Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Zehn Orte, an denen Sie garantiert glücklich werden

DIE WELT-Logo DIE WELT 11.11.2017
Windsurfer in stormy weather in front of sunset. © Getty Images Windsurfer in stormy weather in front of sunset.

Im "Glücksatlas" landet Schleswig-Holstein zum fünften Mal in Folge auf Platz eins. Das kann kein Zufall sein. Also auf in den Norden! Hier werden Sie glücklich – auch dann, wenn Sie nur zu Besuch sind.

Am Wetter kann es nicht liegen. Ausgerechnet da, wo es gefühlt jeden Tag regnet, leben die glücklichsten Deutschen. Im "Deutsche Post Glücksatlas", der die Lebenszufriedenheit der Bundesbürger misst, landet Schleswig-Holstein auf Platz eins – und das schon zum fünften Mal in Folge.

Überraschend ist das nur für solche Leute, die noch nie da waren. Klar, Berlin ist cooler, Bayern reicher, und in Baden-Württemberg gibt es das bessere Essen. Aber darum geht's ja nicht. Echtes Glück – das hat offenbar doch ein bisschen damit zu tun, vom Meer umgeben zu sein. Im Westen die Nordsee, im Osten die Ostsee und im Süden die Elbe, die hier von Ebbe und Flut geprägt ist, wie es sich für einen Gezeitenstrom gehört.

Nur im Norden gibt es Land. Aber das zählt nicht, denn das ist Dänemark, bekanntlich seit Ewigkeiten die glücklichste Nation auf Erden. Und damit genau so wohltuend wie das Meer.

Wenn Sie als Besucher in Schleswig-Holstein selbst ein Stück vom Glück wollen, dann meiden Sie das wohlhabende, aber eher langweilige Hamburger Umland und die großen Städte. Ja, Lübeck ist wunderhübsch, und auch Flensburg ist ganz okay. Aber um Kiel machen Sie bitte einen großen Bogen. Es sei denn, Sie wollen sich vergewissern, dass es tatsächlich eine deutsche Landeshauptstadt gibt, die noch gesichtsloser ist als Hannover und Saarbrücken.

Das Glück, es liegt in den kleinen Orten (von denen es in Schleswig-Holstein eine ganze Menge gibt). Dort, wo man die Natur nicht suchen muss, weil sie – ganz natürlich – einfach da ist. Und dort, wo Wasser ist. Denn das gibt es hier in herrlicher Vielfalt. Die Hochsee und das Wattenmeer, die Förde und der Fluss, der See und der Kanal.

Zehn Orte, an denen Sie glücklich werden. Garantiert.

Hindenburgdamm

Hinter Niebüll beginnt die große Freiheit. Aber eben erst dahinter. Vorher müssen Sie in die Hölle. Stundenlang steht man im Sommer im Stau, sieht am absurd großen Verladebahnhof die ganze Typologie der Sylt-Urlauber in ihren Autos sitzen: wohlhabende Paare (er immer grau meliert, sie immer blond), ältere Herren mit jugendlichen Liebhabern und Familien, bei denen die Kinder stets Maximilian und Charlotte, nie aber Kevin und Jacqueline heißen. Man zahlt widerwillig 53 Euro am Schalter der Deutschen Bahn, fährt seinen Wagen auf den proppevollen Zug und fragt sich genervt, ob man beim nächsten Sylt-Besuch nicht lieber die Fähre nehmen sollte.

Doch dann passiert's. Der Autozug setzt sich in Bewegung, die backsteinrote Stadt verschwindet, und das Land wird von Minute zu Minute menschenleerer. Kurz hinter Klanxbüll verschwinden auch die letzten Wiesen, und das Meer tut sich auf. Links: nichts. Rechts: nichts. Nur Wasser oder Watt, je nach Stand der Gezeiten. Und mittendrin: Sie selbst! Hinterm Lenkrad Ihres Autos, aber Kopf und Hände frei. Durchs offene Fenster weht der Wind.

Acht Kilometer rauscht der Sylt-Shuttle über den Hindenburgdamm durchs Meer. Eigentlich viel zu kurz. Aber genau richtig, um die Glückshormone in Schwung zu bringen. Sie grinsen nur noch und freuen sich darüber, wie schön das Leben ist. Wenn der Zug in Westerland ankommt, ist aller Stress vergessen.

