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Sänger restauriert Bullis in Namibia - Interview mit dem Musiker EES

Promobil-Logo Promobil 03.05.2018 Benjamin Köbler-Linsner

Bulli-Fan und Musiker EES: In seiner Heimat Namibia rettet der Musiker EES scheinbar vergessene Bullis aus dem Wüstensand. Liebevoll restauriert sind sie in seinen Videos zu sehen. Den Fans will er so eine Botschaft vermitteln. © EES In seiner Heimat Namibia rettet der Musiker EES scheinbar vergessene Bullis aus dem Wüstensand. Liebevoll restauriert sind sie in seinen Videos zu sehen. Den Fans will er so eine Botschaft vermitteln.

EES oder wie er mit bürgerlichem Namen heißt Eric Scell, ist ein namibischer Musiker mit deutscher Abstammung. Bekannt wurde er in Deutschland dank seiner beiden Hits „Again 'n Again“ und „Hands up“ zur Fußball WM 2010. Bei „Das Perfekte Dinner – Namibia Spezial“ 2014 konnten die VOX-Zuschauer den Sänger dann auch einmal in seiner Heimatstadt Namibia sehen. Genau dort sammelt er Oldtimer und restauriert sie für seine Musikvideos. promobil hat EES zu seiner Leidenschaft im Interview befragt.

Du fährst alte Autos in deinen Musikvideos, die Restaurierung deiner Bullis zeigst du bei Youtube. Woher hast du die Begeisterung für Oldtimer?

EES: Das alles fing an, als ich 2006 den Song „Shaggon Waggon“ geschrieben habe. „Shaggon Waggon“ (von englisch „to shag“ = „Sex haben“) ist südwesterdeutsch und wird in Namibia oft für den Bulli verwendet. Für das Musikvideo hatte ich meine Freunde nach einem alten Bus gefragt. Einer hatte einen Bulli. Damit habe ich dann einen Tag lang am Strand gedreht, und der Lifestyle hat mich begeistert.

Sollen die Autos in den Videos einfach nur gut aussehen?

EES: Meine Botschaft ist: Du brauchst kein neues, teures Auto. Hauptsache, du kommst von A nach B und fühlst dich wohl. Und in Verbindung mit der Musik will ich diese Botschaft rüberbringen. Von Anfang an wollte ich keine Sportwagen. Alte Autos sind viel cooler als das neue Zeug.

Der VW-Bus hat es dir von allen Oldtimern am meisten angetan ...

EES: Ja, das Schöne am Bulli ist, dass er groß ist und du so weit vorne sitzt. Die Maschine ist nicht vor dir, sondern du sitzt vor der Maschine und bestimmst, wo es langgeht. Das macht das Fahrgefühl in dem Bus so besonders.

Einige Busse hast du in der Wüste aufgelesen. Wie gehst du vor, wenn du einen Bulli holst?

EES: Ich versuche immer als Erstes, den Eigentümer zu finden und mit ihm den Preis auszuhandeln. Denn meistens gehören die Autos irgendjemandem. Als junger Künstler kann ich es mir nicht leisten, Hunderte Kilometer für nichts durch die Wüste zu fahren. Wenn du vor Ort fragst, wem das Auto gehört, wollen plötzlich alleder Besitzer sein.

Erst kürzlich habe ich wieder von einem neu gefundenen Bulli in der Wüste gehört. Heute habe ich den Besitzer angerufen und erfahren, dass der Wagen schon vor einem Monat von Südafrikanern abgeholt wurde.

Bulli-Fan und Musiker EES: In seiner Heimat Namibia rettet der Musiker EES scheinbar vergessene Bullis aus dem Wüstensand. Liebevoll restauriert sind sie in seinen Videos zu sehen. Den Fans will er so eine Botschaft vermitteln. Sänger restauriert Bullis in Namibia - Interview mit dem Musiker EES

Das heißt, du hast Konkurrenz durch andere Autosammler?

EES: Nicht von Namibiern. Aber es kommen viele Südafrikaner zu uns und sammeln alte Karren ein.

Was war die extremste Rettungsaktion, an die du dich erinnerst?

EES: Das war 2013, als ich zusammen mit meinen beiden Onkeln Fiedel und Willi den ersten T1 gerettet habe (Anm. d. Redaktion: siehe Foto). Wir sind über 1700 Kilometer durch die Wüste gefahren, mehr als drei Tage lang. Vorher haben wir die Position des Bullis mit Google Earth eingegrenzt. Wir wussten erst gar nichts über den Zustand des T1. Einen halben Tag lang haben wir mitten im Busch und ohne Strom an dem Bus geschraubt. Wir wollten den Bulli unbedingt mit einem Volkswagen aus der Wüste ziehen. Darum haben wir einem Käfer einen Toyota-Motor verpasst. Damit hatte er genug Power, um den Bus zur Farm zu bringen.

In deiner Heimat gibt es viele alte Autos. Sind Oldtimer für andere Namibier auch Liebhaberobjekte?

EES: Wir fahren unsere Autos, solange sie funktionieren. Meistens sind das Alltagsfahrzeuge. Es gibt einen Oldtimer-Club. Ich war auch mal bei einem Treffen. Das sind alles ältere Leute dort, und die haben mich am Anfang etwas komisch angeguckt, weil ich so jung bin. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass man sich in der Oldtimer-Gemeinde gegenseitig hilft. Diese Leute haben mir schon viele Tipps zu Ersatzteilen gegeben.

Wie und wo besorgst du die nötigen Ersatzteile für die VW-Busse?

EES: Das ist schwer. Wenn ein Bulli lange auf der Farm steht, wird der Wagen auseinandergebaut. Der Motor fehlt eigentlich immer. Wenn sie noch funktioniert, wird die Maschine in einem anderen Auto verwendet. Meistens finde ich ausgeschlachtete Bullis, bei denen die hinteren Stoßstangen fehlen. Die werden abmontiert, um den Motor zu entfernen, und dann nie wieder angeschraubt. In Namibia wird generell alles wiederverwertet. Es gibt höchstens zwei Geschäfte, in denen man Ersatzteile kaufen kann. Meistens besorge ich die Teile aber in Deutschland und nehme sie nach Namibia mit.

Ist es dir wichtig, die Busse originalgetreu zu erhalten?

EES: Wenn ich nur einen Bulli hätte, würde ich ihn original herrichten. Aber bei meinen neun Bussen ist das nicht möglich. Es ist heutzutage sehr teuer und sehr schwer, an Originalteile zu kommen.

In Namibia werden verschiedenste Projekte häufig durch Spendenaufrufe finanziert. Auf deiner Internetseite eesy-ees.com sammelst auch du Spenden. Um was geht es dabei?

EES: Das Geld soll meinem T2 zugutekommen. Der wurde etwas vernachlässigt, weil ich mich so viel um den T1 gekümmert habe. Mit dem Geld sollen z. B. ein kaputtes Fenster und die Soundanlage repariert werden. Dazu wird es auch wieder ein Video geben. Es wird Zeit, dass ich dem T2 wieder ein bisschen Liebe gebe.

Alle deine Oldtimer stehen in Namibia. Wie bewegst du dich in Deutschland?

EES: Das stimmt. Die Bullis sind alle in Namibia. Ich habe einen Ford Fiesta, Baujahr 1990. Der bringt mich von A nach B, und ich bin happy.

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