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Autotest aktuell

Wer soll in Zukunft unsere Autos reparieren?

WELT-Logo WELT 11.08.2018

Close-up of a gas station attendant adjusting headlight of a car © Getty Images/SuperStock RM Close-up of a gas station attendant adjusting headlight of a car

Vielen Werkstätten fehlt offenbar das Interesse, die Zeit und auch die fachliche Kompetenz, sich ernsthaft um Oldtimer zu kümmern. Dabei gäbe es eine riesiges Potenzial für kundige Spezialisten.

Vor einigen Wochen ging ich zuerst mit Bigfoot wandern, dann mit Nessie schwimmen und anschließend mit dem Yeti Ski fahren. Das war ziemlich anstrengend und zeitaufwendig, aber immer noch wesentlich angenehmer als die Aufgabe, die ansonsten auf mich gewartet hätte, nämlich eine kompetente Werkstatt für meinen Oldtimer zu finden.

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Ein paar Wochen später konnte ich endlich wieder fehlerfrei fahren, nachdem die sage und schreibe dritte Werkstatt einen nervigen Defekt richtig diagnostizieren und anschließend sogar beseitigen konnte. Das lag vor allem daran, dass ich dem Meister gesagt hatte, es eile überhaupt nicht, aber es ginge schließlich um seine Berufsehre.

Praktischerweise besaß dieser Meister selbst auch einige Fahrzeuge, die mehr oder weniger baugleich zu meinem waren, sodass das Ausprobieren und Austauschen von im Verdacht stehenden Komponenten schnell und einfach über die Bühne ging. So etwas spart immens Zeit und Kosten.

In einer Markenwerkstatt wäre dies nicht möglich gewesen, weil dort Teile für ältere Autos nicht vorrätig oder sogar nicht einmal zu besorgen sind. Aber vor allem, weil sich dort immer weniger Menschen mit alten Autos auskennen.

So war zum Beispiel Motorsteuerung für mein Auto zwar theoretisch erhältlich, aber lächerlich teuer, ungefähr ein Siebtel des Wagenwertes. Ich kaufte das Ding also für 50 Euro gebraucht im Internet. Am Ende lag die Ursache ganz woanders, sodass ich nun zwei Motorsteuerungen besitze. Macht nichts, die eine geht bestimmt mal kaputt, und die Dinger sind ja klein.

Das Problem bei freien Werkstätten

Andere Werkstätten waren mir wärmstens von Autoliebhabern empfohlen worden, und eine hatte ich mit sehr guten Bewertungen im Internet entdeckt. Der dortige Werkstattleiter war zwar sehr nett, aber sein Team war ständig damit beschäftigt, die Bremsbeläge von Skodas zu erneuern oder bei einem nicht enden wollenden Strom kleiner Peugeots das Öl zu wechseln.

Dies scheint ein generelles Problem bei freien Werkstätten zu sein: Da sie so gut wie jeden Auftrag annehmen, verdienen sie ihr Geld hauptsächlich mit dem Aufziehen neuer Reifen, dem Wechsel von Öl oder eben dem Tauschen von Bremsbelägen. Anspruchsvollere Aufgaben würden viele gerne erledigen, alleine schon wegen der sportlichen Herausforderung, aber es fehlt am Ende schlicht die Zeit.

Das bringt uns auf ein spannendes Thema: In Deutschland werden immer mehr Young- und Oldtimer zugelassen, der Anteil der Neuwagen geht hingegen zurück. Das macht doch nichts, denken Sie jetzt vielleicht, aber ein anderer Trend ist der, dass viele Mitarbeiter der Werkstätten schnell mit Autos überfordert sind, die sie nicht einfach an ein Laptop anschließen können. Es stellt sich also die Frage, wer uns unsere Autos in Zukunft überhaupt noch reparieren kann oder möchte.

Hier wittere ich einen riesigen Markt. Und in der Tat kenne ich bereits zwei erfolgreiche Werkstätten, die sich fast ausschließlich auf Fahrzeuge spezialisiert haben, die mindestens 20 Jahre alt sind. Manche konzentrieren sich sogar auf bestimmte Modelle bestimmter Hersteller. Ich denke, daraus könnte sich ein neuer Trend entwickeln.

Fakt ist nun einmal, dass sich ältere Fahrzeuge ziemlich stark von neuen Fahrzeugen unterscheiden. Selbst wenn man meint, dass ältere Fahrzeuge im Prinzip über eine relativ simple und wartungsfreundliche Technik verfügen, stellen sich auch scheinbar einfache Aufgaben in der Realität oft als zu komplex für Feld-, Wald- und Wiesenwerkstätten heraus.

Die Angst vor der Elektrik

Besonders vor Fahrzeugelektrik und Doppelvergasereinstellungen hüten sich viele Mechaniker, vor allem wenn sie das gleiche Geld auch mit viel einfacheren Aufgaben verdienen können.

Womit wir gleich bei einem weiteren Problem wären: Viele jüngere Fahrzeuge werden in Zukunft wahrscheinlich an ihrer Elektrik sterben. Je exklusiver man also heute fährt, desto schwieriger dürften morgen die Reparaturen werden – eigentlich wieder ein Argument für Fahrzeuge, die 30 Jahre oder mehr auf dem Buckel haben.

Für Leute, die wirklich nur zur Arbeit fahren wollen und mit einer gesichtslosen Kugel zufrieden sind, wird es bald günstige (und langsame) Elektroautos geben. Vielleicht für 8000 Euro, bei 100 km/h abgeriegelt und ohne jeden Luxus. Günstig und gesichtslos, der sozialistische Mobilitätstraum nicht nur der Grünen. Ein Trabbi mit großer Batterie sozusagen.

Auf der anderen Seite wird es aber auch Leute geben, die Autos lieben, aber trotzdem nicht das Geld haben, im Luxussegment zu shoppen, das es auch weiterhin geben wird. Was sollen diese Leute in Zukunft kaufen, wenn die Autos keine 15 oder 20 Jahre mehr halten? Oder wenn Ersatzakkus teurer sind als neue Billigautos?

Na, wahrscheinlich einen Oldtimer. Aber wer soll den dann reparieren? Womit wir wieder am Anfang wären …

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