Helgoland

Ernsthaft? Helgoland soll glücklich machen? Der Fuselfelsen, der zum Inbegriff westdeutscher Butterfahrten wurde, den man erst nach einer mehrstündigen Schifffahrt erreicht, auf der sich regelmäßig ein Drittel der Passagiere übergibt, weil sie den Seegang nicht vertragen, nur um anschließend billigen Alkohol einzukaufen? Ja, Helgoland. Sie müssen es bloß richtig machen.

Ein Tagesausflug zu Deutschlands einziger Hochseeinsel ist jedenfalls die todsichere Methode, Helgoland grauenhaft zu finden. Wer hingegen mehrere Tage bleibt, wird spüren, was Glück ist. In diesem Fall: das Glück, weit weg zu sein von allem, was einen stört. Sehr weit weg. Es gibt nichts, was die neue Freiheit trübt. Denn auf Helgoland gibt es ganz generell nichts. Selbst die brandenburgische Provinz wirkt gegen Helgoland wie ein Party-Hotspot.

Stattdessen spüren Sie die Kraft der Natur. Am besten auf der Düne, die Sie sich nur mit ein paar Kegelrobben teilen, den größten wilden Raubtieren Deutschlands. Helgoland ist der perfekte Ort, um sich erst herrlich zu betrinken und dann nachts in den Sturm zu stellen. Lehnen Sie sich gegen den Wind – Sie werden nicht umfallen. Alles, was Sie hören und sehen, ist die tiefe, dunkle See.

Fehmarn

Kein Witz: Die Ostseeinsel gehört mit 2000 Sonnenstunden im Jahr zu den sommerlichsten Regionen Deutschlands. Nicht nur Wassersportler schwärmen vom "holsteinischen Hawaii", das Wellenreiter, Wind- und Kitesurfer magisch anzieht. Wer in die von Sonne und Wind gegerbten Gesichter der Charchulla-Zwillinge Jürgen und Manfred blickt, weiß, wie glückliche Menschen aussehen. Sie sind schon fast 80 Jahre alt und stehen noch immer fast täglich auf dem Surfbrett. Auf Fehmarn zeigen sie dem Nachwuchs, wie's geht – egal, wie alt dieser Nachwuchs ist.

Nach dem Surfen fahren Sie am besten in Fehmarns Südwesten, nach Lemkenhafen. Da steht die "Aalkate", ein altes Bauernhaus, in dem seit Ende der 70er-Jahre Fisch geräuchert wird. Der Blick auf die Ostsee ist gratis, den Fisch müssen Sie bezahlen. Aber das lohnt sich, denn dann können Sie etwas erleben, was Sie sich daheim in Sachsen oder Nordrhein-Westfalen vermutlich nicht ohne Weiteres trauen.

Den Aal gibt's nämlich auf Wunsch direkt auf Butterbrotpapier, ohne Teller, ohne Besteck. Soll heißen: Sie essen ihn direkt mit den Händen, ziehen die Haut ab und pulen das Fleisch von der Mittelgräte. Dazu bloß trockenes Schwarzbrot und Korn. Von beidem nicht zu wenig. Das Ganze führt zu einer wundervollen Sauerei, von der Ihre Hände geruchsmäßig noch Tage später berichten, wenn Sie längst wieder im Büro sitzen und sich heimlich zurück an die Ostsee träumen.

Schlei

Erinnern Sie sich an die ZDF-Serie "Der Landarzt"? Satte 26 Jahre, von 1986 bis 2012, haben nacheinander Christian Quadflieg, Walter Plathe und Wayne Carpendale an den Einwohnern eines fiktiven Ortes namens Deekelsen herumgedoktert. In Wahrheit heißt dieses Deekelsen Kappeln und ist die Perle der Schlei.

Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Fluss, sondern um eine Art Fjord, in der Meeres- und Brackwasser gut 40 Kilometer landeinwärts bis nach Schleswig führen – die Stadt, deren Namen ein ganzes Land trägt. Vor allem im Frühling ist die Region ein Traum. Zumal dann, wenn man sie vom Segelboot aus entdeckt. Man sieht mal Wälder, mal strahlend gelbe Rapsfelder, zärtlich auf- und absteigende Hügellandschaften und das pittoreske Arnis – mit 300 Einwohnern und einer Fläche von gerade mal 0,45 Quadratkilometern in jeder Hinsicht die kleinste Stadt Deutschlands.

Die ehemalige Wikingerstadt Haithabu, die sich am westlichen Ende der Schlei befindet, können Sie übrigens getrost beiseite lassen. Statt ein Museumsdorf zu besichtigen, bleiben Sie lieber an Bord Ihres Bootes, lauschen den sanften Wellen und dem Schilf, das der Wind am Ufer der Schlei bewegt. Mehr brauchen Sie hier nicht zu Ihrem Glück.

