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Natur im Wandel: Teilnehmer der Wanderung entdeckten die Vielfalt der Schmetterlinge

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 23.07.2018 ksta

Der Braunstirn-Weißspanner, den Insektenexperte Jelinek am Feldrand gefangen hat, ist eigentlich ein Nachtfalter. © Führer Der Braunstirn-Weißspanner, den Insektenexperte Jelinek am Feldrand gefangen hat, ist eigentlich ein Nachtfalter.

Karl-Heinz Jelinek kann Schmetterlinge schon an ihrem Flugbild erkennen. „Der Distelfalter zum Beispiel fliegt ungestüm, leicht zappelig. Seine Bewegungen sind kräftig und schnell.“

Von Vorteil ist es trotzdem, heimische Arten sowie deren Größe und Muster zu kennen. Manchmal hilft aber selbst das nicht, wie etwa bei dem großen und dem kleinen Kohlweißling. „Ich habe schon große Kohlweißlinge gesehen, die klein waren. Und Kleine, die eher an große Kohlweißlinge erinnert haben“, sagt Jelinek.

Die Teilnehmer der naturkundlichen Wanderung durch das Marienfeld, die der Insektenexperte leitete, mussten also genau hinsehen.

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Zweite Generation schlüpfte früh

Die Schmetterlinge gehören zu den wenigen Tieren, die vom trockenen Sommer profitieren. © Führer Die Schmetterlinge gehören zu den wenigen Tieren, die vom trockenen Sommer profitieren.

Während der Wanderung hoffte Jelinek vor allem auf den Schwalbenschwanz. Der große schwarz-gelbe Falter durchstreift das Gebiet um den Papsthügel auf der Suche nach geeigneten Orten für die Fortpflanzung – oder „Rendezvous-Plätzen“, wie sie Jelinek nennt.

Wie bei anderen Schmetterlingsarten ist die zweite Generation in diesem Jahr ungewöhnlich früh geschlüpft. Grund ist das Wachstum vieler spezialisierter Pflanzenarten, die von der Trockenheit profitieren. Und die sind gleichzeitig bevorzugte Nahrung der Schmetterlinge.

Fremde Arten werden heimisch

Die Wanderung wurde vom Insektenexperten Karl-Heinz Jelinek geleitet. © Führer Die Wanderung wurde vom Insektenexperten Karl-Heinz Jelinek geleitet.

Den Schmetterlingsbeobachtern fiel aber nicht nur die ungewöhnlich hohe Anzahl der Tiere auf, sondern auch einige Arten, die es hier eigentlich nicht geben sollte, waren zu sehen. Schon Ende Juni beobachteten Entomologen zum ersten Mal den Zwergbläuling im Rhein-Erft-Kreis. Wanderungsteilnehmer Ulrich Häsel, eigentlich Experte für Libellen, vermutet den Klimawandel als Ursache. „Mediterrane Arten kommen immer häufiger nördlich der Alpen vor.“

Damit meint er nicht den Admiral, der je nach Jahreszeit zwischen Nord- und Südeuropa wandert, sondern Arten, die ursprünglich nur im Süden zu finden waren. Dazu zählt beispielsweise der kurzschwänzige Zwergbläuling. Einen Sonderfall stellt der Sonnenröschen-Bläuling dar. Die Trockenrasen bevorzugende Art kam bis vor einigen Jahren noch in der Eifel vor, starb dort aber aus.

Manche Schmetterlinge können sich anpassen

Das Insektensterben hat auch die Schmetterlinge erfasst. © Führer Das Insektensterben hat auch die Schmetterlinge erfasst.

Mittlerweile entdecken Schmetterlingsforscher ihn allerdings wieder häufiger. Das liege daran, dass er sich an eine veränderte Umwelt angepasst habe, erklärt Häsel. „Früher war er ein Spezialist, jetzt ist er ein Generalist.“ Trotz der positiven Entwicklung der Schmetterlingsfauna auf dem Marienfeld gibt Jelinek keine Entwarnung. Das Insektensterben hat auch die Schmetterlinge erfasst, Arten sterben aus, und Populationen werden kleiner.

„Anfang der 2000er habe ich bei meinen Rundgängen in der Ville noch 300 Schornsteinfeger gezählt. Heute sind es manchmal nur 30.“ Von den gelbwürfeligen Dickkopffaltern, früher recht häufig zu finden, zähle er manchmal nur noch ein bis zwei Exemplare.

Die Gründe für den Schmetterlingsschwund sind für den Experten klar. Es gebe kaum noch Brachland, Feld- und Waldränder würden während der Hauptblütezeit gemäht, und der Boden sei durch intensive Landwirtschaft überdüngt. Eine einfache Maßnahme helfe den Insekten sehr: wilde Blumen blühen lassen.

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