Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Von antiken Stätten geht es direkt an den Strand

WELT-Logo WELT 02.06.2018
Beach in Cartagena © Getty Images/Fotografía de juandevillalba Beach in Cartagena

Weil der nächste Flughafen weit weg ist, ist die spanische Region Murcia auch in der Hochsaison nicht überlaufen. Dabei ist sie reich an antiken Stätten und schönen Stränden. Auch Taucher finden hier ihr Glück.

Der Hafen von Cabo de Palos ist nur noch ein Punkt am Horizont, die Gäste im Schlauchboot sind in Neopren gepackt. Endlich stoppt das Boot an einer Boje mitten im Blau. Einer nach dem anderen plumpsen die Taucher ins Wasser. Unten wartet der Bajo de Dentro, ein einsamer Felsen vor der Costa Cálida, der es nicht ganz bis zur Wasseroberfläche geschafft hat.

Das könnte Sie auch interessieren:

Azoren: atemberaubende Inselschönheiten

Die Taucher hangeln sich am Bojenseil nach unten auf den Gipfel des Unterwasserbergs und umrunden ihn langsam. Große Thunfische und Schwärme silberner Makrelen jagen umher, Barrakudas mit Furcht einflößendem Gebiss und starrem Blick stehen stoisch in der Strömung. Riesige Zackenbarsche schauen vorbei, und eine Nacktschnecke zeigt ihr buntes Kleidchen. So viel Leben auf einmal findet man im Mittelmeer selten.

Der Grund für so viel Biodiversität: Ziemlich genau dort, vor der Küste der südostspanischen Region Murcia, endet der Einfluss des Atlantiks. Bis dahin schwappt der Ozean ins Mittelmeer.

Weil es elf Meilen vor der Küste abrupt auf 1500 Meter Tiefe abfällt, fühlen sich sogar Finnwale wohl. Ebenso besonders, wenngleich unendlich viel kleiner, sind die Seepferdchen, die man nur mit viel Glück findet, weil sie sich meist im Seegras gut getarnt verstecken.

Noch keine Touristenmassen an Murcias Stränden

Die von Vulkanen ausgespuckten Unterwasserberge wie der Bajo de Dentro sind aber nicht nur ein Treffpunkt für Fische, sondern auch eine Todesfalle für Schiffe. In Cabo de Palos feiert man bis heute die heldenhaften Fischer, die 1906 fast die Hälfte der 1000 Passagiere des Luxusdampfers "Sirio" retteten.

Als er am 2. August vor der Küste sank, sprangen die Menschen in Panik ins Wasser, wo sie von Fischerbooten aufgesammelt wurden. Doch die mehrschichtigen Kleider der weiblichen Passagiere saugten sich voll und zogen die Frauen wie Steine nach unten.

Ein Fischer hatte die rettende Idee: Er rammte den Bug des größten Helferschiffes in den sinkenden Dampfer. So entstand eine Behelfsbrücke, über welche die noch an Bord befindlichen Frauen das Unglücksschiff verlassen konnten.

250 Kilometer Küste besitzt die Provinz Murcia mit ihrer gleichnamigen Provinzhauptstadt. Dass man an den Stränden ihrer Costa Cálida fast nur Spanisch und in Bars lediglich ein bisschen Englisch hört, liegt an ihrer Lage: Die nächsten Flughäfen mit internationalen Verbindungen auch nach Deutschland liegen viele Kilometer im Norden (Alicante) oder schon tief im Süden (Almería).

Das erspart der Region bislang touristische Masseninvasionen. Von den Bausünden des Billigtourismus blieb Murcias Küste aber nicht überall verschont. Hotelbunker in Reihe konzentrieren sich vor allem an dem Mar Menor, dem kleineren Meer, das von der gut 20 Kilometer langen Landzunge La Manga vom Mittelmeer abgegrenzt ist.

Cartagena ist reich an archäologischen Schätzen

Wer das wahre Murcia und dessen Geschichte kennenlernen will, meidet diese Gegend und steuert lieber das nahe gelegene Cartagena an. "Die Stadt ist eine Schatztruhe voller Altertümer", schwärmt Stadtführerin Encarna.

Man findet punische Zitadellen, ägyptische Tempel, byzantinische Stadtmauern und christliche Kathedralen, vor allem aber Relikte der Römer. Wunderbar beschattet von dunklen Zypressen, thront auf einem Hügel oberhalb des Hafens ein Römisches Theater, das Bauarbeiter erst 1987 zufällig entdeckten. Die Arbeiten zur Freilegung begannen Anfang der Neunzigerjahre.

Vom zugehörigen Museum am Rathausplatz führt ein Gewölbegang über römische Mosaike und antike Dächer längst überbauter Häuser direkt in das steinerne Theater. Ein Amphitheater auf dem Nachbarhügel ist dagegen noch nicht komplett ausgegraben, nur Mauerreste sieht man. Was noch nicht sichtbar ist, ruht unter den Resten einer Stierkampfarena.

Der Bau aus dem ersten Jahrhundert bot einst 11.000 Zuschauern Platz und diente Gladiatorenkämpfen. Die historische Bedeutung Cartagenas dokumentieren allein die monumentalen Verteidigungsanlagen am Hafen, deren Dimensionen vor allem während einer Hafenrundfahrt deutlich werden.

Delfine begleiten das Touristenboot

Weiter raus aufs Meer nimmt Joaquin Puce die Touristen. Ganzjährig legt er im ein paar Kilometer westlich von Cartagena gelegenen Puerto de Mazarrón zu Wal- und Delfintouren ab. "Bis zu 600 Kilogramm schwere Rundkopfdelfine, fünf Meter lange Grindwale, große Tümmler, gemeine Delfine mit gelbem Bauch und Streifendelfine leben hier", sagt er.

