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Die am wenigsten besuchten Länder der Welt

Marco Polo-Logo Marco Polo 12.01.2018 Solveig Michelsen
Die am wenigsten besuchten Länder der Welt © gaborbasch, iStock Die am wenigsten besuchten Länder der Welt

Die United Nations World Tourism Organisation (UNWTO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, sammelt fleißig touristische Daten. Dank dieser wissen wir, welche Länder zu den am wenigsten besuchten weltweit gehören.

Europa

Das am wenigsten besuchte europäische Land ist San Marino. Und ja, das liegt ganz klar an seiner Größe bzw. Nicht-Größe. Denn mit gerade mal etwas mehr als 60 Quadratkilometern und rund 33.000 Einwohnern gehört die Enklave, die völlig von Italien umschlossen ist, nunmal zu den Zwergstaaten. Aber: San Marino ist die älteste Republik der Erde und gehört zu den reichsten Ländern der Welt.

Das zweitvernachlässigteste Land Europas ist Liechtenstein. Auch hier ein klarer Fall: Es ist einfach zu klein, um massenhaft Touristen zu empfangen. Denn an Attraktivität fehlt es dem kleinen Fürstentum beileibe nicht. Umgeben von Bergen, samt einem schönen Schloss, lädt es im Sommer zum Wandern, im Winter zum Skifahren ein. Dass auf die rund 37.000 Einwohner „nur“ knapp 70.000 Touristen kommen, ist also verständlich.

Ganz anders liegt die Sache bei Moldawien, das die drittwenigsten Touristenzahlen in Europa zu verzeichnen hat. Eingeklemmt zwischen der Ukraine und Rumänien, besitzt Moldawien keinen eigenen Zugang zum Meer, obwohl es stellenweise nur zwei Kilometer davon entfernt ist. Die Zahl der Sehenswürdigkeiten halten sich in Grenzen, die mangelnde touristische Infrastruktur tut ihr Übriges.

Asien

Die Demokratische Republik Timor-Leste, im Deutschen auch Osttimor genannt, grenzt an Indonesien und ist das einzige asiatische Land, das vollständig südlich des Äquators liegt. Im Osten laden Korallenriffe zum Tauchen und Schnorcheln ein, eine satte Flora machen das Land auch für Naturliebhaber und Wanderer attraktiv. Aus der portugiesischen Kolonialzeit sind etliche Gebäude erhalten geblieben. Warum also so wenig Touristen? Die hohe Kriminalitätsrate und die äußerst labile innenpolitische Lage tragen nicht gerade zum entspannten Urlaubsfeeling bei.

Bangladesch ist vor allem für seinen Bevölkerungsreichtum und seine Armut bekannt. Rund 165 Millionen Einwohner kämpfen hier zum Teil ums tägliche Überleben. Ausgedehnte Sumpfgebiete und die Kombination aus häufigem Hochwasser und der Tatsache, dass sich das Land nur wenige Meter über dem Meeresspiegel befindet, sorgen für zahlreiche Überschwemmungen. Bei einem im Rahmen des Klimawandels prognostizierten Anstieg des Meeresspiegels um nur einen Meter würden bereits 38 Millionen Menschen ihre Heimat verlieren. Für Investitionen in den Tourismus ist deshalb kein Geld vorhanden, obwohl die Teeplantagen und tropischen Regenwälder sicher eine Reise wert sind.

Viel kleiner ist das Königreich Bhutan mit seinen gerade mal 750.000 Einwohnern. Auch hierher kommen verhältnismäßig wenige Touristen, was vor allem an den Vorschriften für Besucher liegt: Nur im Rahmen einer gebuchten Tour und in Begleitung eines lizenzierten Führers ist die Einreise für Urlauber möglich. Dazu kommt der Mindestpreis von 200-250 US-Dollar pro Nacht für jedes Arrangement, was den Billig- und Massentourismus verhindern soll. Das Königreich gibt sich also exklusiv, ist aber ein Reiseziel, das stark im Kommen ist: Die Zahl der Touristen hat sich gegenüber 2012 bereits verfünfzehnfacht.

Ozeanien/Pazifik

Nauru ist ein Inselstaat mit rund 10.000 Einwohnern. Die mikronesische Koralleninsel gehörte aufgrund des Phosphatabbaus bis in die 1990er-Jahre zu den reichsten Ländern der Welt – heute sieht das ganz anders aus. Ein allzu sorgloser Umgang mit dem unverhofften Reichtum, auch seitens der Regierung, ließ den Lebensstandard drastisch sinken. In guten Zeiten waren pro Familie durchschnittlich zwei bis drei Autos sowie ein Motorboot vorhanden, die Gesundheitsversorgung war überall kostenlos und es gab weder Steuern noch Gebühren für behördliche Dienstleistungen. Heute führt Nauru nur noch den traurigen Rekord der Diabeteskranken weltweit an.

