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Stoneman Miriquidi: MTB-Runde für Anfänger und Könner

Marco Polo-Logo Marco Polo 06.06.2018 Solveig Michelsen
© Tourismusverband Erzgebirge

Warum im Erzgebirge radeln, wenn man alpenverwöhnt ist? Dafür gibt es etliche Gründe. Die beiden schlagkräftigsten sind die Traildichte und die Natur. Die dichten, moosigen Wälder, die fröhlich mäandernden Bäche und die stillen Seen lassen einen darüber sinnieren, dass Deutschland vor langer Zeit überall so ausgesehen haben muss. Am nadelwaldbestandenen See fühlt man sich indes an Kanada erinnert (das Tuten der Schmalspurbahn geht mit viel Phantasie als Wolfsgeheul durch), beim Grenzbasar am Verkehrskreisel von Johanngeorgenstadt an Nordafrika. Auch hobbithausähnliche Imbissbuden, Basaltsäulen, Eishöhlen und liebevoll gestaltete Rastgelegenheiten gehören zu den Überraschungen entlang des Wegs. Wollte man sie alle gebührlich genießen, müsste man noch ein paar Extra-Tage anhängen.

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Flexible Routenplanung - oder doch lieber eine Trophäe?

Aber genug geträumt. 4400 Höhenmeter und 162 Kilometer wollen schließlich erstrampelt werden. Natürlich geht das auch mit E-Bike-Unterstützung (für diese Kategorie wird eine eigene Wertung eingerichtet), aber das Gros der Biker kurbelt die insgesamt neun Gipfel aus eigener Muskelkraft hinauf. Auf fast jedem „Hübel“ (sächsisch für Hügel) steht ein Aussichtsturm samt Gaststätte (lange Wartezeiten aufs Essen einplanen oder „schnellen Teller“ vorbestellen!). Das erleichtert das Oben-Ankommen enorm und in vielen Betrieben kann auch übernachtet werden. Die insgesamt 23 Partnerhotels und -pensionen im Tal und am Berg lassen eine flexible Routenplanung zu. Alle „Finisher“, die die Strecke in bis zu drei Tagen fahren, erhalten (der Erwerb eines so genannten Starter-Pakets vorausgesetzt) eine steinerne Trophäe – je nach Anzahl der Tagesetappen in Gold (für 1 Tag), Silber (2 Tage) oder Bronze (3 Tage). Nachgewiesen wird die befahrene Strecke durch eine Karte, die auf jedem Gipfel gelocht werden muss. Aber auch für andere Dinge ist ein solches Starter-Paket durchaus sinnvoll. Es enthält eine Karte des Stoneman Miriquidi samt Höhenprofil, Einkehrmöglichkeiten und Hinweise auf weitere Highlights entlang der Strecke. Darüber hinaus ist der Eintritt ins Trailcenter Rabenberg inklusive. Gerade für Biker, die den Trailanteil erhöhen wollen, ist das ein echtes Schmankerl, also unbedingt ein paar Kraftreserven dafür einplanen! Die Trails im ersten Trailpark Deutschlands bieten viel Fahrspaß, sind gut in Schuss und machen definitiv Lust auf mehr. Uphill geht es ebenso per Trail – by fair means.

Annehmlichkeiten entlang der Strecke

Doch selbst ohne den „Extra-Kick“ ist der Rundkurs abwechslungsreich genug – sowohl was die Wegbeschaffenheit angeht als auch die Landschaft und die kleinen Annehmlichkeiten entlang der Strecke. So bietet ein Anwohner am Zaun Apfelsaft zum Selbstpressen an, während ein anderer Erzgebirgsbewohner seinen Schrebergarten zur Verfügung stellt, um müden Radlern einen schönen Rastplatz zu bieten. Kühlschrank mit kalten Getränken und kleinen Snacks auf Spendenbasis inklusive. Daran lässt sich ablesen, wie positiv die lokale Bevölkerung dem Stoneman-Projekt gegenübersteht. Während man als Mountainbiker nicht überall willkommen ist, wird man hier mit offenen Armen und vor allem viel Kreativität empfangen.

Unterwegs pedaliert man oft alleine vor sich hin, erst an den Rastplätzen versammeln sich wieder bekannte Gesichter. Wer noch einsamer unterwegs sein möchte, wählt statt des üblichen Ausgangspunkts Oberwiesenthal einfach einen anderen Startort. Knapp 50 Kilometer bewegt man sich auf tschechischem Gebiet, davor schon oft an der Grenze entlang, die von oben unschwer zu erkennen ist: Die schwarzen Hausdächer gehören zu Deutschland, die rot bedachten Häuser stehen auf tschechischer Seite.

Traumhafte Ausblicke

Im Nachbarland sind die Wälder noch dichter, die Natur noch ursprünglicher und das MTB-Erlebnis noch intensiver. Immer wieder eröffnen sich weite Ausblicke auf eine weite, wellige Hügellandschaft ringsum, die sogleich vergessen lässt, wie anstrengend die Auffahrt war. Rund 10.000 Mountainbiker sind die Strecke seit ihrer Eröffnung im Jahr 2014 schon gefahren, rund 4.000 davon allein im Jahr 2017, Tendenz steigend. Die große Beliebtheit hat der Stoneman Miriquidi auch seinen fleißigen Streckenpaten zu verdanken, die sich um einen vorbildlichen Zustand der Wege und Trails kümmern. Auch die Beschilderung ist so perfekt – kurz nach jedem Abzweig folgt eine Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist –, dass man auf's GPS getrost verzichten kann. Lediglich auf tschechischer Seite muss man an einigen wenigen Stellen die Augen offen halten, um das Stoneman-Symbol zu entdecken.

Beste Radelzeit

Besonders empfehlenswert ist der Mountainbike-Rundkurs übrigens im Frühjahr und Herbst, vor bzw. nach der großen Hitze. Zu Saisonende im Oktober (4.-6.10.2018) bietet sich noch ein ganz besonderes Event an: der Miriquidi zusammen mit Roland Stauder, dem ehemaligem Radprofi und Begründer aller Stoneman-Strecken. Für Radrennfahrer gibt es ab 16. Juni 2018 eine eigene Strecke im östlichen Erzgebirge (192 Kilometer, road.stoneman-miriquidi.com). Wer Blut geleckt hat und weitere Stoneman-Trophäen sammeln möchte, wird auch in den Dolomiten („Dolomiti“) fündig, in der Schweiz (Glaciara“) und ab Juli 2018 in Österreich („Taurista“).

Details und weitere Infos unter www.stoneman-miriquidi.com

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von Solveig Michelsen

Diese Recherchereise wurde zum Teil unterstützt vom Tourismusverband Erzgebirge.

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