Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Diesen Porsche-Sammler muss man einfach mögen

WELT-Logo WELT 01.04.2018
Er nennt sich "Urban Outlaw": Magnus Walker (r.) im Gespräch mit Helge Thomsen © Prototyp/J. Huke Er nennt sich "Urban Outlaw": Magnus Walker (r.) im Gespräch mit Helge Thomsen

Magnus Walker ist der Rockstar unter den Autosammlern. Gerade war er in Hamburg, um seine Autobiografie vorzustellen, und dabei zeigte sich vor allem eins: Der Elfer zieht immer noch.

Am Mittwochabend hat Magnus Walker im Hamburger Automuseum Prototyp die deutsche Version seiner erfolgreichen Autobiografie "Dirt Don't Slow You Down" präsentiert. Walker ist der Mensch, der seit Jahren alte Porsche 911 sammelt und sie gerne bunt anstreicht. Das macht er gut, und zwar so gut, dass schon vor einiger Zeit ein kleiner Film über ihn gedreht wurde, der sich rasch über die Welt und unter Autonarren verbreitete. Mittlerweile finden sich Walkers "Urban Outlaw"-Aufkleber sogar auf blitzeblank geputzten Land Rovern. Nun ja.

Aber Walker hat auch eine Art historischen Verdienst: Der Mann brachte zum ersten Mal ein bisschen Duft nach Freiheit in die ansonsten eher von Anwälten und Betriebswirten beherrschte Welt alter Porsche 911. Einfach dadurch, dass er tat, was er machte, und dabei er selbst blieb, befreite er das Auto von einem extrem spießigen Image, das ihm – zu Recht oder nicht – über Jahrzehnte angewachsen war. Das kann man einfach nicht schlecht finden. Er ist quasi der Rockstar unter den Autosammlern und ein sympathischer dazu.

Walkers Jünger kamen mit ihren alten Elfern

Was jedoch überraschte, war die schiere Anzahl der Menschen, die der Mann angelockt hatte, obwohl es doch eigentlich außer ihm selbst nicht allzu viel zu sehen gab. Kein einziges Walker-Auto war in Hamburg zu bewundern, dafür die Autos seiner Jünger, die viel braver aussahen, als zu vermuten war. Ein paar gepflegte F-Modelle, die übliche Anzahl mehr oder weniger gepimpter G-Modelle und sogar zwei 968er und – eigentlich ein No-Go in der Szene – ein Elfer-Cabrio.

Interessanter als die Autos waren ohnehin die Besitzer, die zu mindestens 70 Prozent aus gut situierten, arrivierten Herren in teuren Jacken bestanden, die wahrscheinlich von den Gattinnen ausgesucht worden waren. Manch einer im Publikum wurde deshalb zynisch. Einer meinte halb scherzhaft, dass Herr Walker mittlerweile etwas zu viele Aufkleber an seinem Volkswagen hätte.

Schon klar, was er meint und wie er darauf kommt. Aber man darf den Mann nicht mit der Zielgruppe verwechseln – und selbst diese scheint vielfältiger, als man auf den ersten Blick glauben mag. Da, ganz am linken Rand, stehen ein paar jüngere Männer mit Baseball-Kappen. Und einige Hardcore-Autofreaks sind auch gekommen, Gott sei Dank.

Und Walker? Der macht es genau richtig und ist britisch-nett zu jedem, arm oder reich, jung oder alt. Sympathisch. Auf der Bühne lässt er sich noch vom TV-Moderator und Oldtimer-Spezialisten Helge Thomsen interviewen, der Mann ist dafür genau die richtige Wahl.

Was bleibt? So viel ich gehört habe, ist das Buch wirklich lesenswert und erfrischend ehrlich. Noch einmal, man darf den Mann nicht mit den Fans verwechseln. Und: Der Elfer, zumal der alte, zieht immer noch, vielleicht mehr als jedes andere Automobil in Deutschland.

Es riecht halt nach Freiheit

Die Gründe sind klar: Alte 911er waren noch nie wirklich günstig (auch wenn die Preisentwicklung des letzten Jahrzehnts sich so langsam zu beruhigen scheint), was die Zielgruppe einschränkt und elitär macht. Ein Magnus Walker würde unter Golf-GTI-Fahrern oder Käfersammlern einfach nicht funktionieren.

Es braucht gerade die Reibung zwischen oberschichtigen, hochpreisigen Fahrzeugen und dem sympathischen Selfmademan aus Sheffield. Sein unkonventionelles Leben hat sich, aus finanzieller Sicht, für ihn zum Guten gewandelt, und nun steht er da mit einer Halle voller alter Elfer, ohne dass er dafür Jura studieren oder im Marketing arbeiten musste.

Dass dies Bewunderung weckt, ist verständlich und menschlich. Es riecht halt nach Freiheit, wenn Magnus Walker im Spiel ist – und das auf eine Art, die nicht spaltet, sondern vereint und auf alle Gesellschaftsschichten anziehend wirkt. Das ist nicht wenig, und dafür muss man ihn einfach mögen.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von WELT

image beaconimage beaconimage beacon