Eiderstedt

Eine Region wie gemacht für das schöne, gute, glückliche Leben. Kein Wunder, dass die Werbebranche hier aktiv wurde. Der Leuchtturm Westerheversand ist schon vor vielen Jahren als Motiv der Biermarke Jever bekannt geworden. Dass Jever in Wahrheit gar nicht in Schleswig-Holstein liegt, sondern eine Stadt in Niedersachsen ist, hat die Firma offensichtlich nicht daran gehindert, mit dem Spruch "Wie das Land, so das Jever" zu werben.

Auf der Halbinsel Eiderstedt sieht Schleswig-Holstein tatsächlich so aus, wie man es sich südlich der Elbe vorstellt. Tönning und Garding sind ebenso bezaubernde wie verschlafene Kleinstädte. Dazwischen: unendliche Weiten, ein Licht, das seinesgleichen sucht, und ein hübsches Dorf, das den sympathischen Namen Welt trägt.

Am westlichen Ende Eiderstedts liegt St. Peter-Ording, die größte Sandkiste Deutschlands. Zwölf Kilometer lang und bis zu zwei Kilometer breit ist der Strand hier. Ja, der Strand ist so groß, dass man sogar direkt darauf (!) parken darf – einmalig in Deutschland. Und spätestens wenn Sie die Treppe eines der fünf riesigen Pfahlbauten hinaufgegangen sind, in sieben Meter Höhe über der Nordsee thronen und den Sonnenuntergang erleben, wird Sie der Wunsch beschleichen, nie, aber auch niemals wieder von hier fortgehen zu müssen.

Priwall

Der Priwall ist ein Absurdistan deutsch-deutscher Geschichte. Seit fast 800 Jahren gehört diese drei Kilometer lange Halbinsel im Südosten Schleswig-Holsteins zu Travemünde und damit zur Hansestadt Lübeck. Doch während der deutschen Teilung konnten Westbürger den Priwall nicht mehr auf dem Landweg erreichen, und für Ostdeutsche war er ohnehin tabu. Bis 1989 konnte man deshalb nur mithilfe einer Fähre auf den Priwall gelangen.

Doch die aufwendige Anreise lohnte sich – und sie lohnt sich nach wie vor. Der südliche, größte Teil des Priwalls ist Natur- und Vogelschutzgebiet. Im Norden hingegen ahlen sich die Sonnenanbeter hinter Dünen und Wald hüllenlos in feinstem Sand.

Dabei wird ihnen tolle Unterhaltung geboten. Denn an diesem Abschnitt der Lübecker Bucht tummeln sich so viele Boote auf engstem Raum wie sonst nirgends an der Ostsee. Größter Blickfang sind die riesigen Fährschiffe, die von Travemünde aus täglich in Richtung Finnland und Schweden aufbrechen.

Friedrichskoog

Ganz schön mutig. Friedrichskoog wirbt mit dem Satz: "Dies ist das Fleckchen Erde, das Sie schon immer gesucht haben." Kommt eben drauf an, was man sucht. Finden wird man hier auf jeden Fall den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Seien Sie nicht betrübt, falls gerade Ebbe ist, wenn Sie in dem Nordseeheilbad ankommen. Dann sieht es hier nämlich so aus, als hätte man eine eklige, dunkle Brühe ausgekippt. Das ist das Watt.

Zweimal am Tag gibt die See den Meeresboden auf einer Breite bis zu 20 Kilometer frei. Darin finden Sie Muscheln, Krebse und Wattwürmer. Gehen Sie mit bei einer geführten Wattwanderung (nie auf eigene Faust). In Friedrichskoog gibt es sogar nächtliche Touren, bei denen Sie den Sternenhimmel über dem Wattenmeer erkunden können – mehr Romantik geht nicht.

Zum perfekten Glück fehlt dann nur noch ein Krabbenbrötchen. Das holen Sie sich am besten beim Fischhändler Urthel. Der Chef, Alfred Urthel, bekommt seine Krabben vom Kutter seines Bruders – und weil er diese nicht zum Pulen nach Polen oder Nordafrika schicken wollte, wie es so viele andere Firmen aus Kostengründen machen, erfand er eine Krabbenschälmaschine.

