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Glück und Umsicht: Bhutan schützt sich vor Massentourismus

Schaufenster-Logo Schaufenster vor 5 Tagen Von Resi Tasser
© Bereitgestellt von Styria Digital One GmbH

Bis in die 1980er-Jahre war Bhutan eine Art sagenumwobenes Land im Himalaja, das von uralten Traditionen, Dämonenglauben, vom Buddhismus, von Mönchen und einem absolutistischen König bestimmt wurde. Auf der touristischen Landkarte war Bhutan ein vollkommen weißer Fleck, weil es sich mit Erfolg und durchaus aus Kalkül vom Rest der Welt (im Nachbarsfall China und Indien) abgeschottet hatte. Zunehmend hat sich das Bild in den vergangenen Jahren gewandelt: Der gebirgige Kleinstaat hat sich geöffnet, sich wirtschaftlich und infrastrukturell entwickelt, nicht aber rasant und mit massiven Eingriffen in Landschaft und Natur, sondern bedächtig, mit Umsicht. Heute gilt Bhutan als Schwellenland.

Die Verbindung mit Österreich ist nach wie vor sehr eng, schildert Michael Raffling, der lang im Einsatz der Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) war,die sich auf „good governance“ im Sinn von Bildung, erneuerbarer Energie, sanftem Tourismus und der Erhaltung von Kulturgütern konzentriert hat. Raffling ist beratend für Bhutan tätig und wird im März2019 eine Sonderreise der „Reisethek“ begleiten. Bhutan habe, auch um nicht in Abhängigkeit von großen Nationen zu geraten, in den vergangenen Jahrzehnten Entwicklungshilfe durch kleine westliche Länder wie die Schweiz, die Niederlande, Dänemark und eben auch Österreich erfahren, schildert Raffling. Heute ist nur mehr das Büro der Österreicher aufrecht, was letztlich Bhutans guter wirtschaftlicher Entwicklung geschuldet ist. Seit Jahren erhalten junge Menschen aus Bhutan etwa ein Stipendium für eine Tourismusausbildung in Österreich – „wobei es schon erstaunlich ist, dass seit all den Jahren wirklich jeder nach der Ausbildung wieder zurückgekehrt ist. Die Menschen in Bhutan haben eine sehr starke Verbindung zu ihrem Land“, schildert Raffling. Die 750.000 Bhutaner halten sichtbar an den Traditionen fest, sei es in Gebräuchen, sei es bei der Kleidung. Ketten existieren im Stadtbild von Thimphu oder Paro nicht. Die Zeichen westlichen Konsums halten sich in Grenzen.

Die Zusammenarbeit mit Österreich hatte auch direkten Einfluss auf die Hotellerie, an deren Klassifizierungssystem Raffling beteiligt war. „Ich kenne jedes einzelne der rund 160 Häuser“, schildert der Tourismusexperte. Eine Zahl an Beherbergern, die ausreichend für eine Destination mit jährlich rund 70.000Ankünften scheint. Gemessen an Orten im Alpenraum, die bis zu eine Million Ankünfte verzeichnen, ist die Zahl an Touristen verschwindend – was gewollt ist. Bhutan schützt sich vor Massentourismus beziehungsweise zunehmendem Overtourism weltweit durch finanzielle Auflagen für den Besucher: Ungefähr 250 Dollar fallen pro Person pro Tag an, ein kleinerer Teil ist Steuer, ein größerer geht an den Touroperator für Transport und Basishotellerie, die einem Drei-Stern-Niveau entspricht. Für Übernachtungen in der Vier- und Fünf-Stern- beziehungsweise in der absoluten Luxuskategorie (auch diese gibt es) fallen zusätzliche Kosten an.

Lang war Bhutan für Touristen nur über den Luftweg erreichbar, der Besucher landete in Paro, der zweitgrößten Stadt des durch kleine Straßen erschlossenen Landes. Nun gibt es für den Besucher ein paar wenige offene Grenzübergänge aus Indien. Ein beeindruckendes Erlebnis, hier einzureisen, wie Raffling beschreibt, denn hier geht es vom Flachland schnell hinauf in beträchtliche Höhen. Die Verbindung nach China beziehungsweise Tibet indessen ist gekappt, wenngleich Schmuggelware dort immer ihren Weg findet.

Durch einen gesonderten Vertrag, der ursprünglich aus einem Konflikt im 19. Jahrhundert mit den Briten herrührt, unterliegt die Einreise von indischen Staatsbürgern hingegen keinen Auflagen – die nun verstärkt die kühleren Höhen des Landes als Sommerfrischeziel anpeilen, allerdings in der „Nebensaison“, im Sommer. Manche Pässe gehen bis auf 4000 Meter hinauf, die Straßen sindeng, die Wege weit. Umgeben ist Bhutan im Norden von einem Kranz aus Bergriesen, mancher davon ein Siebentausender. Doch der Bhutan-Besucher ist weniger ein Trekking-, vielmehr ein Kulturtourist, der Klöster und Tempel besucht und immer wieder direkten Kontakt zur lokalen Bevölkerung hat. Wie es sein „Bruttonationalglück“ tatsächlich lebt, erfährt der Besucher hier ebenfalls: nicht per se glücklicher, aber mit dem Fokus auf den Schutz der Natur und die Erhaltung kultureller Identität.

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