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Paris: Psychologen für geschockte Japaner

Marco Polo-Logo Marco Polo 08.08.2018 Solveig Michelsen
© matthewleesdixon, iStock

Wenn sich die Erwartungen von der Realität unterscheiden, ist eine Enttäuschung vorprogrammiert. Aber warum nur trifft es japanische Touristen, die nach Paris reisen, besonders hart? Zum einen wird das Reiseziel, für das mancher Japaner sein Leben lang spart, vorab schon stark überhöht. Paris als Stadt der Liebe – das lässt sich in den schillerndsten Farben ausmalen. Vor Ort mag es dann weitaus ruppiger zugehen. Wie in vielen europäischen Großstädten ist man sich hier oft selbst der Nächste. Vor allem für Besucher aus dem japanischen Kulturkreis aber ist Unhöflichkeit Touristen gegenüber – besonders wenn sie von weit her gekommen sind – schier unbegreiflich. Der Kellner, der sie nicht bedient, der Taxifahrer, der keine Lust auf Kurzstrecken hat, oder die Passanten, die keine Fragen nach dem Weg beantworten wollen – sie alle hinterlassen Mini-Traumata bei Gästen, die einen solchen Umgang nicht gewohnt sind. Allen voran bei den Japanern.

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Doch zum Glück gibt es Abhilfe: Einige Psychologen haben sich auf dieses Paris-Syndrom (ein medizinisch umstrittener Begriff) spezialisiert und helfen gestrandeten Kulturgeschockten. Ein japanisches Pärchen zum Beispiel berichtete, dass es sich eine Woche lang nicht mehr aus dem Hotelzimmer traute, nachdem die ersten Versuche, den Weg zu erfragen, gehörig schief gegangen waren. Der japanische Psychiater Ota Hiroaki, der seit 1987 in Paris lebt, wies als Erster auf die ernsten Folgen für die Betroffenen hin. Die Psychologin und Psychoanalytikerin Olivia Akiko Goto-Gréget erklärt sich das Paris-Syndrom folgendermaßen: "Frankreich steht in Japan für Luxus, teure Marken, höfliche Männer, saubere Straßen, historische Architektur, Kunst, alles was elegant und feinsinnig ist. Und wenn sie nach Paris kommen, sehen sie, dass das keineswegs nur so ist."

Ach ja, auch die japanische Botschaft in Paris war nicht untätig und hat eine Seelsorge für ihre Landsleute einrichten lassen. Ob diese auch in anderen Städten benötigt wird, ist nicht bekannt.

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von Solveig Michelsen

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