen Angetrauten Oscar Engelbert das Jawort gab, bebte die Trauminsel im Golf von Neapel für einen Moment. Drei Tage dauerte die glamouröse Hochzeit auf Capri, das seit dem römischen Kaiser Tiberius als Insel der Lust und Liebe bekannt ist. Die Open-Air-Zeremonie und After-Party auf einer Yacht fand unmittelbar vor zwei hochgewachsenen Kreidefelsen statt, den Faraglioni, neben der Blauen Grotte das Wahrzeichen der Insel.

Italy, Campania, Napoli district, Capri, Faraglioni, Seascape with rocks: Italien, Campania, Capri, Faraglioni © Getty Images/AWL Images RM Italien, Campania, Capri, Faraglioni xxx und xx Miettinen aus Finnland bei ihren Flitterwochen auf Capri, 1953: Ein Paar aus Finnland bei ihren Flitterwochen auf Capri, 1953 © Werner Gritzbach Ein Paar aus Finnland bei ihren Flitterwochen auf Capri, 1953

"Capri bietet eine Kulisse, die zum Träumen anregt", sagt die deutsche Kunsthistorikerin Stefanie Sonnentag, die seit 1998 am Golf von Neapel lebt: "Die ganze Welt kommt nach Capri für die Liebe. Hochzeitsreisen haben hier eine lange Tradition." Schon Paul Heyse, Literaturnobelpreisträger von 1910, erzählte in seiner Novelle "Hochzeit auf Capri" von der Begegnung eines deutschen Malers mit einer Capresin.

Silhouette of Faro di Capri lighthouse at sunset: Sonnenuntergang bei Capri © Getty Images/Lonely Planet Images Sonnenuntergang bei Capri © Infografik Die Welt

Die literarischen Liebesbekundungen von Schriftstellern wie Heyse, Maxim Gorki und Compton Mackenzie entfachten Ende des 19. Jahrhunderts ein Capri-Fieber in der Oberschicht, das bis heute anhält. Thomas Manns Tochter Monika lebte jahrelang mit einem Capri-Fischer zusammen; von Peggy Guggenheim bis Mariah Carey kamen sie alle in ihren Flitterwochen. Und fast jeder, den man auf der kleinen Felseninsel trifft, hat eine Liebesgeschichte zu erzählen.

In Anacapri die Liebe fürs Leben gefunden

Der finnische Kunstsammler Timo Miettinen macht hier seit seiner Kindheit Urlaub. Im Restaurant "Il Riccio" in Anacapri direkt über den Felsen der berühmten Blauen Grotte erzählt er, der mittlerweile in Berlin lebt, wie seine Eltern im Sommer 1953 über das damals noch kriegszerrüttete Deutschland mit dem Zug nach Italien reisten. Ziel ihrer Flitterwochen war das "Caesar Augustus", eine ehemalige Villa des römischen Kaisers, die sich 300 Meter über dem Meer in die Klippen krallt und heute zu den besten Hoteladressen des Eilands zählt.

50 Jahre später machte Miettinen junior dann seiner Frau auf der Terrasse des Hotels mit Aussicht auf den Vesuv einen Antrag. Als Zeichen ihrer Liebe kauften sie gemeinsam ein Haus in Anacapri, dem höher gelegenen und ruhigeren Teil der Insel.

In Anacapri begegneten sich auch der Italiener Mario Bindi und seine finnische Frau Ritva. "Es war Liebe auf den ersten Blick" erzählt Bindi, der lange als Schlagermusiker die Schönheit Capris besungen hat und heute Tintenfische angelt.

Bindi traf vor 40 Jahren am kleinen Marktplatz in Anacapri auf die junge Ritva, die für ein paar Monate als Au-pair zu Besuch war. Aus Monaten wurde ein ganzes Leben. Gemeinsam haben sie eine Tochter, Susanna, die vor ein paar Jahren den Capresen Vincenzo Sorrentino geheiratet hat.

Das junge Paar hat Vincenzos Familienverlag La Conchiglia übernommen und betreibt ein Buchgeschäft zwischen Nobelboutiquen und Sternerestaurants in der Altstadt. Hier führen Susanna und Vincenzo ein einzigartiges Sortiment an Capri-Literatur, das sie in liebevoll gestalteten und selbst verlegten Büchern anbieten: Klassiker wie Goethe, Brecht und Rilke, aber auch Geschichten über den russischen Schriftsteller Maxim Gorki, der von Lenin auf der Insel besucht wurde.

In den Buchladen kommt auch der Caprese Federico Alvarez di Toledo, der mit seinem Partner Sergio und Dackeldame Josephine den Concept Store Eco Capri ein paar Gassen weiter betreibt. Auf der Piazzetta in der Bar "Tiberio" berichtet er von seiner Großmutter Laetitia Cerio, bekannte Designerin und Tochter Edwin Cerios, des ehemaligen Bürgermeisters von Capri.

"Meine Großmutter hat mich und mein ästhetisches Empfinden früh geprägt", sagt er. Sein Geschäft hat er ihr gewidmet, der ersten großen Liebe seines Lebens. Er verkauft handgemachte und lokal produzierte Mode, Accessoires und Einrichtungsgegenstände in Blau, Gelb und Weiß, den Farben der Insel. Viele der Waren sind mit Illustrationen versehen, die Federicos Großmutter zum Beispiel für Emilio Pucci und Yves Dupuis entwickelt hat.

