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Platzt jetzt die Oldtimer-Preisblase?

DIE WELT-Logo DIE WELT 06.10.2017

epa05054767 1973 Porsche 911 Carrera RS 2.7 Touring on display as part of RM Sotheby_s _Driven by Disruption_ exhibition, expected to fetch between 900,000 to 1.1 US million dollars, at Sotheby_s Manhattan headquarters in New York, New York, USA, 04 December 2015. Driven By Disruption: New York City auction sale will take place on 10 December. EPA/ANDREW GOMBERT |: Platzt jetzt die Oldtimer-Preisblase? © picture alliance / dpa Platzt jetzt die Oldtimer-Preisblase?
Auf dem überhitzten Oldtimermarkt scheint der lang ersehnte Einbruch gekommen zu sein – zumindest bei den absolut hochpreisigen Klassikern. Flotte Youngtimer steigen dagegen rasant im Wert.

Heckbürzel hin oder her: Irgendwann geht jeder Hype einmal zu Ende. Jetzt hat es den Porsche 911 Carrera 2.7 RS erwischt, einen der meistbegehrten Elfer überhaupt. Der Rennwagen mit Straßenzulassung aus den frühen Siebzigern legte in den vergangenen Jahren eine Preisexplosion hin wie kaum ein anderer automobiler Klassiker. Allein von 2012 bis 2016 stieg der Marktpreis von 215.000 auf fast schon irrwitzige 550.000 Euro.

Doch in diesem Jahr erlebt der Carrera RS 2.7 erstmals einen Wertverfall: Nur noch 510.000 Euro (alle Preise für Autos im Zustand 2) werden im aktuellen Marktspiegel der Sachverständigenorganisation Classic Data für den Super-Elfer notiert. Ist die Preisblase auf dem überhitzten Klassikermarkt geplatzt?

Vielleicht sei sie noch nicht geplatzt, "aber die Blase verliert Luft", sagt Marius Brune von Classic Data. Die Bochumer beobachten seit mehr als 30 Jahren die Preisentwicklung historischer Fahrzeuge. Gerade ist ihr "Marktspiegel" für 2017/2018 erschienen. Das dicke Kompendium listet die gegenwärtigen Notierungen von rund 8000 Auto- und Motorradmodellen auf.

Danach lässt sich resümieren, dass der ganz große Hype gerade bei den hochpreisigen Oldtimern zu Ende ist und sich der Markt in einer Beruhigungsphase befindet. So werden die Standzeiten für Klassiker wieder länger. Teilweise müssen Fahrzeuge über mehrere Monate, bisweilen sogar über ein Jahr angeboten werden, bis sie einen Käufer finden. "Außerdem beobachten wir, wie vermeintlich auf Auktionen veräußerte Fahrzeuge wieder auf anderen Auktionen, diesmal aber zu niedrigeren Rufpreisen angeboten werden", heißt es bei Classic Data.

Ein Beispiel ist ein roter Ferrari 330 GTC von 1968. Ende Februar 2017 wurde der spitzenmäßig restaurierte Sportwagen mit der Fahrgestellnummer 11257 angeblich für stolze 676.140 Euro in London versteigert. Doch keine zwei Wochen später tauchte derselbe Ferrari wieder auf einer Auktion auf – diesmal im Rahmen der Techno Classica in Essen.

Vorsicht vor den Begriffen Patina und unrestauriert

Auch dort wurde das Fahrzeug versteigert, allerdings nur für knapp 599.000 Euro. Dann wurde der 330 GTC im Mai ein weiteres Mal auf einer Auktion in London feilgeboten, inzwischen zu einem deutlich geringeren Estimate.

Unter den Hammer kam der Ferrari dort nicht, am Ende lautete das Ergebnis: "Not Sold". Erst im August fand sich wieder ein neuer Besitzer für den Ferrari 330 GTC, auf Schloss Dyck ging der Sportwagen für 557.483 Euro weg. Unterm Strich weit weniger Geld als bei der ersten Versteigerung im Februar.

Für solche merkwürdigen "Wanderpokale" gebe es noch andere Beispiele, berichtet Marius Brune von Classic Data. Etwa ein Maserati 3500 GTI Touring. Das Coupé von 1963 im Zustand 3 wurde im April in Essen noch für 202.519 Euro versteigert. Im Mai in London waren es dann nur noch rund 195.000 Euro, und auf Schloss Dyck musste sich der Verkäufer dann mit 184.139 Euro für ein und denselben Wagen begnügen.

Ein Maserati 3500 Coupe, aufgenommen am 23.11.1995 in Rom. Foto: ANSA +++(c) dpa - Report+++ |: Platzt jetzt die Oldtimer-Preisblase? © picture-alliance/ dpa Platzt jetzt die Oldtimer-Preisblase?

"Hier wird nicht immer mit ehrlichen Karten gespielt", sagt Brune über die seltsamen Vorgänge bei den großen Klassiker-Auktionen. Ob Porsche 911er, Ferrari oder Maserati: Viele Klassiker legten in den vergangenen Jahren enorme Wertzuwächse hin. 2015 habe der Oldtimer-Hype seinen Höhepunkt gehabt, sagt Brune. Seitdem erlebt der Markt so etwas wie einen Einbruch, zumindest bei den Hochpreis-Klassikern. Trotzdem werden immer noch genug Fahrzeuge zu Fantasiepreisen ins Netz gestellt – man kann es ja mal versuchen.

"Der reine Spekulant muss künftig bei seiner Fahrzeugwahl achtsamer sein, das berühmte Garagengold wird sich nicht mehr wie selbstverständlich vermehren", bilanzieren die Sachverständigen von Classic Data. Zwar würden auch gute Fahrzeuge nach wie vor zu fairen Preisen verkauft.

Doch die Fachorganisation rät zur Vorsicht mit dem allzu lockeren Umgang mit den Begriffen "Patina" und "unrestauriert". "Lackläufer und Staubeinschlüsse sind eine mangelhafte Lackierung und haben nichts mit Patina zu tun." Und ein Fahrzeug mit Wartungsstau und rostigen Beulen sei nicht immer der gesuchte unrestaurierte Zustand.

Auch die behäbigen Limousinen aus den Fünfzigern erleben derzeit einen starken Preisverfall, vor allem wenn sie nur 50 PS oder weniger unter der Haube haben. Zu den Autos aus der Nachkriegszeit haben viele jüngere Leute heute keinen Bezug mehr. "Und beim Fahren reißen die einen auch nicht vom Hocker", erklärt Marius Brune.

Lieber möchten die Leute schnell und sportlich fahren, weswegen potente Youngtimer zuletzt besonders stark an Wert zulegten. War ein BMW M3 (E30) Cabriolet vor fünf Jahren noch für durchschnittlich 29.500 Euro zu haben, muss man heute 77.500 Euro für den offenen Kult-Dreier berappen.

Auch ein VW Golf II Rallye hat im gleichen Zeitraum seinen Marktwert fast verdoppelt: von 11.200 auf 20.300 Euro. Und für den derzeitigen Marktpreis eines Porsche Carrera 2.7 RS könnte man sich immerhin 25 Rallye-Golfs kaufen.

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