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Der Mazda MX-5 RF ist ganz wunderbar unautonom

WELT-Logo WELT 07.06.2018
Abkühlung gefällig: Die Autorin mit dem Mazda MX-5 RF. Den 160 PS starken Roadster gibt es ab 34.090 Euro © Jakob Hoff Abkühlung gefällig: Die Autorin mit dem Mazda MX-5 RF. Den 160 PS starken Roadster gibt es ab 34.090 Euro

Der Mazda MX-5 RF ist noch ein Auto vom alten Schlag, das seinen Fahrer fordert. Mit dem Klappdach-Roadster kann man rasen, schöner ist es jedoch, mit ihm unbekannte Gegenden zu entdecken.

Der kleine Kofferraum ist schon voll. Zwei Tagesrucksäcke, ein Picknickkoffer und zwei Jacken, viel mehr passt nicht in den Mazda MX-5 RF. Gut, dass wir nur ein Wochenende in Sachsen-Anhalt bleiben wollen. Da kann man sich mal beschränken.

Doch die Zeit drängt. In zwei Stunden beginnt die Führung im Bauhaus in Dessau, der legendären Kunst-, Design- und Architekturschule von Walter Gropius. Noch sind wir allerdings in Berlin. Also schnell rein in den Roadster (man muss sich nur fallen lassen), und los geht's.

Seit ich den Mazda MX-5 RF teste, wandert meine rechte Hand, nachdem sie den 160 PS starken Motor per Knopfdruck gestartet hat, sofort zu dem kleinen Kippschalter in der Mittelkonsole, um das Klappdachverdeck zu öffnen. Die Abkürzung RF steht für Retractable Fastback, was so viel bedeutet wie einziehbares Fließheck.

Das hintere Dachteil wird angehoben, bewegt sich ein wenig zurück, die beiden oberen Stücke der dreigeteilten Haube verschwinden danach samt Heckscheibe hinter den Rücksitzen unter einer Abdeckung. Das hintere Dachteil fährt wieder in die ursprüngliche Position zurück, und schon ist aus dem Coupé eine Art Targa geworden. Exakt 13 Sekunden dauert das sehenswerte Dachballett.

Meine Begleitung lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und besteht darauf, dass das Verdeck trotz Sonnenschein wieder geschlossen wird (das dauert ebenfalls 13 Sekunden). Sie fährt nicht gern mit offenem Verdeck über die Autobahn. Sie mag die Zugluft nicht, und zu laut ist es ihr auch. Ich gebe nach.

Der Weg nach Dessau soll ja auch kein gemütlicher Ausflug werden, wir wollen einfach schnell, sicher und vor allem pünktlich ankommen. Und während der Fahrt noch ein bisschen miteinander reden, ohne einander anzuschreien. Wenn das Coupé-Targa-Dach geschlossen ist, kann man sich – im Gegensatz zu Fahrten mit Stoffdachcabrios – sogar bei Tempo 160 noch problemlos unterhalten.

Exakte Lenkung, knackige Schaltung

Konzentrieren muss man sich dennoch, vor allem wenn man wie ich an diesem Morgen etwas schneller (aber nicht schneller als erlaubt) über die A9 düst. In modernen Autos wird dem Fahrer mittlerweile vieles abgenommen. Im MX-5 ist das anders, hier wird man hinterm Steuer gefordert.

In dem engen Cockpit muss man richtig arbeiten. Es blinkt zwar auch im Außenspiegel, wenn sich ein anderes Auto im toten Winkel befindet, und man wird gewarnt, wenn man die Spur verlässt, ohne zu blinken. Mehr aber auch nicht. Der Wagen ist quasi der Gegenentwurf zum autonom fahrenden Auto.

Gas geben, lenken, schalten, bremsen – das alles muss man noch selbst machen. Oder besser gesagt: Man darf das alles noch selbst machen. Der Vierzylindermotor ist spritzig, die Lenkung exakt, die Sechsgangschaltung knackig und die Bremse direkt.

Entspannt kommen meine Begleitung und ich zwar nicht an unserem Ziel in Dessau an, dafür aber pünktlich – und mit einem Lächeln im Gesicht. Eine Fahrt im Mazda MX-5 kann anstrengend sein, macht aber auch Spaß. Das Aussteigen aus dem tiefen Zweisitzer ist jedoch eine Kunst für sich.

Die Choreografie sieht ungefähr so aus: Linkes Bein raus, Körper nach links drehen, rechte Hand oben aufs Lenkrad legen, den rechten Fuß in den Boden drücken und sich dann mit Schwung aus dem engen Recarositz ziehen. Man sollte ein bisschen üben, bevor man sich zum ersten Mal vor Publikum aus dem Wagen schält.

Wie tief der Mazda MX-5 ist, merkt man jedoch nicht nur beim Aussteigen. Auch im Stadtverkehr kommt man sich ständig wie ein Kleinkind unter Riesen vor. Tief war der Wagen schon immer, seit 1989 wird er in Hiroshima gebaut und ist mittlerweile der erfolgreichste Roadster aller Zeiten.

Puristisch, schlicht und schnörkellos

Doch in der Zwischenzeit sind die anderen Autos auf der Straße in die Höhe und in die Breite gegangen. Beim Ausparken sieht man nicht, ob jemand kommt, da einem die SUVs links und rechts die Sicht versperren. Und bei der Einfahrt ins Parkhaus wünscht man sich die ausfahrbaren Arme von Inspector Gadget, um an das Ticket da oben zu kommen. Das ist der Preis, den man für das sportliche Gokart-Feeling zahlen muss.

Nach 24 Stunden in Dessau hat man fast den Eindruck, der 3,92 Meter kurze und 1,74 Meter schmale Zweisitzer könnte von einem Bauhaus-Anhänger entworfen worden sein. Puristisch, schlicht, ornamentlos – all diese Begriffe, die des Öfteren während der Führungen durch die frühere Kunstschule und die Meisterhäuser gefallen sind, treffen auch auf den japanischen Roadster zu, vor allem auf die neue Modellvariante RF.

Bereits in der dritten Generation hatte Mazda den MX-5 als Klappdach-Cabrio angeboten, die Konstruktion wirkte jedoch recht plump. Beim MX-5 RF fließen die Linien zu einer eleganten Coupé-Silhouette zusammen, die an den ersten Opel GT erinnert.

Für den Rückweg nach Berlin lassen wir uns Zeit und schalten das Navi aus. Statt über die überfüllte A9 zurückzubrettern, entscheiden wir uns für schmale, einsame Landstraßen. Diesmal wird das Verdeck geöffnet und bleibt auch offen, ganz ohne Diskussion. Alles wirkt dadurch noch unmittelbarer, noch schöner. Kleine Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben scheint, sind in idyllische Landschaften eingebettet. Uralte Bäume säumen den Weg. Der Fahrtwind weht uns um die Nase.

Der MX-5 ist zwar ein Sportwagen, schafft sogar 214 Sachen, aber mehr Freude macht es, gemütlich mit ihm zu cruisen, Gegenden zu entdecken, die man sonst nur von Autobahnschildern kennt und die sich dann als Kleinode entpuppen. Das Städtchen Coswig beispielsweise, das traumhaft zwischen den Hügeln des Flämings liegt. Oder Treuenbrietzen mit seinem mittelalterlichen Stadtkern.

Der Weg ist das Ziel, und der offene Roadster ist das perfekte Fahrzeug für diese Strecke.

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