Gut für Sie: Hier bekommen Sie tatsächlich Nordseekrabben, die nicht mit Konservierungsmitteln behandelt werden. Dafür müssen Sie sie allerdings spätestens 24 Stunden nach Fang gegessen haben – aber das sollte bei dieser Delikatesse das geringste Problem sein.

Holsteinische Schweiz

Der Name hält, was er verspricht. Der Campingplatz Spitzenort in Plön ist genau das: ein Spitzenort. An drei Seiten von Wasser umgeben, liegt er inmitten des Großen Plöner Sees, dem größten See von Schleswig-Holstein.

Sie können Plön mit Auto oder Bahn erreichen, aber sobald Sie da sind, sollte das Kanu das Fortbewegungsmittel Ihrer Wahl sein. Das ist definitiv die beste Möglichkeit, die Schönheit des Naturparks Holsteinische Schweiz zu genießen. 200 kleine und große Seen prägen die Landschaft, die in der Eiszeit von Gletschern geformt wurde. Und durch viele von ihnen fließt die Schwentine, der heilige Fluss der Slawen, die hier einst lebten.

Im Winter machen Sie am besten einen Abstecher zum nahe gelegenen Bungsberg. Der misst sagenhafte 167,4 Meter und ist damit die höchste Erhebung Schleswig-Holsteins. An den wenigen Tagen, an denen dort mal Schnee liegt, wird die Gegend tatsächlich zu Deutschlands nördlichstem Wintersportgebiet.

Ein Schlepplift bringt Sie in eineinhalb Minuten zum Gipfel. Anschließend können Sie mit Schlitten, auf Ski oder Snowboard die 300 Meter lange Abfahrtspiste hinuntersausen. Dauert gerade mal 25 Sekunden. Ja, oft sind es die kleinen Freuden des Lebens, die in Schleswig-Holstein pures Glück verheißen.

Nord-Ostsee-Kanal

Nirgends ist Schleswig-Holstein so international wie im Nord-Ostsee-Kanal. Allein im vorigen Jahr sind 29.000 Schiffe durch die künstliche Wasserstraße gefahren, die auf 99 Kilometer Länge Brunsbüttel und Kiel miteinander verbindet. Das ist Weltspitze. Zum Vergleich: Der Panamakanal kommt jährlich auf 14.000, der Suezkanal auf 17.000 Schiffe.

Eines der schönsten Dinge, die man in Schleswig-Holstein tun kann, ist deshalb das Boat Watching. Rein rechnerisch schippern ja 80 Pötte pro Tag durch den Kanal. Und das macht man am besten dort, wo sonst überhaupt nichts los ist.

Sie fahren also möglichst nach Dithmarschen oder in die Nähe von Rendsburg, nehmen sich einen Klappstuhl und machen – nichts. Einfach abwarten. Früher oder später sehen Sie dann einen riesigen Containerfrachter oder ein Kreuzfahrtschiff auftauchen und an ihnen vorbeiziehen. Wenige Minuten später ist es fort, Sie entspannen wieder und machen – genau: nichts.

Glückstadt

Gäbe es diese Stadt nicht, man müsste sie erfinden. Schließlich ist in Schleswig-Holstein das Glück zu Hause. Es war Christian IV., seines Zeichens König von Dänemark und Norwegen sowie Herzog von Schleswig und Holstein, der 1617 den Grundstein von Glückstadt legte. Als Konkurrenz zum aufstrebenden Hamburg sollte es eine möglichst uneinnehmbare Festungs- und Hafenstadt werden.

Der Name kommt nicht von ungefähr. Der König war sich von Anfang an darüber im Klaren, dass der Ort an der Elbe eine Oase des Glücks sein soll: "Dat schall glücken und dat mutt glücken, und denn schall se ok Glückstadt heten." Oder auf Hochdeutsch: Das soll glücken, das muss glücken, und dann soll sie (also die neue Stadt) auch Glückstadt heißen.

Von Christians Idee profitieren Sie als Schleswig-Holstein-Besucher noch heute: Rund um den historischen Marktplatz finden Sie verträumte kleine Gassen und stattliche Häuser, die den einstigen Reichtum Glückstadts unter Beweis stellen. Der Glückstädter Matjes ist mindestens so lecker wie der aus Holland.

Und wenn Sie wollen, dann können Sie von Glückstadt aus mit der einzigen Autofähre westlich von Hamburg die Elbe überqueren und sind nach 25 Minuten im niedersächsischen Wischhafen. Aber wer will das schon? Im "Glücksatlas" steht Niedersachsen schließlich bloß auf Platz sieben.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von DIE WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon