Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Ein Tag, drei Inseln – eine Kreuzfahrt im Zeitraffer

WELT-Logo WELT 05.10.2018

Idylle in Poros: Eigentlich zu schön nur für einen Stopover © The Image Bank/ Getty Images Idylle in Poros: Eigentlich zu schön nur für einen Stopover

Atemlos durchs Mittelmeer: Im Saronischen Golf kann man von Piräus an einem Tag gleich drei Inseln ansteuern – Hydra, Poros und Ägina. Wie das funktioniert? Unser Autor hat die Kreuzfahrt getestet.

Die exklusivste Kabine bleibt heute frei. Kein Wunder, ans Schlafen ist auf dieser Kreuzfahrt ohnehin nicht zu denken. Wer will die Zeit schon auf dem riesigen Bett verbringen, während das Schiff einen ganzen Tag lang mit einem intensiven Kompaktprogramm durch die tiefblauen Gewässer des Saronischen Golfs südlich von Athen schippert?

Der Ablauf ist schließlich denkbar straff durchgetaktet – und entsprechend ambitioniert. Vielleicht nicht so ambitioniert, wie ganz Europa in sieben Tagen sehen zu wollen. Aber immerhin werden auf dieser sogenannten Day Cruise – der einzigen dieser Art in Europa – mit Hydra, Poros und Ägina gleich drei Inseln an einem Tag angesteuert.

Schon morgens gilt es daher, keine Zeit zu verlieren. Punkt 7.15 Uhr steht der Shuttle vor dem Hotel, und nur wenige Minuten später ist man an Bord der "Cosmos" im Hafen von Piräus. Eine halbe Stunde vor dem Ablegen wirkt das Tageskreuzfahrtschiff recht voll – ist aber nur zu zwei Dritteln belegt.

"Ungefähr 400 Leute sind heute dabei", wird Jannis Balok, der Cruise Director, später sagen. Die verteilen sich auf drei Decks, auf denen es auch eine Business-Lounge, eine VIP-Lounge, zwei Shops und insgesamt sechs Bars gibt.

Die meisten Passagiere, die das Standardpaket gebucht haben, zieht es aufs Sonnendeck. Nur die griechischen Mitfahrer bleiben offenbar lieber drinnen in einer der klimatisierten Lounges und im Schutz vor Sonne, die schon früh intensiv vom Himmel brennt. Deutlich weniger rummelig geht es in der VIP-Lounge zu. Wer sich für diese gehobene Kategorie entscheidet, bekommt die Einlasskarte für die Schiebetür und landet in einer ruhigen Oase mit bequemen Polstern und viel Platz.

Das ist nicht der einzige Vorzug des VIP-Pakets: Auf den Touren muss man beim Aussteigen auf den Inseln nicht mit den Economy-Passagieren anstehen. Wie intensiv das Programm letztlich sein soll, kann man entscheiden: Will man den ganzen Tag entspannt angehen? Oder doch das komplette Ausflugspaket dazubuchen?

Erster Anlaufpunkt des Kreuzfahrtschiffs ist Hydra

Inzwischen ist es kurz nach 8 Uhr, eigentlich sollte das Schiff jetzt schon unterwegs sein. Doch zu Beginn kommt der Zeitplan wegen eines ärztlichen Notfalls etwas ins Trudeln. Einige Minuten später eilt das Schiff dann aber mit 60 Knoten los. Die Ankunft auf Hydra ist für 10.45 Uhr geplant. Erst gibt es dann aber noch einen zeitlichen Rückschlag. "Wegen des starken Verkehrs im Hafen verzögert sich die Ankunft leider noch einmal ein wenig", sagt Kapitän Kostas Veletakos durch.

Um 11.20 Uhr legt das Schiff schließlich an, und die Passagiere schieben sich ohne Drängeleien an Land. Eine große Uhr erinnert sie im Vorbeigehen, dass sie in 95 Minuten zurückströmen müssen aus dem Altstadtlabyrinth des einzigen Städtchens auf der Insel.

Dort, also auf dem ganzen Eiland, fahren bis heute keine Autos – sieht man vom Müllwagen, der Feuerwehr und der Ambulanz ab. Transportiert wird vieles nach wie vor auf Eseln und Mulis, die im Hafen stehen. Auch wenn die Insel mondäner und touristischer geworden ist, scheint einiges noch so wie in den 1960er-Jahren.

