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Die Supra war noch ein Toyota zum Träumen

DIE WELT-Logo DIE WELT 03.04.2018
Toyota Supra © Thomas Geiger Toyota Supra

Ja, auch Toyota hat mal leidenschaftliche Autos gebaut. Nach bald 20 Jahren feiert jetzt die Supra ihr Comeback. Fazit nach einer Ausfahrt in der letzten Generation: Das wird auch höchste Zeit.

Der Auris zum Einschlafen, der Yaris einer der Konservativsten unter den Kleinwagen, und über den Prius brauchen wir gar nicht zu reden. Zwar ist Toyota der größte Autohersteller der Welt, doch wenn man den Japanern böse will, kann man sie auch als die größten Langweiler der PS-Branche bezeichnen.

Selbst VW ist dagegen fast schon progressiv und peppig. Dabei hatte Firmenchef Akio Toyoda selbst versprochen, dass seine Leute nie mehr langweilige Autos bauen werden.

Und Toyoda weiß, dass die Entwickler auch anders können. Zumindest muss das in den 80er- und 90er-Jahren so gewesen sein: Das war die große Zeit der Supra (die weibliche Form ist hier ganz bewusst gewählt), des ersten und bislang einzigen Supersportwagens von Toyota.

Anfangs als größerer und stärkerer Ableger der Celica entwickelt, wurde sie in der dritten Generation zu einem eigenständigen Modell und hat es spätestens in der vierten Auflage von 1993 nicht nur mit Honda NSX, Nissan 300Z und Mitsubishi GT3000 aufgenommen, sondern sich auch an das Heck des Porsche 911 geheftet.

Was der bis dato noch immer stärkste Toyota in der Geschichte für ein heißes Eisen war, kann man auch heute nachempfinden. Denn sogar gut 20 Jahre nach der Erstzulassung macht der Youngtimer noch immer mehr Spaß als jeder neue Toyota.

Wenn der drei Liter große Reihensechszylinder erst einmal warm gelaufen ist und die beiden kleinen Turbos Druck machen, macht die Supra ihrem Namen alle Ehre: Die dicken Schlappen unter dem breiten Heck krallen sich in den Asphalt und treiben den Wagen mit einer Kraft nach vorn, bei der Toyota-Fahrern Hören und Sehen vergeht: Der Tacho geht nicht umsonst bis über 300 km/h.

Nur der Klang ist etwas verhalten

Zwar ist die Supra mit ihren 1,6 Tonnen für jene Zeit kein Leichtgewicht. Schließlich gab's zur Leistung auch jede Menge Luxus, Lack und Leder – doch mit einem Differenzial in der Hinterachse und einem extrem knackigen Sechsganggetriebe kann man den Tiefflieger noch immer überraschend flott um die Ecken wirbeln lassen. Und wenn es doch mal eng wird, fängt man den Wagen relativ leicht wieder ein.

Das Einzige, was so gar nicht zur Supra passt, ist ihr eher verhaltener Klang. Offenbar hatten die Japaner schon damals Angst vor der eigenen Courage und haben ihren Leistungssportler deshalb auf Leisetreter getrimmt.

Allerdings passt das nicht so ganz zum Auftritt: Denn als wären das herausnehmbare Dachelement des Targa und der automatisch ausfahrende Frontspoiler nicht schon auffällig genug, haben die Designer der Supra auch noch ein riesiges Bügelbrett aufs Heck geschraubt. Das war zwar schlecht fürs Tempo und hat bei Vollgas ein paar km/h gekostet – sieht aber noch heute einfach spektakulär aus.

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Dummerweise war die Supra zu ihrer Zeit so etwas wie ein Geheimtipp, für den sich so recht niemand erwärmen könnte. Denn ein Toyota für rund 110.000 DM, das war den Deutschen dann doch zu viel. Und als dann auch noch die Abgasgesetze verschärft wurden, haben die Japaner ihren Donnerkeil schon nach drei Jahren wieder vom Markt genommen.

So richtig berühmt geworden ist er erst mit dem ersten Film aus der Reihe "The Fast and the Furious" aus dem Jahr 2001. Doch da war es schon zu spät, denn 2002 hat Toyota auch im Rest der Welt den Verkauf eingestellt.

Toyota erinnert sich an seine alten Tugenden

Seitdem ist die Supra ein gesuchter Gebrauchter, für den man schnell mal 70.000, 80.000 Euro zahlt – wenn man überhaupt eine findet. Mehr als 500 Autos wurden bei uns schließlich nicht verkauft, und viele davon sind mittlerweile hoffnungslos verbastelt und kaum mehr zu erkennen, geschweige denn zu fahren.

Doch die Suche kann man sich bald sparen. Denn so langsam erinnert sich Toyota an seine alten Tugenden und Firmenchef Toyoda an sein großes Versprechen. Deshalb gibt jetzt bald eine neue Supra ihren Einstand.

Die Neuauflage, die auf dem Genfer Salon 2018 schon mal als Rennwagenstudie zu sehen war, tritt zwar als japanischer Vetter des BMW Z4 eine Klasse tiefer an und kommt damit gefährlich nah an den GT86.

Doch wenn sie auch nur halbwegs so schnell fährt, wie der Rennwagen aus Genf ausgesehen hat – und daran sollte es bei einem Partnerprojekt mit BMW keinen Zweifel geben –, dann verzeihe ich den Japanern auch so langweilige Autos wie den Auris und den Yaris und lasse ihnen sogar den Prius.

Denn dann hat das Gähnen endlich ein Ende. Und laut genug dürfte die Supra bei diesen Endrohren diesmal auch werden.

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