Außerdem kämen regelmäßig Pottwale sowie die noch größeren Finnwale vorbei. Damit seine Gäste erkennen, was sie sehen, illustriert der Guide das Ganze mit Bildern. "Falls wir überhaupt was sehen", spötteln die Zweifler an Bord.

Sie verstummen bald, denn schon tauchen erste Flossenspitzen aus dem aufgewühlten blaugrauen Ozean. Erst ein Delfin, dann zwei, drei, viele, darunter eine Mama mit Nachwuchs. Die Tiere begleiten das Boot, spielen mit den Wellen.

Fast zwei Stunden geht das so, während das Schiffchen sechs Meilen vor der Küste durch die Wellen kreuzt. Nur die großen Wale lassen sich nicht blicken. Irgendwann haben auch die Seefesten genug und kehren gerne in die ruhige Bucht zurück, wo ein Leuchtturm und eine Christusstatue über die Sicherheit der Seefahrer wachen.

Águilas wirbt mit den schönsten Stränden

Wer lieber badet, ist in Águilas richtig. Der Ort wirbt mit den angeblich schönsten Stränden in der ganzen Bucht von Murcia. Zumindest die Auswahl ist mit 35 üppig. Auch hier siedelten einst die Römer – wegen der reichen Fischbestände.

Silber, Eisen und Blei aus den umgebenden Bergen trugen zum Wohlstand des Städtchens bei, das sich mit einer imposanten Festung gegen Piraten verteidigte. Seinen Namen verdankt Águilas (Deutsch: Adler) einem merkwürdig geformten Felsen am Eingang der Bucht, der tatsächlich einem Vogel ähnelt.

Im Hafen herrscht tagsüber gähnende Leere, dann sind fast alle Boote zum Fischen draußen. Der frische Fang wird abends direkt verkauft und landet kurz darauf auf den Tellern der Restaurants. "Garnelen und Oktopus sind außergewöhnlich zart wegen des sandigen Bodens hier", sagt Kapitän Carlos.

Er schippert Besucher durch den Hafen und verrät ihnen, dass die "Jasmine" dort drüben, das schöne Schiff, einst dem Reeder Onassis gehörte habe – "und dann Liz Taylor". Die soll es unglücklicherweise "Geschäftsleuten" aus der Drogenszene verkauft haben, weshalb es seit Jahren vom Zoll beschlagnahmt in Águilas festhängt.

Tapas in einer der vielen Bars am Platz

Hängenbleiben kann man auch in einer der zahllosen Bars von Áquilas, die sich mit ihren zahllosen Tapaskreationen gegenseitig überbieten. "Wir essen gerne gut und mit viel Zeit und Abwechslung", sagt Anabel López, die Touristen ihre Stadt zeigt. Erst hetzt sie alle Stufen von der Altstadt hinauf zur Burg von Águilas. Dann darf genossen werden – erst der Ausblick bis nach Andalusien, dann die versprochenen Spezialitäten.

Kroketten mit Pilz-Parmesan-Füllung, Garnelen in Tempurateig und leuchtend orangefarbene Gemüsesuppe tischt die Chefin des "Zoco del mar" auf. Unten im hübschen Städtchen serviert Don Diego marokkanische Fleischspieße und hausgemachte Chips. Giftigrote Peperonizöpfe an der Wand lassen ahnen, woher der Koch die Würze nimmt.

Am idyllischen Plaza Asunción Balaguer mit tropischen Pflanzen, dekorativen Lampen und schmiedeeisernem Zaun werden in einer der vielen Tapas-Bars Ziegenkäsebällchen mit Tomaten- und Paprikamarmelade serviert, dann der bekannte Stockfisch auf Blätterteig. Diese Bacalao genannte Spezialität hätte bestimmt auch den Römern geschmeckt.

Tipps und Informationen

Anreise: Die meisten Nonstop-Verbindungen von Deutschland aus nach Alicante unterhält mit Abflug in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf der britische Billigflieger Ryanair. Ab Berlin fliegt zudem Easyjet nonstop, ab Düsseldorf Eurowings und ab Frankfurt die Lufthansa. In der Nebensaison gibt es teils nur Verbindungen mit Zwischenstopp in Madrid. Von Alicante mit dem Bus oder Mietwagen in die Region Murcia.

Unterkunft: Zentral in Cartagena fußläufig zu den Sehenswürdigkeiten liegt das "Sercotel Alfonso XIII" , Doppelzimmer mit Frühstück ab rund 100 Euro Euro (hotelalfonsoxiii.com), in Puerto Mazarrón, direkt an einem schönen Strand, das "Hotel Playa Grande", Doppelzimmer mit Frühstück ab rund 60 Euro (hotel-playagrande.com). Das "Hotel Puerto Juan Montiel" in Águilas lockt mit großzügigen Zimmern und einem Spabereich auf dem Dach, Doppelzimmer mit Frühstück ab rund 80 Euro (hotelpuertojuanmontiel.com).

Aktivitäten: Wer tauchen möchte, findet am Cabo de Palos den Anbieter Planeta Azul (planeta-azul.com), in Águilas ist die Basis Zoea (zoeaaguilas.es) empfehlenswert. Wal- und Delfintouren unternimmt in Puerto de Mazarrón Cetáceos y Navegación (cetaceosynavegacion.com). Wassersportarten wie Stand-up-Paddling werden in Águilas (rexalquilernautico.com) und Puerto de Mazarrón (grimpola.com) ebenfalls angeboten.

Auskunft:spain.info; murciaturistica.es

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Spanischen Fremdenverkehrsamt und Turismo de Murcia. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter axelspringer.de/unabhaengigkeit.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon