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Die skurrile Welt des Marko Arnautovic

90min-Logo 90min vor 4 Tagen guidohsv
Arnautovic © Image by Jan Kup Arnautovic

Es gibt Sätze, die diejenigen, die sie gesprochen haben, ihr Leben lang verfolgen. "Ich kann dein Leben kaufen", ist einer von ihnen. Zwar war dies nicht der komplette Satz, aber der seinerzeit diesem vorangegangene ("Ich verdiene soviel Geld...") macht die Sache auch nicht besser. 

Als diese fünf Worte publik wurden, ausgesprochen von dem Profi-Fußballer Marko Arnautovic anlässlich einer Verkehrskontrolle in Wien im Jahr 2012, werden sich einige Trainer, unter ihnen so namhafte wie Steve McClaren, Jose Mourinho oder Thomas Schaaf, in ihrer Einschätzung bestätigt gefühlt haben. Ein heutiger Sportdirektor eines Bundesligisten urteilte einmal über einen seiner Schützlinge: "Bis zum Kopf Weltklasse, darüber leider nur Kreisklasse." 

Angesichts der angehäuften verbalen Entgleisungen des Marko Arnautovic in den mittlerweile 13 Jahren seiner Profi-Karriere könnte man hier lapidar feststellen: "Bis zum Kopf, naja, darüber - schweigen wir lieber." Kreisklasse wäre noch eine Beleidigung gegenüber den hunderttausenden von Amateur-Fußballern, die sich samstags oder sonntags um halb elf Uhr morgens die Knie auf Grantplätzen aufschürfen

Champions-League-Sieger?

Wenn er denn wenigstens mal etwas gewonnen hätte. Irgendetwas. Einen Pokal, eine Meisterschaft oder meinetwegen eine persönliche Auszeichnung wie "Bester Spieler in XY" oder so was in die Richtung - man würde moralisch wahrscheinlich genauso den Finger heben, könnte aber all die teilweise den Tatbestand des Schwachsinns erfüllenden Verbaldiarrhöen dieses Fußballspielers noch irgendwie relativieren. (Man mag den Namen Maradona im Zusammenhang mit Arnautovic eigentlich gar nicht in den Mund nehmen, aber in einem scheinen sich beide sehr zu ähneln: nämlich in dem diametral zum fußballerischen Talent gegenüberstehenden Mangel an Verstand). 

Marko Arnautovic ist vor allem eins: von sich überzeugt. Das war schon so, als ihn eigentlich noch niemand kannte. Es kann kein Zufall sein, dass sich bereits in seinen Jugendjahren die Trainer sinngemäß gleichlautend über ihn geäußert haben. Die einen nannten ihn "einen unbequemen Freigeist" (was vielleicht in der bildenden Kunst ein Vorzug ist, in einem Mannschaftssport aber eigentlich ein Ausschlusskriterium), die anderen "verhaltensauffällig". Mag ein jeder selber urteilen, was förderlicher für eine Karriere ist. Und trotzdem ging es zu Anfang ziemlich flott voran. Über Floridsdorf (Österreich) und Twente Enschede in Holland ging es dann sogar bis in die ganz große Fußballwelt. Nicht ohne auch in den Niederlanden noch mal so richtig einen rauszuhauen. Mit "Arnautogate" wurde damals euphemistisch umschrieben, was in deutlicher Sprache nichts anderes als eine klassische rassistische Beleidigung gewesen wäre. Der Kläger damals: Ibrahim Kargbo vom holländischen Erstligisten Willem II Tilburg. Zwar wurde das vom holländischen Fußballverband angestrengte Verfahren wegen unzureichender Beweislage eingestellt, aber der Lärm (um nichts) um diesen Fußballer sollte nicht mehr verstummen. 