Tuvalu, der viertkleinste (Insel-)Staat der Welt, liegt ebenfalls im pazifischen Ozean. Die Kriminalität ist gering, die tropische Fauna und Flora mutet paradiesisch an. Trotzdem kommen auch hierher nur wenig Besucher. Die Reise ist mühsam und aufwändig, die touristische Infrastruktur lässt zu wünschen übrig: Nur sechs Hotels sind in Tuvalu bekannt. Außerdem ist der Inselstaat mit den Folgen des Klimawandels bereits jetzt beschäftigt. Der ansteigenden Meeresspiegel vermischt sich mit den dringend benötigten Grund- und Süßwasserreserven, sodass Tuvalu immer wieder auf die Hilfe von außen angewiesen ist.

Noch weiter draußen im Pazifik und noch akuter vom ansteigenden Meeresspiegel bedroht ist die Republik Kiribati mit ihren 110.000 Einwohnern – es gilt als eines der ersten Länder, die als Folge des Klimawandels im Meer versinken werden. Zwei unbewohnte Korallenriffe sind bereits unter Wasser gesetzt. Eine erste Massenevakuierung der Bevölkerung soll 2020 starten. Kein Wunder, dass auch diese Südseeinseln gerade andere Sorgen haben als den Tourismus anzukurbeln.

Amerika

Mit Montserrat findet eine weitere Insel Eingang in die Liste der am wenigsten besuchten Orte. Sie gehört zu den Kleinen Antillen und ist damit britisches Überseegebiet. Die tropische Karibikinsel schreckt Besucher vor allem durch einen aktiven Vulkan ab, der 1995 zwei Drittel der Inselfläche verwüstete. Noch in einem Umkreis von zehn Seemeilen ist der Geruch nach Schwefelwasserstoff so stark wahrnehmbar, dass das Gebiet offiziell gesperrt ist. Aber Herumschippern in der Gegend ist sowieso nicht angeraten: Es gibt gar keine aktuellen Seekarten von dem Küstengewässer.

Anguilla ist spanisch für „Aal“ und gehört ebenfalls den Kleinen Antillen an. Von Juli bis Oktober ist mit Hurrikanen und anderen starken Stürmen zu rechnen; die Trinkwasserversorgung kann nicht immer garantiert werden. Trotzdem nehmen immerhin rund 80.000 Touristen jährlich die beschwerliche Anreise auf sich. Vor allem auf Reisende des Luxussegments ist man hier gut eingestellt. Die Promi-Dichte ist dementsprechend hoch.

Ein selbstständiger Staat innerhalb der Kleinen Antillen ist Dominica, der ebenfalls von heftigen Stürmen heimgesucht wird. Erst im September 2017 wurden große Teile der Insel vom Hurrikan Maria verwüstet. Die raue Küste und das Fehlen von Sandstränden sind weitere Gründe für das Fernbleiben von Touristen. Die Bewohner nennen sich übrigens „Dominicaner“ – im Gegensatz zu den Dominikanern, den Einwohnern der Dominikanischen Republik.

Afrika

São Tomé und Príncipe, nach den Seychellen der zweitkleinste Staat Afrikas, liegt mit seiner Hauptinsel etwa auf der Höhe von Gabun. Die großen Ölfelder vor der Küste scheinen eine bessere Investition als der Tourismus zu sein, weshalb sich nur wenige Menschen hierher verirren. Doch malerisch sind die Strände schon, weshalb sie auch schon mal für Rum-Werbung herhalten mussten.

Auch von den Komoren in der Nähe von Madagaskar dürften nur wenige gehört haben. Sie gehören zu den ärmsten Ländern der Welt; die Analphabetenrate wird auf satte 50 Prozent geschätzt. Vor den Küsten warnt das Auswärtige Amt vor Piratenangriffen und Kaperungen, Linienboote sind in keinem sicheren Zustand und Treibstoff ist rar. Auch die innenpolitische Lage gilt als recht instabil. Schade, denn der vulkanische Ursprung der Insel lässt eine üppige Natur gedeihen.

Sierra Leone im Westen Afrikas kennt man immerhin vom Namen nach. Nach einem langen Bürgerkrieg und der 2014 ausgebrochenen Ebolafieber-Epidemie gehört der Staat zu den am niedrigsten entwickelten Ländern. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt hier bei 51 Jahren; auf 500.000 Einwohner kommt nur ein Arzt. So lernen nur wenige Touristen die wunderschönen Strände und die herzlichen Bewohner kennen.

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