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Gegen diesen Franzosen sieht der Golf GTI lahm aus

DIE WELT-Logo DIE WELT 12.05.2018

Renault hat ein Problem: Das einzig leidenschaftliche Auto, das sie bauen, hat einen anderen Namen und ist zu teuer. Die Lösung heißt Mégane RS. Das Auto für alle, die keine Alpine bekommen.

Sie bauen charmante Kleinwagen, praktische Raumkreuzer und kuschelige Familienkutschen. Doch mit Lust und Leidenschaft haben die Franzosen keinen Vertrag. Um so größer war die Begeisterung, als Renault Ende 2017 tatsächlich eine neue Alpine aufgelegt und sich mit diesem ebenso leichten wie lustvollen Coupé über Nacht wieder wie vor vielen Jahrzehnten zu einem ernsthaften Porsche-Konkurrenten aufgeschwungen hat.

Doch die Sache hat einen Haken. Oder genauer gesagt, drei Haken: Die Alpine wird offiziell nicht als Renault verkauft und zahlt deshalb nicht so richtig auf die Marke ein.

Sie ist mit einem Grundpreis von 58.000 Euro für den gemeinen Renault-Kunden ein bisschen teuer. Und vor allem ist die Produktion so aufwendig und das Werk so klein, dass die Nachfrage kaum gedeckt werden kann. Die 1955 Exemplare der Startauflage jedenfalls waren nach wenigen Tagen verkauft.

Nicht ganz so hart wie der Vorgänger

Also nur ein Strohfeuer ohne Substanz? Mitnichten. Denn die gleiche Truppe, die die Alpine entwickelt hat, baut auch die RS-Modelle von Renault, mit denen die Franzosen gegen GTI & Co antreten. Und nur, weil man davon relativ wenig mitbekommt, machen sie keinen schlechten Job. Im Gegenteil.

Der letzte Mégane RS war eine Zeit lang in seiner Klasse das schnellste Auto auf der Nordschleife des Nürburgrings. Und wenn jetzt für 33.690 Euro die neue Auflage des kompakten Kraftmeiers an den Start geht, sieht der Golf GTI dagegen wie ein Schaf im Wolfspelz aus.

Ja, der neue RS ist nicht mehr ganz so hart und kompromisslos wie sein Vorgänger, und er sieht trotz der sichtlich verbreiterten Spur und den Tagfahrleuchten im Design einer Zielflagge nicht mehr ganz so wild aus.

Doch schon wenn man einsteigt, spürt und hört man seinen Herzschlag übers Infotainment-System, und sobald man ihn anlässt und in den RS-Modus schaltet, grollt der Motor. Dass da tatsächlich nur vier Zylinder durch gerade mal 1,8 Liter Hubraum stampfen, das mag man kaum glauben.

280 PS und stolze 390 Nm mobilisiert der Turbo schon in der Grundversion und ist damit zehn Prozent stärker als in der deutlich leichteren Alpine. Und wenn später im Jahr der Trophy kommt, stehen sogar 299 PS und 400 Nm im Datenblatt. Dagegen wirkt dann sogar der Golf R ziemlich zahnlos.

Schluss ist erst bei 255 km/h

Die Fahrleistungen des RS sind entsprechend sportlich: Von 0 auf 100 in 5,8 Sekunden und als einer der ganz wenigen in dieser Klasse ohne Limit und deshalb 255 km/h schnell – so wird er zu einem der flinksten Franzosen, die man aktuell kaufen kann.

Aber so viel Spaß der perfekte Kavalierstart mit der Launchcontrol auch macht, es ist gar nicht so sehr die Längsdynamik, die in diesem Auto die Leidenschaft schürt. Was den Mégane RS ausmacht und über die Konkurrenz hebt, das ist seine Allradlenkung.

Sie lässt den Radstand und mit ihn das ganze Auto virtuell schrumpfen und macht es auf der Landstraße entsprechend handlich. Dazu noch eine Doppelkupplung, die, wenn's sein muss, auch mal ein paar Gänge überspringt – schon fühlt sich der Mégane RS an wie einst der Clio V6: Kraft ohne Ende und in den Kurven mit ganz viel Biss.

Natürlich ist der Mégane RS nicht ganz so scharf wie die Alpine, fährt nicht so leichtfüßig und macht nicht ganz so viel Staat. Doch für eine ansonsten eher brave Steilhecklimousine aus der Kompaktklasse treibt er es schon ziemlich wild.

Renault Mégane RS © Renault Renault Mégane RS

Selbst gegenüber der Alpine hat er ein paar Vorteile: Nicht nur, dass er auf dem Papier stärker und schneller ist. Er wird nicht in limitierten Stückzahlen produziert, er ist nur halb so teuer, und er bietet doppelt so viele Sitzplätze. Franzosen sind eben doch Familienmenschen.

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