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"Guardian": Österreichs Satiriker fühlen sich eingeschüchtert

KURIER-Logo KURIER vor 5 Tagen Redaktion kurier.at

Die britische Zeitung berichtet über die Ereignisse rund um Jan Böhmermann, Armin Wolf, den ORF und interviewte u. a. maschek.

© ORF/Hans Leitner

Was derzeit in Sachen ORF und FPÖ, Satire und Empörung in Österreich passiert, beschäftigt auch die internationale Presse. Die britische Zeitung Guardian berichtete am Mittwoch darüber und befragte mehrere österreichische Satiriker zur aktuellen Lage.

In dem Artikel wird Jan Böhmermanns Interview in der Sendung "Kulturmontag" und die darauffolgende Distanzierung des ORF genauso thematisiert wie die Attacken der FPÖ gegen Journalist Armin Wolf und die "Biep"-Affäre rund um ein maschek-Video.

In einem Beitrag für "Willkommen Österreich" hatte das Satiriker-Duo eine Videoaufnahme von Heinz-Christian Strache neu vertont und mit dem Text "Vom Neonazi zum Sportminister" unterlegt. Der ORF löschte das Video daraufhin aus der TVthek und lud es mit einem Biep-Ton an der entsprechenden Stelle erneut hoch.

maschek im Guardian-Interview

Im Interview mit dem Guardian erklärten maschek, sie seien von der Reaktion des ORF überrascht gewesen. Damit habe der Öffentlich-Rechtliche gezeigt, seine Angst sei größer als die Bereitschaft, zu analysieren und zu kritisieren.

Den britischen Lesern wird auch das Konzept des österreichischen Schmähs erklärt: als eine Art bitterschwarzer Humor, aber auch als Einstellung zum Leben.

"Als Satiriker muss man immer gegen die Regierung sein, selbst dann, wenn man sich die aktuelle Regierung immer so gewünscht hätte“, so Peter Hörmanseder von maschek. Sein Kollege Peter Stachel ergänzte: Er glaube, das Ziel der FPÖ sei es, "kritischen und unabhängigen Journalismus in ein Rückzugsgefecht zu drängen".

Der ORF im "Schockzustand"

Marc Carnal, Autor für "Willkommen Österreich" und Die Tagespresse sagt: "Wir sind Zeugen einer subtilen, langsamen Entwicklung [im österreichischen Journalismus] von einer kritischen oder skeptischen Herangehensweise gegenüber der FPÖ zu einem vorsichtig relativierenden Umgang."

Vor allem der ORF scheine sich in einer Art "Schockzustand" zu befinden. "Es scheint, dass allein die Drohung, die Rundfunkgebühren abzuschaffen, Wunder wirkt."

ORF hat sich "von Redefreiheit distanziert"

Der Österreicher Jürgen Marschal, der unter anderem für Böhmermanns " Neo Magazin Royale" schreibt, sagt, er verstehe die Distanzierung des ORF vom Interview des deutschen Satirikers ganz und gar nicht.

Der Text sei nicht vom ORF geschrieben oder produziert worden, sondern es habe sich um Böhermanns Meinung gehandelt. "Im Prinzip bedeutet das, dass der ORF sich von der Redefreiheit distanziert hat", so Marschal.

Marschal hoffe, fügte er hinzu, dass der ORF diesem Prinzip treu bleibe und sich dann etwa auch von zu schnellem Autofahren distanziere, wenn ein Film wie "The Fast and the Furious" gezeigt werde, oder von Drogenkonsum, wenn "Trainspotting" im Fernsehen laufe.

Nicht alle Kritik an Böhmermanns Interview sei unangebracht, so Marschal. Der deutsche Satiriker habe schlecht recherchiert, es gebe nicht 8 Millionen Debile in Österreich. "Laut der letzten Volkszählung sind es 8,773." 

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