Damals zog es zahlreiche Künstler nach Hydra, darunter ein noch recht unbekannter Kanadier, der auf der Insel seine Inspiration fand: Leonard Cohen. Einige Jahre lebte er hier, traf seine Liebe Marianne Ihlen aus dem späteren Song "So Long, Marianne" und kaufte sich ein Haus, das der Familie des im Jahr 2016 Verstorbenen bis heute gehört. Um es während des Kreuzfahrtstopps zu sehen, müsste man sich etwas beeilen und den ehemaligen Eselspfad hochlaufen.

In der Kirche prallen Reisegruppen aufeinander

Die Tour der Eintageskreuzfahrt sieht aber keinen Cohen-Abstecher vor. Guide Georgia Balok schleust ihre Gruppe mit englischen, über ein Mikrofon verstärkten Erklärungen durch den Ort und die historischen Sehenswürdigkeiten.

Dabei erzählt sie von der Seefahrervergangenheit der Insel und dass sie Sitz der ersten Kapitänsschule Griechenlands war; sie lenkt den Kreuzfahrerschwarm vorbei an Tavernen und edlen Shops bis ins orthodoxe Kloster aus dem 16. Jahrhundert.

In der Kirche ziehen alle an der Ikone der Jungfrau Maria vorbei, bevor es nebenan im kleinen, der sakralen Baukunst gewidmeten Ecclesiastical Museum zwischen all den religiösen und historischen Artefakten auf einmal ziemlich eng wird. Die englische Gruppe kollidiert mit der spanischen, sodass man zum Ende der Führung gewissermaßen akustisch zwischen zwei Touren gefangen ist. Also lieber wieder raus, damit trotz der Schiffsverspätung noch ein Moment zum Herumschauen bleibt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Das sind die kleinsten Länder der Erde

Shoppen an Bord zum Schnäppchenpreis

"Weil heute so viel los ist, will die Hafenbehörde, dass wir den Hafen schnell wieder verlassen", erklärt Kreuzfahrtdirektor Balok. "Fehlt jemand, können wir hier höchstens zehn Minuten warten."

Alle sind vereinbarungsgemäß um 12.55 Uhr zurück, und man kann in der VIP-Lounge die Eindrücke entspannt einsickern lassen – allerdings nur für ein paar Minuten, denn der nächste Programmpunkt steht an: das Mittagessen, begleitet von Werbung im Bord-TV: "Gibt es bessere Möglichkeiten zu shoppen als beim Segeln auf dem offenen Meer?"

Offenbar nicht, denn nach dem Essen drängen sich in dem Minimarkt an Bord vor allem Frauen auf engstem Raum. Hosen gibt es ab fünf Euro, Accessoires ab vier Euro, Kleider in Einheitsgröße ab zehn Euro. Der Ausblick vom Schiff ist da deutlich spannender.

Das hat die die Verspätung mittlerweile wieder aufgeholt und fährt durch eine schöne Meerenge: Galatas auf dem Peloponnes trennt dort nur wenige Hundert Meter von Poros, der kleinsten Insel auf der Tageskreuzfahrt. Dort schaukeln vor der Promenade unzählige Boote im Meer. Dahinter stapeln sich die weißen Häuser den Hang hinauf.

Schnell ein Selfie auf Poros, dann zur nächsten Insel

Passend zu dieser auf die Minute durchgetakteten Tour ist die Hauptsehenswürdigkeit auf Poros ein Uhrenturm, der in den 1920ern auf dem Hügel errichtet wurde und aus der Altstadt herausragt. Um 14.07 Uhr machen sich die meisten Passagiere auf dem nicht mal einstündigen Blitzlandgang auf den Weg und laufen auch ohne gebuchte Tour im Entenmarsch los.

Oben angekommen bleibt Zeit für ein Selfie auf den Felsen neben der griechischen Flagge, für einen Blick über Insel und Meer und für hektisches Souvenirshopping auf dem Rückweg.