2008/2009 sollte dann das Jahr seines großen, endgültigen Durchbruchs werden. Chelsea London und Inter Mailand kloppten sich um das gehypte Talent, in dem viele einen zweiten Zlatan Ibrahimovic sahen. Doch streng genommen hatten (und haben bis heute) beide nur den Suffix ihres Nachnamens gemein. Die Londoner schienen jedenfalls tatsächlich das Rennen zu machen. Zwölf Millionen Ablöse an Twente waren im Gespräch. Doch ein beim obligatorischen Medizincheck entdeckter Mittelfußbruch beendete vorläufig die ​Premier-League-Träume des Marko A. Inter Mailand, in jenen Jahren auch keine so schlechte Adresse, machte das Rennen. Zwar nur auf Leihbasis, denn italienische Klubs waren auch damals schon nicht die dümmsten, und hatten natürlich mitbekommen was die Chelsea-Ärzte bei ihren Untersuchungen zu Tage gefördert hatten. Hätten sie damals auch noch etwas gründlicher die zerebralen Funktionen des Spielers untersucht, würden sie ihn vermutlich nie verpflichtet haben. Insgesamt kann man sein Intermezzo (wie passend!) bei den Lombarden so beschreiben: kein Bein auf die Erde gekriegt! 

Auch in Bremen verhaltensauffällig 

Sein Trainer Jose Mourinho schrieb ihm die intellektuellen Fähigkeiten eines Kindes zu. Was wiederum eine Beleidigung für so manches Kind...,aber egal. Es musste ja irgendwie weitergehen mit seiner angekündigten Weltkarriere. ​Werder Bremen, mit seinem Trainer Thomas Schaaf, war optimistisch genug, den Spieler, entgegen so mancher Warnung, unter Vertrag zu nehmen. Sportlich sollte es sogar sein vorläufiger Karrierehöhepunkt werden. Was die Sparte "Eskapaden/verbale Entgleisungen" anbelangt, war es eh schwer, an das Level der Vorjahre ranzukommen. 

Aber Arnautovic bemühte sich mit Kräften. Teils sogar in Personalunion mit anderen, die sich ihr Leben lang überschätzt haben. Gleich und gleich gesellt sich gern. So wurde er zusammen mit seinem damaligen Mitspieler Eljero Elia im Frühjahr 2013 wieder einmal von einer Verkehrskontrolle gestoppt. Um drei Uhr morgens. Wenigstens ersparte er sich und den Bremer Beamten einen Spruch wie den eingangs zitierten. Irgendwann jedenfalls hatten sie dann sogar im stoischen Bremen genug von diesem Paradiesvogel, der anscheinend ein Gefangener seiner selbst war und immer noch ist. In der Hansestadt lachen sie heute noch über sein arrogantes Auftreten und über seine Begrüßungsworte: "Ich bin Champions-League-Sieger" (mit Inter Mailand 2010). Rein formal stimmte das ja, aber sein Beitrag zu diesem Triumph war: 0 (in Worten: null!). Klar, dass die meisten seiner Mitspieler bei Werder ihn schon bald nicht mehr ernst nahmen. Im September 2013 wechselte Arnautovic schließlich dahin, wo er nach eigenen Angaben schon immer hätte spielen sollen: in die Premier League. Gut, es wurde dann nicht Manchester City oder United oder Chelsea London (wie er selber allen verkündete, die es wissen wollten) - aber immerhin. 

Angebot aus China

Stoke City, ein graues Mäuschen in der schillernden englischen Liga, nahm den selbsternannten Bald-Weltfußballer unter Vertrag. Und es wurde sportlich tatsächlich ein weiterer Fortschritt in seiner Karriere. Logische Folge: Vier Jahre später war "London calling" angesagt. Zwar wieder nicht Chelsea, auch nicht Arsenal, nicht einmal Tottenham - aber irgendwie trotzdem eine Hammer-Mannschaft. West Ham wurde seine neue Heimat. Und eigentlich hatte man seitdem das Gefühl, da wäre jemand nach langem Marsch durch die Wüste endlich angekommen.

 Bis jetzt. Denn der Berater von Marko A. hat jüngst den Aufstand geprobt und den Machern der Hammers gedroht, ein lukratives Angebot annehmen zu wollen. Nach all den Jahren ohne wolle sein Mandant jetzt vor allem eines: Titel gewinnen. Und es gäbe da einen sehr interessierten Klub. Wo? In China. Ob Marko Arnautovic überhaupt weiß, wo dieses Land liegt, ist nicht überliefert. Aber eines hat er damit wieder mal deutlich gemacht: Dieser Mann ist nicht von dieser Welt.

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