La Piazatta square after sunset, Capri, Italy: La Piazatta Platz, Capri, Italien © Getty Images/The Image Bank La Piazatta Platz, Capri, Italien

"Capri ist wie ein heißer Sommernachtstraum"

Wenn die Sonne untergeht, zeigt sich die Insel von ihrer besten Seite. Über die Piazzetta flanieren lässig gekleidete Capresi, Wahlcapresi und Touristen, die sich die teure Übernachtung leisten können: leichte Stoffe in Weiß und eiscremefarben, Brillantcolliers und Capri-Sandalen. Manche fühlen sich so wohl, dass sie das nahe gelegene Luxushotel "Quisisana" auch mal barfuß verlassen.

Auf der Piazzetta mischen sich zum Sonnenuntergang entspannte Filmstars, freizügige Ölscheichs und Italiener, die seit Jahren ihren Sommer auf der Insel verbringen, etwa Amedeo Scognamiglio, ein bekannter Juwelier, der hier in seiner Boutique "Amedeo" poppigen Cameo-Schmuck anbietet, den Stars wie Rihanna tragen.

"Capri ist wie ein heißer Sommernachtstraum, ein Fieber, eine Halluzination, die jeden berauscht, der auf die Insel kommt", sagt Scognamiglio. "Der Genuss besteht darin, hier an der Piazza zu sitzen, Zugang zum 'Fontalino Beach Club' oder ein Abendessen im Restaurant 'Aurora' zu bekommen, wo man von Mia D'Alessio und ihrer Familie umsorgt wird. Die D'Alessios erinnern sich auch nächstes Jahr wieder an dich. Das ist Luxus auf Capri."

Prominente suchen etwas Privatsphäre

Hotels und Restaurants werden seit Generationen von Einheimischen verwaltet. In Capri ändert sich nichts. "Ich fühle mich zu exzentrischen Personen hingezogen. Dabei bin ich selbst ganz einfach", sagt Mia D'Alessio, die mit ihrem Ehemann Franco das familiengeführte "Aurora" zum begehrtesten Lokal der Insel gemacht hat. "Franco wurde in München als Koch ausgebildet. Er hat mich mit seinen Kochkünsten verführt", holt Mia aus und bekräftigt: "Capri ist eine Insel der Liebe und Extravaganz."

Ins "Aurora" kommen nicht nur Gäste für die berühmte tomatenfreie Pizza all'Aqua. Modeschöpfer Giorgio Armani und Valentino feiern hier regelmäßig ihre Geburtstage. Beyoncé und Mariah Carey schauen mehrfach im Jahr vorbei und schätzen die Wärme, die Ursprünglichkeit und Diskretion.

Dass Prominente für ein bisschen Privatsphäre nach Capri flüchten, hat Tradition. Einer dieser Ausreißer war der deutsche Industrielle Alfred Krupp. Damals der reichste Mann der Welt. Und homosexuell. Krupp führte hier ein Leben, wie es in Deutschland nicht möglich war.

Ähnlich ging es dem französischen Baron von Fersen, der in seiner Villa Lysis und in der nahe gelegenen Grotte ausschweifende Bacchanalien veranstaltete, ganz in der Tradition des römischen Kaisers Tiberius, der vor zwei Jahrtausenden Capri als Insel der Lust und Liebe auf die Landkarte setzte. So wie dem europäischen Norden bot Capri auch dem konservativen Süden Italiens Raum für alternative und liberale Lebensentwürfe.

Hochburg für Hedonisten – freizügig und wild

In den 30er- und 50er-Jahren war die Insel Hochburg für Hedonisten – freizügig, wild, jeder mit jedem. In den 1960ern entdeckte der internationale Film Capri als Schauplatz für extravagante Szenen. Der amerikanische Regisseur Melville Shavelson dreht hier mit Clarke Gable und Sophia Loren. Jean-Luc Godard inszenierte Brigitte Bardot in "Die Verachtung" auf dem Flachdach der spektakulären Casa Malaparte.

In der Tradition des Arthouse-Films der 60er- und 70er-Jahre hat der deutsche Filmemacher Alexander von Oppersdorff auf Capri ein delikates Liebesdrama gedreht. Der Regisseur ist der Enkel des Prinzen Philipp von Hessen, der 1925 die italienische Prinzessin Mafalda von Savoyen heiratete. Ihr ist die Villa Mafalda auf Capri gewidmet, in welcher Enkel Alexander 2006 die Aufnahmen für den Film "Capri, you love?" produzierte.

Hier treffen im Verlauf eines Wochenendes zwei Männer und zwei Frauen in der Villa nahe der Blauen Grotte aufeinander. Was in den 48 Stunden passiert, ist ein Kammerspiel aus Leidenschaft und Zuneigung, in dem die betörende Kraft Capris, die es auf Liebende hat, offengelegt wird.

In Schlüsselszenen des Films tauchen immer wieder die Faraglioni auf, die uralten Felskolosse. Sie sind eine Bühne für die sich aufstauenden Emotionen zwischen den vier Hauptfiguren. Oppersdorffs Drama bricht die Klischees zu Capri als Ort der Liebe geschickt auf.

Die Faraglioni, steinerne Wahrzeichen der Insel im Golf von Neapel © LAIF Die Faraglioni, steinerne Wahrzeichen der Insel im Golf von Neapel

Aus der Villa Mafalda schreibt der Regisseur per Mail: "In meinem Film geht es um Menschen, die vor allem mit sich selbst beschäftigt sind. Am Anfang sind sie alle verschlossen, verkrampft oder verbittert. Recht schnell entfaltet Capri seinen Zauber. Sein Licht durchdringt das Dunkel der Gemüter." Stimmt.

Auskunft:capritourism.com

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