Um 14.57 Uhr wird dann schon wieder an Bord gegessen: Obst und Kuchen in der VIP-Lounge, während in der Economy-Klasse jetzt erst Mittagessen serviert wird, und man sich für eine Tour auf Ägina, der letzten Insel, entscheiden muss. Badeausflug? Kloster? Antike Tempelausgrabung?

Weil Sightseeing in Griechenland ohne Ruinen nicht komplett ist, fällt die Wahl auf die Antike. Im Hafen steigt die Gruppe dafür gegen 16 Uhr in einen Bus und fährt ein paar Kilometer über die schmalen, kurvigen Straßen Äginas.

Durch die Fensterscheiben bekommt man immerhin auch einen Minimaleindruck vom Rest der Insel, bevor der Bus vor dem Aphaiatempel auf einer Bergkuppe stoppt: einer eindrucksvollen, jahrtausendealten Ruine mit mächtigen Säulen und Opferaltar. "Dies ist einer der ältesten, am besten erhaltenen Tempel Griechenlands", erklärt Guide Maria, bevor sie auf die Pistazien hinweist, für die die Insel ebenso berühmt ist.

Pistazien vor dem Tempel auf Ägina

"Die besten der Welt", heißt es selbstbewusst. Rund 30.000 Pistazienbäume gibt es auf Ägina. Der Boden sei hervorragend für den Anbau, das Klima auch. Einmal im Jahr wird geerntet, dann das ganze Jahr über verkauft, was schwer zu übersehen ist.

Am Stand vor dem Tempel landet daher eine Tüte in der Tasche und eine Kugel Pistazieneis im Becher. Nach einem Umweg über die Agios Nektarios, die zweitgrößte Kathedrale Griechenlands, spuckt der Bus die Passagiere schließlich gegen 18 Uhr wieder vor dem Schiff aus.

MR1 | date created: 2006:04:13 © The Image Bank/Getty Images MR1 | date created: 2006:04:13

An Bord fordern ein Musiker und folkloristische Tänzer zu griechischer Musik im Unterdeck die letzten Energiereserven heraus – mit Erfolg. Eine holländische Frauengruppe legt tanzend los. Ein paar spanische Paare lassen sich auch nicht lange bitten.

Das Duo heizt ein, bevor man abgefüllt mit Eindrücken und Essen auf dem Sonnendeck zusammensinkt und im weichen Licht der untergehenden Sonne darüber nachdenken kann, warum Kreuzfahrten eigentlich immer so hektisch sind. Viel Zeit bleibt dafür aber nicht, denn pünktlich um 19.30 Uhr, 690 Minuten nach dem Ablegen, legt die "Cosmos" wieder im Hafen von Piräus an.

Tipps und Informationen

Anreise: Athen ist von mehreren deutschen Städten etwa mit Aegean Airlines, Lufthansa oder Easyjet erreichbar. Vom Flughafen aus ist man mit der Metro oder dem Bus X96 innerhalb einer Stunde am Hafen von Piräus.

Kreuzfahrt: Das Standardpaket der Athens Day Cruises kostet 100 Euro (inkl. Mittagsbüfett und Folklore-Show), das VIP-Paket mit Appetizer, Hoteltransfer, Softdrinks, Lounge-Zugang, Mittagessen und einer Tour liegt bei 245 Euro. Die Kreuzfahrten werden das ganze Jahr über täglich angeboten (evermorecruises.gr).

Unterkunft: "Phidias Piraeus": modern und günstig, kurzer Fußweg zum Hafen, gratis Shuttleservice. Doppelzimmer ab 60 Euro (hotelphidias.gr); "Poseidon Hotel": eine kurze Taxifahrt zum Hafen, an der Strandpromenade von Palaio Faliro, Doppelzimmer ab 120 Euro (poseidonhotel.com.gr)

Tipp der Redaktion: Nach der Turbokreuzfahrt mit der Fähre einfach noch einmal für einen längeren Besuch nach Hydra fahren. So hat man Zeit für die Spuren Leonard Cohens, Gassenerkundungen in der Altstadt und die abendliche Inselatmosphäre ohne Tagestouristen.

Auskunft:discovergreece.com

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Discover Greece und Evermore Cruises. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter axelspringer.de/unabhaengigkeit.

Mehr auf MSN

Video wiedergeben

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon