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Der teuerste Kodiaq im Test

AutoNEWS-Logo AutoNEWS 01.05.2018 AutoNEWS
Unter den bezahlbaren Mittelklasse-SUVs gilt der Skoda Kodiaq als Benchmark. Gilt das auch für die Topversion mit 190-PS-TDI und Allrad? Der teuerste Kodiaq im Test

Menschen, die besonders viel Auto für ihr Geld wollen, fahren Skoda. Diesen Nimbus haben sich die Tschechen über die letzten Jahre und Jahrzehnte mühsam und völlig zurecht erarbeitet. Alles Gute von VW, nur mit mehr Platz und zu einem besseren Preis - man kennt das Spiel ja inzwischen. Nirgendwo, so scheint es, kumulieren all diese Werte besser als beim Kodiaq. Das 4,70-Meter-Hochdach ist der Inbegriff der totalen Skoda-ness. Und es ist ein SUV, weshalb Platzangebot, Praktikabilität und das eigene Momentum quasi ins Unermessliche anwachsen. Würde man das vernünftigste Familienauto der Welt küren, das Auto, das am meisten von dem bietet, was man zwischen Schulhof, Fußballtraining, Supermarkt und der großen Urlaubsfahrt wirklich braucht, dann wäre der Kodiaq wohl kaum zu schlagen. Wer clever ist, so scheint es, kommt an diesem Gefährt eigentlich nicht vorbei. Die Frage ist: Ist man auch noch clever, wenn man sich ein bisschen mehr gönnt? Den großen 190-PS-Diesel mit Allrad und DSG zum Beispiel?

Da reicht doch eigentlich ein Fronttriebler

Keine Frage, der Skoda Kodiaq ist ein erstaunlich fähiges Auto. Damit erzähle ich Ihnen hier sicher nichts bahnbrechend Neues. Allerdings kommt auch er zu großen Teilen über den Preis. Und seien wir ehrlich, den Ausflug ins Gelände werden 99 Prozent aller Kodiaqs in ihrem Leben nicht ein einziges Mal in Angriff nehmen müssen. Soll heißen: Ein 150-PS-Diesel mit Frontantrieb (DSG hat auch er immer an Bord) reicht in der Regel völlig aus. Selbiger ist bei gleichem Ausstattungslevel immerhin 3.400 Euro günstiger als das allradelnde 190-PS-Topmodell. Die Unterschiede: Der "kleine" Selbstzünder braucht mit 9,9 Sekunden genau eine Sekunde länger von 0-100 km/h, fährt mit 199 km/h genau 11 km/h langsamer und gönnt sich laut Datenblatt alle 100 Kilometer 0,7 Liter weniger Sprit. So weit, so gut. Aber wie ist es im Alltag? Machen 40 PS und 60 Newtonmeter mehr den feinen Unterschied?

Was wollen Sie eigentlich?

Nun, wie so oft kommt es ganz darauf an, was Sie mit Ihrem Skoda Kodiaq so vorhaben. Fahren Sie die meiste Zeit allein durch die Stadt (deshalb kauft man sich schließlich ein großes Mittelklasse-SUV), reicht wahrscheinlich auch ein Benziner mit 125 oder 150 PS. Transportieren Sie häufig sehr viele Menschen und Gegenstände oder ziehen auch mal einen Hänger, dann sind Sie mit einem Diesel sicher besser dran. Ganz ehrlich: Der 150-PS-TDI wird in aller Regel völlig reichen. Aber ebenfalls ganz ehrlich: Mit 190 PS und Allrad surft das hohe Raumwunder schon ein ganzes Eck souveräner durch die Gegend.

Kräftig, aber kein Sahnemotor

Wobei Sie auch mit der stärksten verfügbaren Motorisierung nicht erwarten sollten, dass der Kodiaq plötzlich mit olympischem Ehrgeiz aus dem Startblock schnalzt. Begriffe wie "temperamentvoll" oder "feurig" muss er erst noch lernen. Von ganz unten raus ist er auch ein wenig knorrig und klassisch dieselig. Aber wenn er mal läuft, dann läuft er gut. Gibt sich gerade auf der Autobahn kräftig und laufruhig, kann auch noch ordentlich aufsatteln, wenn man mal bei 150 km/h das Pedal in den Boden haut. Das Siebengang-DSG ist klassisches und mittlerweile bestens bekanntes Konzern-Material. Mit allen Stärken und Schwächen. Sprich: Die Schaltvorgänge passieren extrem fix und geschmeidig, beim Ampelstart, beim Rangieren oder wenn man mal bergauf anfahren muss, verschluckt sich das gute Stück aber auch ganz gerne mal und wirkt in der Dosierung etwas ungehobelt. Positiv für eine über 1.700 Kilo schwere SUV-Schrankwand (cW-Wert: 0,33): Unser Testverbrauch von durchschnittlich 6,6 Liter.

Alles, nur nicht sportlich

Was Sie als potenzieller Kodiaq-Käufer sofort verinnerlichen sollten: Mit dem Platz-Poser aus Mladà Boleslav entscheiden Sie sich in aller Deutlichkeit für Gemütlichkeit. Dieses Auto ist weich, es wankt in Kurven und hat ordentlich Bewegung im Aufbau. Alles zu jeder Zeit super sicher und ausgewogen abgestimmt, aber eben betont komfortabel und weit weg von sportlich. Selbst der nahezu baugleiche VW Tiguan Allspace lenkt deutlich williger ein und hat seine Karosseriebewegungen spürbar besser im Griff. Wenn Sie also etwas ähnliches wie Spaß oder Adrenalin hinterm Lenkrad wollen … dann sind Sie definitiv kein Kodiaq-Typ. Wenn Sie aber einfach nach einem beneidenswert guten Allrounder suchen, dann werden Sie kaum etwas besseres finden (außer Sie wollen mehr als das Doppelte ausgeben).

Platz wie die ganz großen

Das liegt vor allem am Innenraum und all den tollen Dingen, die man in und mit ihm machen kann. MQB (VWs modularem Querbaukasten) sei Dank ist das Kodiaq-Interieur die reinste Turnhalle. Vorne sitzt man blendend, hinten absolut überragend. Ist die um 18 Zentimeter verschiebbare Rückbank ganz hinten eingerastet, fühlen sich die Beine der Fondpassagiere wie in einem Rolls-Royce. Und selbst wenn Reihe Zwei ganz nach vorne geschoben wurde, sitzt man weit weg von unangenehm. Sie haben sehr viele Kinder oder anderweitige Transport-Verpflichtungen? Natürlich kriegen Sie auch im Top-Kodiaq für 750 Euro eine dritte Sitzreihe. Personen bis etwa 1,70 Meter ruhen darauf relativ beschwerdefrei. Dahinter täten sich dann sogar noch 270 Liter Kofferraumvolumen auf. Ohne die Plätze sechs und sieben sind es 635 bis 2.035 Liter. Angerichtet in einem breiten, hohen und sehr langen Kofferraum. Gegenstände bis zu einer Länge von 1,94 Meter frisst der Kodiaq mit links. Und für alles, was darüber hinaus geht, kann man ja noch die umklappbare Beifahrersitzlehne bestellen.

Einige Ausstattungen fehlen

Platz kann er also, der Kodiaq. Ehrlich gesagt, müssten Sie schon mit einem Mercedes GLE oder BMW X5 anrücken, um ähnliche Werte zu erreichen. Und wie steht es um all die kleinen Dinge, die so mit Bedienen und Wohlfühlen et cetera zu tun haben? Nun, auch das ist eine der vielen Stärken dieses Autos. Die Materialauswahl ist beileibe nicht perfekt und die merkwürdigen Dekorleisten, die aussehen wie das seltsame Imitat eines Holzimitats, wirken ein wenig verstörend. Aber verglichen mit dem Cockpit des Tiguan Allspace (der ein paar Tage später in der Redaktion weilte) gefiel uns die Kodiak-Kommandozentrale fast besser. Weniger zerklüftet, geradliniger irgendwie. Das große 9,2-Zoll-Navi präsentiert sich mit gestochen scharfen Grafiken und guter Menüführung, kommt lediglich bei der Sprachbedienung ins Rudern. Die Assistenzsysteme sind auf einem sehr guten Stand und funktionieren, wie sie sollen. Ein wenig schade ist halt, dass dem Kodiaq einige Ausstattungsschmankerl vorenthalten werden.VWs großartiges digitales Instrumentendisplay zum Beispiel. Oder ein Head-up-Display. Ersteres wird immerhin mit dem nächsten Modelljahreswechsel nachgereicht.

Clever macht Spaß

Was es dagegen auch beim Kodiaq in Hülle und Fülle gibt, sind all die kleinen, feinen, cleveren Lösungen, bei denen es einem immer wieder einen kurzen Schmunzler entlockt. Zusammen mit der Frage, warum da eigentlich sonst keiner draufkommt? Die perfekt durchdachte Ablage im großen Mittelkonsolenfach zum Beispiel, den Schirm in der Tür, den Eiskratzer im Tankdeckel, die Klapptische und Tablethalter in den Rückenlehnen oder den automatisch ausfahrenden Türkantenschutz. All diese Dinge fügen sich mit dem ganzen hervorragenden Rest des Autos zu einer beeindruckenden Gesamtheit, der man wirklich nur schwer widerstehen kann. Ob man Skoda und Autos wie den Kodiaq nun mag oder nicht.

Kodiaq bleibt die Benchmark

Ob man den 190-PS-Diesel samt Allrad nun wirklich braucht, sei dahingestellt. Spätestens, wenn man viel transportiert oder zieht (Anhängelast 2,5 Tonnen), wird man die Extra-Körner aber wohl zu schätzen wissen. Und dann sind auch die 1.400 Euro Aufpreis gegenüber dem 150-PS-Allrad-Diesel verschmerzbar. Vor allem, weil der teuerste Kodiaq das bleibt, was Skoda neben allen anderen Qualitäten so attraktiv macht - ein vergleichsweise günstiges Auto. Der Grundpreis des 2.0 TDI 4x4 DSG liegt bei 38.190 Euro. Unser Testwagen - und zwar mit allem, was es bei diesem Modell an Zusatzausstattung gibt - lag letztlich bei 51.259 Euro. Ein vergleichbarer Tiguan Allspace startet gut 2.700 Euro später, kostet voll eher 4.000 bis 5.000 Euro mehr. Letztlich kann man es drehen und wenden wie man will, aber die Empfehlung in dieser Gewichtsklasse kommt weiterhin von Skoda. Gerne auch mit dem angenehm kräftigen, sparsamen 190-PS-TDI.

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